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09.05.2017

16:38 Uhr

Aktienmärkte

Angst vor der Sorglosigkeit

VonIngo Narat

Die Rekordjagd an den Börsen geht weiter. Und die Anleger bleiben optimistisch. Sie sehen kaum noch Risiken, zeigen Stimmungsbarometer. Manche Banken warnen bereits sorglose Investoren vor einem Spiel mit dem Feuer.

Rekorde erzeugen Zuversicht. AFP

Die Aktienindizes steigen

Rekorde erzeugen Zuversicht.

FrankfurtDie Zukunft erscheint an den Aktienbörsen momentan rosarot. Anleger an der Wall Street erwarten zum Beispiel so geringe Schwankungen wie zuletzt vor knapp einem Vierteljahrhundert. Das zeigt das regelmäßig berechnete sogenannte Angstbarometer. Ähnliche Barometer für die europäischen Märkte und für die deutsche Börse liegen ebenfalls auf historisch tiefem Niveau.

Die Angstbarometer heißen in der Finanzsprache Volatilitätsindizes. Sie kalkulieren die erwarteten künftigen Schwankungen von Aktien-Indizes wie dem US-amerikanischen S&P 500, dem europäischen EuroStoxx 50 oder dem deutschen Leitindex Dax. Berechnungsgrundlage sind jeweils die Optionspreise für die Indizes, die die Anlegererwartungen an die Zukunft abbilden.

Meilensteine des Dow Jones

26. Mai 1896

Der Dow Jones Industrial Average debütiert mit zwölf Mitgliedern: American Cotton Oil, American Sugar Refining, American Tobacco, Chicago Gas, Distilling & Cattle Feeding, General Electric (GE), Laclede Gas Light, National Lead, North American Co., Tennessee Coal, Iron & Railroad, U.S. Leather und U.S. Rubber.

1916

Der Dow wird auf 20 Werte erweitert. Ab 1928 hat die erste US-Börsenliga 30 Mitglieder.

1. Oktober 1928

John D. Rockefellers Öl-Konzern Standard Oil steigt in den Dow auf. Standard Oil wird 1972 zu Exxon und nach der Übernahme von Mobil Oil 1999 zu Exxon Mobil.

1928

Die Berechnung des Dow wird leicht verändert, um Kursausschläge durch Aktiensplits oder beim Austausch einzelner Index-Mitglieder zu verhindern.

28. und 29. Oktober 1929

Am "Schwarzen Montag" und "Schwarzen Dienstag" fällt der Dow um insgesamt 23 Prozent. Der 12,8-prozentige Kurseinbruch vom 28. Oktober bleibt bis zum "Schwarzen Montag" 1987 der größte Tagesverlust.

26. Mai 1932

International Business Machines (IBM) steigt in den Dow auf. Das Computerkonzern fällt 1939 wieder heraus und kehrt 1979 zurück.

3. Juli 1956

International Paper steigt in den Dow auf. In den 17 Jahren und drei Monaten zuvor war die Zusammensetzung unverändert geblieben - so lange wie nie.

14. November 1972

Der Dow schließt erstmalig über 1000 Punkten.

19. Oktober 1987

Am "Schwarzen Montag" bricht der Dow um 22,6 Prozent ein. Das ist der größte Tagesverlust seiner Geschichte. In den fünf Jahren zuvor hatte er insgesamt rund 250 Prozent zugelegt.

29. März 1999

Der Dow schließt erstmalig über 10.000 Punkten.

1. November 1999

Als erste an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistete Firmen werden Microsoft und Intel in den Dow aufgenommen. Die Entscheidung spiegelt die gestiegene Bedeutung der IT-Branche für die US-Wirtschaft wider.

17. September 2001

Die US-Börse öffnet erstmalig nach den Anschlägen vom 11. September. Der Dow fällt um 684,81 Punkte. Das ist in absoluten Zahlen der drittgrößte Tagesverlust seiner Geschichte. Prozentual büßt er 7,1 Prozent ein.

19. Juli 2007

Der Dow schließt erstmalig über 14.000 Punkten.

29. September 2008

Wenige Tage nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers fällt der Dow um 777,68 Punkte das ist in absoluten Zahlen der größte Tagesverlust seiner Geschichte.

13. Oktober 2008

Der Dow verbucht mit einem Plus von 11,08 Prozent den größten Tagesgewinn seiner Geschichte.

9. März 2009

Die Finanzkrise drückt den Dow auf 6547,05 Punkte. Damit liegt er wieder auf dem Niveau von 1997.

6. Mai 2010

Der „Flash Crash“ drückt den Dow binnen Minuten um mehr als 1000 Punkte. Auslöser ist ein Fehler in einem computergesteuerten Handelsprogramm eines sogenannten „Algo-Traders“.

3. Mai 2013

Der Dow überspringt die Marke von 15.000 Punkten.

7. November 2013

Der Dow Jones erreicht den höchsten Stand aller Zeiten im Handelsverlauf: 15.798 Punkte.

13. Mai 2014

Am 13. Mai erreicht der Dow Jones neue Rekordstände. Der Index schließt bei 16.715 Punkten, dem höchsten Stand aller Zeiten.

3. Juli 2014

Zum ersten Mal in seiner Geschichte knackt der Dow Jones die Marke von 17.000 Punkten.

25. Januar 2017

Mehr als einen Monat hatten Anleger mit der runden Marke geflirtet, doch erst Ende Januar war es dann soweit: Der Dow-Jones knackte im Zuge der Trump-Rally, die der Präsidentschaftswahlsieg des Polit-Außenseiters Donald Trump losgetreten hatte, die 20.000 Punkte.

01. März 2017

Etwas mehr als einen Monat später passierte der traditionelle Weltleitindex schon den nächsten Meilenstein: 21.000 Punkte. Einen Fahrplan für die groß angekündigte Steuerreform blieb Neu-Präsident Trump zwar schuldig, doch auf dem Parkett hielt man ihm die Treue.

02. August 2017

Bis zur 22.000 dauerte es länger, denn der Sommer gestaltete sich schwieriger: Donald Trump ließ seinen Worten keine Taten folgen. Daher musste ein anderer Kurstreiber her. Und der fand sich in den starken Unternehmenszahlen. Zudem trat die US-Notenbank Fed bei der Zinsstraffung auf die Bremse, was dem Aktienhandel immer gut bekommt.

17. Oktober 2017

Im Herbst erklomm der Dow die aktuell letzte Tausendermarke: die Dreiundzwanzigste. Und das war nicht das Ende. Aktueller Höchststand: 23.575 Zähler.

Tiefe Volatilitätsindizes bedeuten, dass die Anleger auf absehbare Zeit keine großen Schwankungen und damit insbesondere keine großen Verluste erwarten. Die Aussage bezieht sich dabei auf kurzfristige Optionen, es werden also nur die nächsten Handelswochen berücksichtigt. Trotz dieser Einschränkung erfreuen sich die Angstbarometer großer Aufmerksamkeit. Bei der Deutung ihrer Daten gehen die Meinungen allerdings auseinander.

Einige Experten beunruhigt der grassierende Optimismus der Anleger. So warnt die Citi-Bank nun mit Blick auf die eigenen Haus berechneten Indizes vor der anhaltenden Sorglosigkeit. Diese hätte ein Niveau erreicht, auf das in der Vergangenheit meist ein Kursverfall an den Anleihe- und Aktienmärkten gefolgt sei. Tatsächlich lagen die Indizes häufig ausgerechnet kurz vor dem Platzen einer Börsenblase und einem darauffolgenden Absturz bei besonders niedrigen – also optimistischen – Werten.

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

09.05.2017, 17:41 Uhr

Sehr geehrter Herr Narat,

dass sich aus den Volatilitätsindices nicht die Termine von Korrekturen herleiten lassen, bedarf keines Beweises.

Die "Anleger" von denen Sie immer wieder sprechen, sind zu einem sehr hohen Teil nicht oder nur sehr unzulänglich investiert. Die Sentimentumfragen sagen, der Börsenaufschwung geht an sehr vielen deutschen Anlegern vorbei. Was bleibt ist die Frage, wer dann überhaupt als Käufer auftritt?

Dazu muß man wissen, dass die amerikanischen Indices ihren europäischen Pendants weit vorausgeeilt sind. So notiert beispielsweise der S&P 500 bei einem KGV von 18, der DAX nur bei 14. Deshalb finden Umschichtungen statt. Wie lange diese Erscheinung anhält, wie lange die Amerikaner in Europa shoppen, ist unmöglich vorherzusehen.

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