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03.12.2014

23:53 Uhr

Aktien im Fokus

Zalando zieht in den SDax ein

Für den MDax reicht es noch nicht ganz, im SDax aber ersetzt Zalando den Heizungsspezialisten Centrotec: Zwei Monate nach seinem Börsendebüt ist der erste Aufstieg für den Online-Modehändler perfekt.

Zwei Monate nach Börsendebüt ist Online-Modehändler Zalando in den  SDax aufgenommen worden. Reuters

Zwei Monate nach Börsendebüt ist Online-Modehändler Zalando in den SDax aufgenommen worden.

FrankfurtRund zwei Monaten nach dem Börsendebüt zieht Zalando in den SDax ein. Der Online-Bekleidungshändler ersetze den Heizungsspezialisten Centrotec im Kleinwerte-Index, teilte die Deutsche Börse am Mittwoch in Frankfurt mit. Die Änderungen werden zum 22. Dezember wirksam. Bei Dax, MDax und TecDax bleibe alles beim Alten, fügte die Deutsche Börse hinzu.

Börsianer hatten erwartet, dass Zalando bei der außerplanmäßigen Index-Anpassung Anfang der Woche Sky Deutschland im MDax ersetzt. Hier gab die Deutsche Börse allerdings Jungheinrich den Vorzug. Damit kehrt der Gabelstapler-Hersteller am Donnerstag nach mehr als elf Jahren in den MDax zurück, deren Gründungsmitglied er war.

Das Samwer-Imperium

Die Brüder

Marc (Jahrgang 1970), Oliver (1973) und Alexander (1975) wuchsen in Köln auf; sie studierten in Köln, Vallendar, Oxford und Harvard Rechtswissenschaft, BWL und VWL. Heute arbeiten sie in München und Berlin.

Die Beteiligungen

Die Brüder agieren über den Fonds Global Founders Capital (GFC) der den European Founders Fund (EFF) 2013 ersetzte und das mittlerweile börsennotierte Unternehmen Rocket Internet. Der 150 Millionen Euro schwere GFC ist ein Wagniskapitalgeber, der weltweit als Investor auch die Gründung kleiner Unternehmen die nicht im Fokus von Rocket Internet stehen unterstützen soll; Rocket ist der sogenannte Inkubator, also die Beteiligungsgesellschaft, über die die Samwers in Neugründungen von Internet-Start-ups investieren. Über den GFC halten die Samwers auch die Mehrheit an Rocket Internet.

Rocket Internet ging am 2. Oktober 2014, einen Tag nach dem mit Mitteln der Beteiligungsgesellschaft aufgebauten Versandhändler Zalando, an die Börse. Ein Misserfolg: Die zu optimistisch eingeschätzte Aktie verlor noch am ersten Handelstag zweistellig.

Die Erfolge

Angefangen hat ihr Erfolg mit Alando, einem Internet-Auktionshaus nach dem Vorbild des US-Unternehmens Ebay. Es folgte der Klingeltonanbieter Jamba, der Youtube-Klon MyVideo oder der deutsche Groupon-Vorgänger CityDeal. Zwischenzeitlich hatten sie auch Anteile an den Kontaktnetzwerken Facebook und StudiVZ. Als Aushängeschild gilt der mittlerweile Börsennotierte und mit Rocket-Internet-Geld aufgebaute Versandhändler Zalando, an dem die Samwers nach wie vor Anteile über ihren Fonds Global Founders Capital (GFC) halten.

Mit der Gründung von GFC begann eine noch internationalere und aggressivere Investitionsstrategie der Brüder, laut eigenen Angaben hält der Fonds Beteiligungen an über 50 Unternehmen weltweit. Die Brüder verfügen mittlerweile über ein geschätztes Privatvermögen von insgesamt 5,1 Milliarden Dollar.

Die Misserfolge

Die Samwers stehen eigentlich für erfolgreiche Start-ups. Doch Misserfolge gibt es auch bei ihnen. Im August 2014 listet der Autor Joel Kaczmarek in seinem Buch „Die Paten des Internets“ rund 40 Unternehmen auf, die Pleite gegangen sind – darunter Klone wie Ecareer, Dreambookers oder MyBrands.

Die Verkaufsmaschen

Wenn die Samwers etwas verkaufen wollen, setzen sie gerne auf aggressive Werbung. Das klappte sowohl bei Jamba (Stichwort: „Crazy Frog“) als auch bei Zalando („Schrei vor Glück“). Auch bei Investoren treten die drei Brüder, allen voran Oliver Samwer, offensiv auf. So schrieb der mittlere Bruder einst eine Mail an Investoren, in denen er sich und seine Brüder als Gründer des weltgrößten Start-up-Inkubators bewarb und mit lauter wichtigen Namen wie denen einiger bisheriger Investoren um sich schlug.

Die Kritikpunkte

Die Samwers gelten als erfolgreich, aber auch skrupellos – gerade, wenn es um ihre Geschäftsmodelle geht. In den USA werden sie nur „Copycats“ genannt, weil sie die Ideen erfolgreicher Unternehmer ungefragt übernehmen. Auch mit der Konkurrenz gehen sie nicht immer zimperlich um. So soll Rocket Internet auch schon das Angebot anderer Firmen gezielt manipuliert und versucht haben, an deren Kundendaten zu gelangen. Oliver Samwer bestreitet die Vorwürfe.

Der für die meisten Börsianer überraschende Aufstieg des Gabelstapler-Herstellers trieb am Montag die Aktie an, die meisten Experten hatten hier Zalando auf dem Zettel. Bei Sky Deutschland war der Streubesitz-Anteil auf unter zehn Prozent gesunken, damit erfüllte das Unternehmen die Mindestkriterien für eine Index-Mitgliedschaft nicht mehr. In den SDax rückt der Schienenlogistiker VTG für Jungheinrich auf. Diese Änderungen werden bereits am Donnerstag wirksam.

Von

rtr

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