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21.05.2012

18:34 Uhr

Aktienkurs

Wie Jo Ackermann die Deutsche Bank halbierte

VonJörg Hackhausen, Christian Panster

Ackermann tritt ab - was hat er den Aktionären gebracht? Unter dem Strich deutliche Verluste. In seiner Amtszeit hat die Aktie mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Seltsamerweise sind die Eigentümer damit sogar zufrieden.

Was will Deutschland von der Deutschen Bank?

Was will Deutschland von der Deutschen Bank?

Frankfurt/DüsseldorfEin letztes Mal noch darf er ran, darf erklären, wie er die Dinge sieht: Wenn Josef Ackermann am Morgen des 31. Mai ans Rednerpult in der Frankfurter Festhalle tritt, dann beginnt nicht nur sein letzter Arbeitstag für die Deutsche Bank, dann geht es auch um sein Vermächtnis. Zehn Jahre lang stand der Schweizer an der Spitze von Deutschlands größter Bank. Seine letzte Hauptversammlung wird für ihn zum Tag der Abrechnung.

Der Aktienkurs hat sich in Ackermann Amtszeit mehr als halbiert. Vor zehn Jahren kostete die Aktie des Frankfurter Finanzkonzerns gut 70 Euro. Wer heute einen Anteilsschein des Unternehmens ordert, muss gerade einmal 28 Euro dafür auf den Tisch legen.  Anders ausgedrückt: Wer damals für 50.000 Euro Aktien der Deutschen Bank gekauft hat, bekommt heute lediglich 20.000 Euro. Ohne Dividenden macht das eine jährliche Rendite von minus sechs Prozent. Keine gute Bilanz für Josef Ackermann.

Und dennoch wird die Kritik an ihm leise ausfallen. „Die Aktionäre können froh sein, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist“, sagt Klaus Nieding, Vizepräsident der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Man müsse die äußeren Umstände beachten, erklärt der Rechtsanwalt. Die meisten anderen Banken hätte es in den vergangenen Jahren deutlich schlimmer erwischt.

Trotzdem bleibt die Frage: Wie konnte es so steil bergab gehen mit der Aktie der Deutschen Bank? Wie konnte aus dem einstigen Witwen-und-Waisen-Papier eine Aktie werden, die viele Investoren derzeit lieber meiden als kaufen?

Was aus 1.000 Euro in zehn Jahren wurde

Deutscher Aktienindex (Dax)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren: +88,8 Prozent (ohne Dividenden)

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.888 Euro

Dow Jones

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +52,7 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.527 Euro

EuroStoxx 50

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +31,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.313 Euro

Nikkei

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,1 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1101 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai B-Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.103 Euro

MSCI Emerging Markets

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +228 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.285 Euro

Gold

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +314 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 4.142 Euro

Silber

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +428 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 5.275 Euro

Öl

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +221 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.205 Euro

Weizen

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +92 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.916 Euro

Kaffee

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +151 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 2.509 Euro

Staatsanleihen (Rexp)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +67 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.666 Euro

Unternehmensanleihen (Citigroup World BIG Corporate Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +56 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.559 Euro

Sparbuch

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.095,90 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 0,92 Prozent (Spareckzins)

Tagesgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.209 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent

Festgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.266 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 2,39 Prozent

Als Josef Ackermann am 22. Mai 2002 die Geschicke der Deutschen Bank übernimmt, sind die Aktionäre zufrieden mit der Wahl des neuen Chefs. Den Zusammenbruch des Neuen Marktes hat das Geldhaus einigermaßen glimpflich überstanden. Anders als andere Banken des Landes, die Dresdner beispielsweise, sind die Abschreibungen auf Beteiligungen an windigen Neue-Markt-Firmen überschaubar. Die Aktionäre bekommen immerhin 1,30 Euro Dividende je Anteilsschein ausbezahlt.

Nun soll Ackermann die Bank auf Effizienz trimmen. Und damit legt er gleich los. In den ersten Jahren streicht der Schweizer Tausende Stellen; sehr zum Missfallen der Arbeitnehmer und der Politik. Als Ackermann auf der Hauptversammlung 2005 den Abbau von mehr als 6.000 Stellen ankündigt, obwohl die Bank gerade einen Rekordgewinn eingefahren hat, empfinden das viele als Provokation.

Kritiker bescheinigen Ackermann Größenwahn. Zumal er ein kühnes Ziel ausgibt: eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern. Bis heute hängt ihm das nach, auch wenn er sich schon vor Jahren von diesem Ziel verabschieden musste, von dem die Bank zuletzt so weit entfernt war wie der Frankfurter Römer von der New Yorker Wall Street.

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

21.05.2012, 20:51 Uhr

Wenn es nach mir gehen würde, ich würde den gesamten Retail-Scheiß verkaufen, nur noch das UWAM (Ultra-Wealth-Asset-Management) behalten, nach London gehen und die DBK zu einer reinen IB wie Goldman ausbauen !

Malocher

21.05.2012, 21:33 Uhr

Jo's grosse Leistungen waren:

1) die Management-Boni an der Eigenkapitalrendite (=Rendite/Eigenkapital) auszurichten und die magischen 25% zu erreichen, indem er den Nenner (!) Eigenkapital jahrelang reduzierte
2) ein Bankster-Lobbysystem aufzubauen, dass fast alle massgeblichen Politiker in Europa korrumpiert hat (beraten und beraten lassen...)

Der dadurch entstandene Schaden für die Aktionäre der deutschen Bank und für den deutschen Steuerzahler ist immens.

weq

21.05.2012, 22:04 Uhr

und ein großartiges Vergütungssystem einzuführen. Genauso wie man ein Steuersystem in Dt. auf einem Bierdeckel machen kann - kann man auch ein Gehalt auf einem Bierdeckel machen. 20-30 fache vom Durchschnittsgehalt für alle CEO's in Dt.

For more check
https://geschaeftsbericht.deutsche-bank.de/2011/gb/lagebericht/verguetungsbericht/vorstand.html

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