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11.11.2013

12:17 Uhr

Aktien im Fokus

Windanlagenbauer auf Talfahrt

Nachdem bekannt geworden ist, dass Windkraftanlagenbauer bald weniger von der Ökostrom-Förderung des Bundes profitieren könnten, haben es ihre Aktien schwer. Energieerzeuger-Papiere entwickeln sich besser.

Ein Windpark mit Anlagen der Firma Nordex: Kursgewinne des vergangenen Monats pulverisiert. obs

Ein Windpark mit Anlagen der Firma Nordex: Kursgewinne des vergangenen Monats pulverisiert.

FrankfurtAngesichts des von Union und SPD geplanten Umbaus der Ökostrom-Förderung haben Anleger am Montag einen großen Bogen um Windkraftanlagenbauer gemacht. Die Aktien von Nordex rutschten in der Spitze um fast 20 Prozent auf 11,10 Euro ab und notierten damit auf dem Stand von Anfang Oktober. Im Technologieindex TecDax waren sie mit Abstand größter Verlierer. Die in keinem der großen Indizes gelisteten Titel von PNE Wind sackten um bis zu 18,7 Prozent auf ein Sieben-Monats-Tief von 2,33 Euro ab. Im Handelsverlauf reduzierte sich der Verlust auf rund sechs Prozent.

Union und SPD wollen Windenergie künftig deutlich weniger unterstützen. Windstarke Standorte an Land sollen geringere Fördersätze erhalten, der Ausbau auf hoher See kräftig gestutzt werden. „Offenbar versucht die große Koalition sich unter Gesichtswahrung ein bisschen von der Energiewende zu verabschieden“, sagte Aktienstratege Robert Halver von der Baader Bank. Davon profitierten vor allem die großen Energieversorger E.ON und RWE. Deren Titel lagen 0,3 und 0,2 Prozent im Plus und entwickelten sich damit etwas besser als der Gesamtmarkt. „Es wird klar kommuniziert, dass weiter auf Kohle und konventionelle Energie gesetzt wird“, sagte Halver. „Die SPD hat eine starke Basis in Nordrhein-Westfalen, da geht es um Tausende Arbeitsplätze.“

Die größten Windkraftanlagenhersteller (Ranking 2012)

Platz 10

Die Unternehmensberatung BTM Consult analysiert einmal im Jahr den weltweiten Markt für Windkraftanlagenhersteller. Auf dem zehnten Platz befindet sich in der aktuellen Rangliste, die sich auf Daten von 2012 bezieht, das chinesische Unternehmen Mingyang mit einem Marktanteil von 2,7 Prozent. Laut eigenen Angaben ist die Firma der größte nicht-staatliche Windkraftanlagenbauer von China und arbeite in Deutschland mit dem Unternehmen aerodyn Energiesysteme zusammen.

Platz 9

Auch auf dem neunten Platz ist ein chinesisches Unternehmen, wenn auch nur mit dem geringen Anteil von 3,2 Prozent: Sinovel.

Platz 8

Mit einem Marktanteil von 4,7 Prozent ist United Power auf dem achten Platz der Weltrangliste der größten Windkraftanlagenhersteller. Das Unternehmen ist wie Sinovel und Mingyang in China beheimatet.

Platz 7

6 Prozent Marktanteil hat das chinesische Unternehmen Goldwind.

Platz 6

Gamesa ist das einzige spanische Unternehmen in der Top 10-Liste der größten Windkraftanlagenhersteller der Welt. Die Firma hat ihren Hauptsitz im Baskenland in Nordspanien und hatte 2012 einen Marktanteil von 6,1 Prozent weltweit.

Platz 5

Auf dem fünften Platz befindet sich mit einem Marktanteil von 7,4 Prozent die Suzlon Group aus Indien. Im Vorjahr war sie noch auf dem sechsten Platz

Platz 4

Auch das deutsche Unternehmen Enercon kletterte weltweit in der Rangliste nach oben – vom fünften Platz 2011 ging es auf den vierten Platz 2012. Enercon hat einen Marktanteil von 8,2 Prozent, in Deutschland hat das Unternehmen dagegen einen Anteil von mehr als 50 Prozent. 

Platz 3

Auch auf dem dritten Platz der weltgrößten Windkraftanlagen befindet sich ein deutsches Unternehmen: Siemens. Sein Anteil am Weltmarkt betrug 2012 laut BTM Consult 9,5 Prozent.

Platz 2

Eine schwere Rückschlag musste im vergangenen Jahr der dänische Windkraftanlagenbauer Vestas einstecken. Erstmals seit 2000 schaffte es das Unternehmen mit einem Marktanteil von 14 Prozent nicht auf den ersten Platz der größten Anlagenhersteller.

Platz 1

General Electric hat im vergangenen Jahr erstmals Vestas vom ersten Platz der Rangliste der größten Windkraftanlagenbauer verdrängt – mit einem Marktanteil von 15,5 Prozent. Das US-Unternehmen war 2011 noch an dritter Stelle.

Andere Börsianer blieben dennoch skeptisch in ihrer Beurteilung der Geschäftsperspektiven für die großen Versorger. „Wir gehen davon aus, dass systemisch relevante, aber unrentable Kraftwerke weiter Ausgleichszahlungen erhalten“, hieß es in einem Kommentar einer Großbank. Die düsteren Gewinnaussichten hellten sich dadurch aber nicht auf, und die Rally der Versorgeraktien in den vergangenen Monaten sei überzogen. Die Commerzbank bekräftige ihre Anlageempfehlung für E.ON mit „Hold“ und für RWE mit „Reduce“.

Obwohl die Solarbranche nach den Kürzungsrunden der vergangenen Jahre diesmal weitgehend verschont bleiben soll, stießen Anleger auch diese Titel vorsichtshalber ab. Im TecDax gaben SMA Solar um zwei Prozent auf 28,68 Euro nach. Die in keinem Index mehr gelisteten Solarworld -Anteilsscheine verloren 1,4 Prozent.

Kommentare (4)

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Hamster

11.11.2013, 12:27 Uhr

EON, RWE und konsorten verlieren gerade Ihre Geschäftsgrundlage aufgrund der regenerativen Energien. Sie schreien daher besonders auf und unsere Lobbyminister springen sofort darauf an und sabotieren die Energiewende. Die Bürger müssen mal wieder Missmanagement und Klüngelei ertragen. So heißt es statt dem deutschen Volke-> Der Deutschen Wirtschaft. Gratulation gegen ECHTEN Fortschritt!!

Account gelöscht!

11.11.2013, 12:59 Uhr

"Echter Fortschritt"?

Dann ist es auch Fortschritt, wenn der Pflug durch einen Pflanzstock ersetzt wird.

Account gelöscht!

11.11.2013, 13:08 Uhr

Wenn der Erfolg eines Unternehmens von der Stütze des Staates abhängt, sollte das Geschäftsmodell vielleicht überdacht werden. Was haben denn die Anlagenbauer erwartet? Das es ewig so weiter geht?

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