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28.07.2015

16:11 Uhr

Aktienmarkt China

Die 12 wichtigsten Antworten zum Börsencrash

VonStephan Scheuer

Der Ausverkauf an Chinas Börsen geht weiter. Doch wie tief fallen die Kurse noch? Wieso greifen die staatlichen Maßnahmen nicht? Und: Wie stark belastet der Crash deutsche Anleger und Unternehmen? Die wichtigsten Fakten.

An den Börsen geht es trotz staatlicher Eingriffe weiter bergab. dpa

Sorgen an Chinas Börsen

An den Börsen geht es trotz staatlicher Eingriffe weiter bergab.

DüsseldorfChinas Aktienmärkte halten die Börsen rund um den Globus auf Trab. Am Montag hatte der wichtige Shanghai Composite Index 8,5 Prozent verloren – die miese Stimmung drückte auch auf die US-Börsen und den Dax. Am Dienstag hat sich die Lage entspannt, doch der Kursverfall in China ist nicht gestoppt. Die folgenden Fragen dürften Anleger daher interessieren.

1. Wie tief fallen die Kurse noch?
Das kann niemand genau sagen. Nach dem schlimmsten Tageseinbruch seit acht Jahren vom Montag gaben die Kurse auch am Dienstag nach. Der Composite Index in Shanghai verlor bis Handelsschluss 1,7 Prozent. Der Component Index in Shenzhen rutschte um 1,4 Prozent ab. Der Einbruch wäre vermutlich noch schlimmer ausgefallen, wenn die Börsenaufsicht und die Zentralbank nicht neue Hilfen angekündigt hätten. „Chinas Notenbank bekräftigte, verschiedene Instrumente der Geldpolitik zu nutzen, um im zweiten Halbjahr für ausreichend Liquidität zu sorgen“, schreibt Dorothea Huttanus von der Deutschen Zentral-Genossenschaftsbank.

2. Gibt es wenigstens Anhaltspunkte für weitere Kursverluste?
Börsenguru Tom DeMark erwartet, dass chinesische Aktien in den kommenden drei Wochen weitere 14 Prozent abgeben. Demzufolge wird der Shanghai Composite Index bis auf 3.200 Punkte fallen. Das wäre ein Rückgang um 38 Prozent gegenüber dem Hoch am 12. Juni. DeMark hatte bereits früher richtige Prognosen zur Entwicklung des chinesischen Aktienmarkts abgegeben, etwa als er im Februar 2013 prognostizierte, dass der Shanghai Composite nachgeben werde. Einen Tag darauf begann der Index tatsächlich seinen Rückzug von 20 Prozent gegenüber seinem Neun-Monats-Hoch. Ob die chinesischen Indizes sich stabilisieren können, dürfte aber von weiteren Eingriffen der Regierung abhängen.

Zahlen und Fakten zu China

Bevölkerung

China ist mit 1,37 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde.

Fläche

Auf einer Fläche von rund 9,5 Millionen Quadratkilometern ist China in 22 Provinzen und fünf Autonome Regionen gegliedert.

Sonderverwaltungszonen

Dazu kommen die beiden Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau.

Hauptstadt

Die Hauptstadt des Reichs der Mitte ist Peking. Dort allein leben mehr als 20 Millionen Menschen – und das sind nur die offiziellen Zahlen.

Han und Minderheiten

Die große Mehrheit der Bevölkerung sind Han-Chinesen (91,6 Prozent), dazu kommen 55 Minderheiten.

Religion

Rund ein Fünftel der Bevölkerung hängt Volksreligionen an, dazu kommen sechs Prozent Buddhisten und 2,4 Prozent Muslime.

Stadt und Land

Mit 749 Millionen Menschen lebt die Mehrheit der Bürger (55 Prozent) in Städten.

3. Welche Rolle spielt der Staat für die Entwicklung an den Börsen?
Pekings Regierung hat von jeher dafür getrommelt, dass die Chinesen ihr Erspartes in Aktien investieren und massiv dafür geworben. Viele Bürger sind dem Aufruf gefolgt – wohl auch mangels Alternativen. Denn bislang ist es Chinesen nur schwer möglich, ihr Geld an den internationalen Kapitalmärkten anzulegen. Sie haben stattdessen die Wahl zwischen Sparbuch, Immobilien – und eben Aktien. Ein anderes Ziel der Regierung: Firmen sollen einfacher an Geld kommen. Zwar ist die Unternehmensfinanzierung über Kredite noch immer wichtig, wie das US-Analysehaus IHS betont. Doch ist der Bankensektor nur schwer in der Lage, vor allem mittelständische Unternehmen mit Geld zu versorgen. Indem die chinesische Regierung Privatanleger in Aktien drängt, versucht sie also, das Finanzierungsproblem für Unternehmen zu lösen – und die Schwächen des Bankensektors zu vertuschen.

4. Welche Nachteile ergeben sich hieraus?
Einmal angefangen, kommt der Staat nun nicht mehr aus der Sache heraus: Damit die Strategie aufgeht, sich das Ersparte für Kleinanleger mehrt und Firmen an Geld kommen, müssen die Kurse oben bleiben. Einen Crash kann man sich schon wegen der Reputation im Grunde nicht leisten. Peking hat sich daher im Kampf gegen einen Börsencrash weiter in die Märkte eingemischt, als es viele Ökonomen in China vorher für möglich gehalten hätten: Börsengänge wurden ausgesetzt, Großaktionären wurde der Verkauf ihrer Papiere verboten und Staatsunternehmen wurden zum Aktienkauf verdonnert. Zudem initiierte die Börsenaufsicht CSRC ein riesiges Aktienkaufprogramm. Über die staatliche China Securities Finance Corporation (CSFC) werden die Märkte mit Geld versorgt. Umgerechnet 446 Milliarden Euro soll Peking so zur Verfügung gestellt haben.

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5. Warum greifen diese staatlichen Maßnahmen nicht?
Die Hilfsprogramme der Regierung nutzen sich ab – oder besser: sie nützen nichts, wenn gleichzeitig immer mehr Anleger nicht mehr an die Börsen glauben. So ist der Einbruch von Montag ist ein deutlicher Hinweis, dass viele Privatanleger dem staatlich initiierten Aufwind auf lange Sicht nicht trauen. Sie nehmen lieber die Gewinne mit, als auf langfristig steigende Kurse zu hoffen.

6. Hat der Börsencrash in China Auswirkungen auf die Realwirtschaft?
Wenig. Der Aktienmarkt hat sich schon lange von der Realwirtschaft entkoppelt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der wichtigsten chinesischen Indizes liegt nach den jüngsten Kurseinbrüchen zwar näher an westlichen Maßstäben, doch immer noch deutlich über dem KGV von Dax, Dow Jones und Co. IHS hat berechnet, dass beide Börsen Schanghai und Shenzen auf ein KGV von 40 kommen, während der Indikator 2007 noch bei 70 lag.

Kommentare (34)

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Account gelöscht!

28.07.2015, 16:24 Uhr

Der Chinaman lernt jetzt eben auf brutale Weise, dass die Börse keine Spielwiese für Anfänger und Amateure ist. Und schon gar nicht Investments auf Kredit zu tätigen sind.

Sowohl den täglichen Börsenhandel als auch das langfristige Aktienanlegen sollte man den institutionellen Profis überlassen die den Beruf bei einer Investmentbank von der Pike auf gelernt und auch im dem Geschäft dort bewiesen haben, dass sie dauerhaft Geld verdienen können (und keinen Hobby-Zockern oder Kaffesatzlesern). Herzchirurg, Ingenieur oder Pilot wird man(n) ja auch nicht nebenbei in seiner Freizeit.

Ps: Aber ein Händler kann dabei niemals ein Investor sein. Und umgekehrt natürlich auch nicht.

Herr Marc Otto

28.07.2015, 16:36 Uhr

Sowohl den täglichen Börsenhandel als auch das langfristige Aktienanlegen sollte man den institutionellen Profis überlassen
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Ich bin ein ganz normaler Dipl. Ing und kein gelernter B-Profi. Trotzdem klappt es soweot ganz gut, dass ich mitr den Indices handle und auch Gewinne erziele. Man kann alles lernen, wenn man will. Und im Moment freu ich mich über die Bewegungen, die durch GR und nun durch CN in den Markt kommen.

Wenn CN jetzt kräftig korrigiert, dann wird auch wieder kräftig steigen und schon habe ich wieder Bewegung. Besonders der JP225 hat Bewegung, die iwi fließend ist und nicht so sprunghaft, wie der DAX.

Herr Ingo Tietz

28.07.2015, 16:39 Uhr

Wie wollen Sie Investments denn sonst tätigen, wenn nicht als „Kredit“?
Wenn Unternehmen investieren verschulden Sie sich.

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