Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.11.2011

13:10 Uhr

Aktien im Fokus

Xing reitet die Social-Media-Welle

Das Karrierenetzwerk Xing ist Deutschlands Vorzeigeunternehmen im Social-Media-Sektor: Die Geschäfte laufen blendend, der Aktie kann die Schuldenkrise nichts anhaben. Und doch geben sich Analysten sehr zurückhaltend.

Xing-Startseite: Das Karrierenetzwerk macht gute Geschäfte. obs

Xing-Startseite: Das Karrierenetzwerk macht gute Geschäfte.

Der Börsenhype um Unternehmen aus dem Social-Media-Bereich ist verklungen. Die omnipräsenten Probleme in Europas Schuldenstaaten hat der Euphorie um die modernen Internet-Konzerne, die im Frühjahr mit dem Börsengang des Karriere-Netzwerks Linked-In eingesetzt war, ein schnelles Ende bereitet.

Positive Nachrichten gibt es aus dem Sektor allerdings weiterhin. Zum Beispiel vom deutschen Linked-In-Konkurrenten Xing: Das Unternehmen legte am Dienstag seine Zahlen für das dritte Quartal vor und konnte den Markt damit überzeugen. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 20 Prozent auf 16,6 Millionen Euro, der Überschuss stieg um 23 Prozent auf 2,6 Millionen Euro. Gut lief nach Unternehmensangaben vor allem der Bereich E-Recruiting, in dem Firmen Stellenanzeigen bei Xing einstellen können. Aber auch das Werbegeschäft legte deutlich zu.

Die Xing-Aktie reagierte positiv auf die Zahlen. Am Morgen gewann sie gut ein Prozent auf 59,50 Euro und war damit der einzige nennenswerte Gewinner im TecDax. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund drei Viertel an Wert gewonnen und ist damit größter Gewinner unter den 110 größten deutschen Werten in Dax, MDax und TecDax.

Was die weitere Entwicklung angeht, sind Analysten aber nur verhalten positiv. Von den wenigen Banken, die Xing bewerten, riet in den vergangenen Wochen lediglich die Commerzbank zum Kauf. Anleger sollten "früh in den laufenden Wachstuszyklus des Karrierenetzwerks investieren", empfiehlt Analystin Heike Pauls, die für die Aktie ein Kursziel von 68 Euro ausgibt.

Benjamin Kohnke, Analyst der Deutschen Bank, sieht ebenfalls "starke Wachstumsperspektiven" für das Karrierenetzwerk. Anders als Pauls geht er aber davon aus, dass diese im Kurs mittlerweile ausreichend berücksichtigt seien. Sein Anlageurteil für die Xing-Aktie lautet daher lediglich "hold". Ebenso urteilten zuletzt Hauck & Aufhäuser und Close Brothers Seydler Research.

Was gegen die Xing-Aktie spricht, ist das hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis. Auf Basis des für 2011 erwarteten Gewinns kommt das Papier Bloomberg-Daten zufolge aktuell auf ein KGV von 32,5. Allerdings ist die Aktie damit noch um ein Vielfaches günstiger als die des Konkurrenten Linked-In. Nach dem rasanten Kursanstieg seit dem Börsengang im Mai kommt Linked-In derzeit immer noch auf ein KGV von knapp 280.

In punkto Wertentwicklung muss sich Xing hinter dem großen Wettbewerber aus den USA nicht verstecken. Nachdem die Linked-In-Aktie von ihren Hochs bei rund 110 Dollar bis auf knapp 80 Dollar zurückgefallen ist, kommt sie seit dem Börsendebüt ebenfalls auf ein Plus von 75 Prozent.

Gefahr droht allerdings von anderer Seite: Für Linked-In spricht nicht nur das höhere Wachstumstempo. Im zweiten Quartal hatte das Unternehmen die Einnahmen um 120 Prozent gesteigert. Durch den Börsengang hat Linked-In neue Mittel erhalten, mit denen die Expansion vorangetrieben werden soll. Und die sieht auch einen Angriff auf den deutschen Markt vor: Bisher hat Linked-In im deutschsprachigen Raum rund zwei Millionen Nutzer, Xing dagegen kommt etwa fünf Millionen Mitglieder. Doch mit einem eigenen Büro in München wollen die Wettbewerber den Kampf gegen Xing aufnehmen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×