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14.12.2012

14:19 Uhr

Aktienrückkauf

Buffetts Lieblingsaktie heißt: Berkshire

VonJörg Hackhausen

Warren Buffett kauft eigene Aktien zurück. Weiß der Milliardär nicht, wohin mit dem Geld? Fällt ihm nichts Besseres ein? Was hinter dem Deal steckt - und wie sich die Aktie entwickelt.

Warren Buffett während eines Interviews für Fox Business Network. Der Milliardär hat mal wieder Aktien zurückgekauft. dapd

Warren Buffett während eines Interviews für Fox Business Network. Der Milliardär hat mal wieder Aktien zurückgekauft.

Die Aktie von Berkshire Hathaway kann sich nicht jedermann leisten. Ein Anteilsschein kostet mehr als 130.000 Dollar. Für Warren Buffett, den Chef von Berkshire, ist eine solche Summe indes kein Problem. Er kauft gleich 9.200 Aktien seiner eigenen Investmentholding, wie am Mittwoch bekannt wurde.

Weiß der Milliardär nicht wohin mit dem Geld? Offenbar ist Buffett davon überzeugt, dass Aktien seiner Firma günstig zu haben sind. Aktuell ist Berkshire an der Börse kaum höher als der Buchwert bewertet, genau genommen liegt das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei 1,15.

Der Buchwert entspricht in etwa dem Eigenkapital eines Unternehmens. Diese Kennzahl kommt der wahren Wert schon recht nahe. Er lässt sich - anders als die diversen Gewinnkennziffern - in der Bilanz nur schwer frisieren. Liegt der Börsenwert unter oder nahe am Buchwert, wird Buffett aufmerksam. Das Unternehmen ist dann aus seiner Sicht unterbewertet. Je niedriger das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) desto besser.

Diese Aktien hat Buffett im Depot

Aktien im Depot

Berkshire Hathaway, die Holding von Warren Buffett, ist verpflichtet das so genannte Formular 13F zu getätigten Investments bei der US-Börsenaufsicht einzureichen.
Die Mitteilung soll immer innerhalb von 45 Tagen nach Quartalsende erfolgen und alle in den USA gehandelten Aktien, Optionen und Wandelanleihen enthalten.
Nicht ersichtlich wird aus den Aufstellungen, in welche Papiere außerhalb der USA investiert wurde oder wie groß die Barreserven sind. Ebenfalls nicht aufgeführt in der Tabelle sind Optionen, Warrants und Anleihen.

Stand: 30.06.2014, Quelle: Pflichtmitteilung (13F) an US-Börsenaufsicht, Bloomberg

Wells Fargo

Marktwert: 24,3 Milliarden Dollar

Coca Cola

Marktwert: 16,9 Milliarden Dollar

American Express

Marktwert: 14,4 Milliarden Dollar

International Business Mach

Marktwert: 12,7 Milliarden Dollar

Wal Mart

Marktwert: 4,4 Milliarden Dollar

Procter & Gamble

Marktwert: 4,2 Milliarden Dollar

Exxon Mobil

Marktwert: 4,1 Milliarden Dollar

US Bancorp

Marktwert: 3,5 Milliarden Dollar

Moody's

Marktwert: 2,2 Milliarden Dollar

Buffett schaut auf den Buchwert, wenn er andere Unternehmen bewertet, aber nach den gleichen Maßstäben beurteilt er auch seine eigene Firma. Deshalb stellt er den Buchwert auf der ersten Seite des Geschäftsberichts besonders heraus.

Bislang kaufte Berkshire nur bis einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,1 eigene Aktien auf. Diese Grenze wurde nun auf 1,2 hochgesetzt, wie Business Wire berichtete. Die Anhebung spricht dafür, dass Buffett die Berkshire-Aktie als zu niedrig bewertet ansieht.

Wer ist Warren Buffett?

Die Grundlagen

Warren Buffett, geboren am 30. August 1930 in Omaha, Nebraska, war seit frühester Kindheit von Zahlen fasziniert. Sein Vater besaß ein Lebensmittelgeschäft und war Aktienhändler. Mit acht Jahren las er Bücher über die Börse, mit elf arbeitete er in einem Brokerhaus.

Der Förderer

Buffett verschlang das Buch von Professor Benjamin Graham „Intelligent Investieren“ und ging zu ihm an die Columbia Business School. Graham gefiel der junge Mann auch und er lud ihn ein, mit in seinem Unternehmen zu arbeiten. Als sich Graham 1956 zur Ruhe setzte, ging Buffett mit dem verdienten Geld sowie geliehenem zurück nach Omaha und gründete mit 25 Jahren eine Investment-Beteiligungsgesellschaft.

Buffett Partnership , LTD

Die Gesellschaft hatte sieben Teilhaber, die zusammen gut 100.000 Dollar einzahlten. Sie bekamen jährlich sechs Prozent ihrer Anlagesumme und 75 Prozent des Gewinns. Die übrigen 25 Prozent gingen an Buffett.

Der Aufstieg

Obwohl der Dow Jones in fünf der nächsten 13 Jahre fiel, vermehrte er das Geld um knapp 30 Prozent jährlich. Kein Wunder, dass immer mehr bei ihm investieren wollten. 1962 begann er außerdem, Aktien von Not leidenden Firmen zu kaufen. So auch die einer Textilfirma namens Berkshire Hathaway.

Berkshires Umwandlung

Nachdem sich die Buffett Partnership aufgelöst hatte und alle Gesellschafter ausgezahlt worden waren, übernahm Buffett Berkshire Hathaway mit seinem Anteil von 25 Millionen Dollar. Damit begann eine Erfolgsgeschichte, die inzwischen 40 Jahre währt und legendär geworden ist. Berkshire wurde von der Textilfirma zur Beteiligungsgesellschaft.

Buffetts Bilanz

Buffetts wesentliches Ziel war lange Jahre, den Buchwert von Berkshire Hathaway um jährlich 15 Prozent zu steigern. Doch das übertraf er bei weitem. Innerhalb von 40 Jahren steigerte sich das Eigenkapital zudem von 22 Millionen Dollar auf 69 Milliarden Dollar, der Buchwert pro Aktie von 19 auf knapp 60.000 Dollar. Dabei unterliegt Berkshire Hathaway der Einkommen- wie auch der Kapitelertragsteuer.

Das Prinzip

Buffett mag es, „Gewissheiten mit Abschlag“ zu kaufen, wie er es formuliert. Ihm liegt also viel daran, dass die Vorhersehbarkeit der Entwicklung eines Unternehmens vorhanden ist. Und Buffett kauft nur dort, wo er das Geschäftsmodell vollkommen versteht. Das nennt er „Kompetenzradius“. Ihm liegt viel an geringen Schulden, hoher Kapitalrendite und einer guten Führungsmannschaft.

Das Dilemma

Buffett hat sehr oft ein Problem: Die Aktien, die er kaufen will, werden nur selten mit Preisabschlägen gehandelt. Zumindest in den Branchen, wo sein „Kompetenzradius“ liegt. So viel Glück wie bei Amex hat man eben nur selten.

American Express

Das erste und wichtigste Investment war American Express (Amex). 1962 fiel die Aktie der Kreditkartenfirma nach einem Skandal über Nacht von 65 auf 33 Dollar. Buffett hielt Amex grundsätzlich aber für stark und handelte zielstrebig. Er nahm 13 Millionen Dollar in die Hand – immerhin 40 Prozent des Gesamtvermögens seiner Gesellschaft. Der Börsenkurs stieg und Buffett sackte allein in den ersten beiden Jahren einen Profit von 20 Millionen Dollar ein.

Das Versicherungsgeschäft

Im März 1967 kauft Berkshire Hathaway für 8,6 Millionen Dollar Aktien von zwei Versicherern: National Indemnity Company und National Fire and Marine Insurance Company. Es war der Beginn einer phänomenalen Erfolgsstory in dieser Branche. Sie passte perfekt zu Buffetts Anlagestrategie. Es folgten weitere Zukäufe, unter anderem auch bei Rückversichern wie General Re. 

Washington Post

Buffetts Geschichte mit dem Medienkonzern ist in zweifacher Hinsicht eine besondere: Zum einen half er der Geschäftsführung in schwierigen Zeiten entscheidend weiter, zum anderen mehrte der spätere Erfolg sein Vermögen. Die Investition hat sich ungefähr verfünfzigfacht. Aber vor allem „zementierte“ die Post laut Finanzjournalisten Buffetts Ruf als „Meister-Investor“ in den 70er-Jahren.

Coca-Cola

Buffett liebte Coca-Cola seit Leben lang. Doch die ersten Aktien kaufte er erst 1988. Das Unternehmen passt perfekt zu Buffetts Vorliebe, große Kapitalmengen mit hoher Investitionsrendite einsetzen zu können. Die bekannteste Marke der Welt ist für Bufett auch das wertvollste Geschäftskonzept der Welt. Cherry Coke ist heute übrigens das offizielle Getränk der Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway.

Gillette

Rasierklingen brauchen die Menschen auch in Krisenzeiten. Buffetts Interesse an Gillette erwachte in den 80er-Jahren. Damals galt das Unternehmen an der Wall Street als reifes, langsam, aber stetig wachsendes Unternehmen – also perfekt für eine Übernahme durch Berkshire Hathaway. Als Gillette 1991 einen Aktiensplit vornahm, bekam Berkshire Hathaway für seine Vorzugsaktien elf Prozent der Stammaktien. Der Wert der Investition stieg innerhalb von zwei Jahren von 600 Millionen auf 875 Millionen Dollar.

Fruit of the Loom

Fruit of the Loom gehört seit 2002 zu Berkshire Hathaway. Das Unternehmen stellt rund ein Drittel der Herren- und Jugendwäsche her, die in den USA verkauft wird. Buffett gab 835 Millionen Dollar für Fruit of the Loom aus.

Clayton Homes

Ebenfalls im Jahr 2002 entschied sich Buffett, Clayton Homes zu übernehmen. 1966 durch den Sohn eines Farmpächters gegründet, ist das Unternehmen heute der größte Fertighaushersteller der USA. Die Idee entstand übrigens auch, weil sich Buffett über die „fürchterlichen Verbraucherfinanzierungs-Praktiken“ aufregte.

Wells Fargo

Im Oktober 1990 hat Berkshire Hathaway für 289 Millionen Dollar Aktien an Wells Fargo erworben. Das war damals sehr mutig, denn viele „Bären“ an der Wall Street wetteten auf den Niedergang der kriselnden Bank aus San Francisco. Doch Wells Fargo überstand die kritische Phase und war 2003 die einzige US-Bank mit dem Top-Kreditrating AAA.

Das sehen die Anleger offenbar genauso. „Berkshire Hathaway hat ein sehr intelligentes Aktienrückkaufprogramm aufgelegt. Warren Buffett erwirbt umso mehr eigene Aktien, je günstiger die Aktie ist“, sagt Henrik Muhle. Der deutsche Fondsmanager ist nicht nur ein Anhänger der Buffett'schen Investmentstrategie, sondern zugleich Anteilseigner von Berkshire. „Allerdings kauft Buffett nur unter der Prämisse, dass er keine anderen Investments findet, die den inneren Wert von Berkshire Hathaway noch stärker erhöhen. Zudem möchte er eine Finanzreserve von 20 Milliarden Dollar nicht unterschreiten“, erklärt Muhle.

Buffett geht mit dem Rückkauf also keine unkalkulierten Risiken ein, sondern hält sich genau an seine Strategie. Gleichzeitig verrät er damit aber auch, dass er anderswo momentan keine Gelegenheiten sieht, mehr für sein Geld zu bekommen.

Nachdem die Nachricht vom Aktienrückkauf die Runde gemacht hatte, verteuerten sich Berkshire-A-Aktien prompt um drei Prozent. In diesem Jahr sind die Papiere insgesamt um 17 Prozent gestiegen.

Mit Material von Bloomberg

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

14.12.2012, 18:26 Uhr

komisch immer dieses Gerede über Buchwerte, habe ein paar chinesische Agraraktien im Depot. Die liegen all um Faktor 4 unterm Buchwert. Wo bleiben denn da die Value Investoren ? Ach das sind ja chinesen, da zählt das nicht.
Ich vertraue den AMIs keinen Millimeter, man sieht das ja anhand der Immobilienkriese wie die uns jahrelang getäuscht haben.

Traumschau

14.12.2012, 22:51 Uhr

Andere Deutung zulässig?
Buffet weiß, dass demnächst alles den Bach runter geht. Der ist viel weiter, als die Politikdarsteller jemals imstande sind voraus zu denken.
Er weiß um die politische Umstände, der Ränkespiele und schätzt die Sprengkraft der durch die ungehemmte Geldschöpfung entstandene Blase richtig ein. 2013 wird es richtig ernst! Ein sehr kluger Mann! Das ist alles natürlich nur meine persönliche Meinung!

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