Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.06.2011

17:07 Uhr

Aktienkurs-Einbruch

Kabel Deutschland lockt Anleger mit Dividende

Trotz Milliardenschulden: Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber will seinen Aktionären erstmals eine Dividende zahlen. Die Aktie brach um über fünf Prozent auf 42,18 Euro ein und war damit einer der größten Verlierer im MDax.

Ein Antennen-Anschlusskabel auf einem Logo des Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland. Quelle: dpa

Ein Antennen-Anschlusskabel auf einem Logo des Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland.

Frankfurt/MünchenDeutschlands größter Kabelnetzbetreiber will im laufenden Geschäftsjahr in die schwarzen Zahlen kommen und seinen Anteilseignern dann mindestens 1,50 Euro pro Papier zahlen. Der Vorschlag soll der Hauptversammlung 2012 vorgelegt werden, wie das mit 2,75 Milliarden Euro verschuldete Unternehmen am Mittwoch in München mitteilte. Konzernchef Adrian von Hammerstein erwartet in dem bis Ende März laufenden Geschäftsjahr 2011/12 ein Umsatzwachstum zwischen 6,25 und 6,75 Prozent.

An der Börse verfing das alles überhaupt nicht. Die Aktie brach um über fünf Prozent auf 42,18 Euro ein und war damit einer der größten Verlierer im MDax. Analysten hatten auf höhere Ausschüttungen gehofft und stuften auch den Ausblick als Enttäuschung ein. Zudem fragten sich einige Experten, wie lange die Kabel-Deutschland-Kursrallye noch weitergehen kann - seit dem Börsendebüt im Frühjahr 2010 hatte sich der Aktienkurs beinahe verdoppelt.

„Wir sehen derzeit wenig Raum für positive Überraschungen und glauben, dass die Papiere sich kaum besser entwickeln werden als die der Rivalen“, urteilten die Analysten der WestLB. Zum größten Konkurrenten entwickelt sich derzeit der Kabelkonzern Liberty Global, dem bereits Unitymedia gehört. Vor wenigen Monaten hat der US-Kabelriese auch Kabel BW geschluckt - allerdings prüfen die Kartellbehörden den Fall noch genau.

Für die Deutsche Telekom haben sich Kabelnetzbetreiber in den vergangenen Jahren vom bloßen Ärgernis zu einer ernsthaften Bedrohung entwickelt. Dank der hohen Einnahmen aus den Kabelanschluss-Gebühren, die Monat für Monat von rund 20 Millionen Haushalten gezahlt werden, können die Kabel-Unternehmen es sich leisten, im Telefon- und Internet-Geschäft aggressiv auf Kundenfang zu gehen. Das Geschäft wächst schnell, auch bei Kabel Deutschland: 22 Prozent der 8,8 Millionen Kunden surfen und telefonieren mittlerweile über ihren Kabelanschluss.

Bisher hat der in den meisten Bundesländern vertretene Branchenprimus aber Verluste geschrieben. Im vergangenen Geschäftsjahr stieg der Fehlbetrag wegen der Kosten für eine neue Finanzierung sogar auf 45,3 Millionen von 40,1 Millionen Euro. Er lag damit aber noch unter den Analystenschätzungen von 47,1 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte um 6,5 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro.

Kabel Deutschland muss sich bis zum kommenden Jahr einen neuen Finanzchef suchen. Wie das Unternehmen bereits am Dienstagabend mitteilte, will Amtsinhaber Paul Thomason seinen Vertrag nach dessen Auslaufen Ende März 2012 nicht verlängern. Thomason wolle nach acht Jahren als Finanzchef neue Herausforderungen in seinem Heimatland USA annehmen. Gleichzeitig verlängerte Vorstandschef von Hammerstein bis 2013.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×