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24.07.2015

15:40 Uhr

Amazon-Aktie

Anleger feiern Bezos und die schwarzen Zahlen

VonLisa Hegemann

Die Amazon-Aktie stieg am Freitag auf ein neues Rekordhoch. Für den Onlinehändler ist der aktuelle Kurs das i-Tüpfelchen auf einem perfekten Börsenjahr. Doch an den Gewinn sollten sich Aktionäre nicht gewöhnen.

Online-Händler überrascht Börsianer

Kursgewinn bei Amazon lässt Wall Street verrückt spielen

Online-Händler überrascht Börsianer: Kursgewinn bei Amazon lässt Wall Street verrückt spielen

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BerlinDie Amazon-Anleger kannten am Freitag kein Halten mehr. Nachdem Amazon am Donnerstag überraschend einen Gewinn von 92 Millionen US-Dollar und einen Umsatzsprung von 20 Prozent verkündet hatte, kletterten die Aktien des Online-Händlers zum Börsenstart um gut 18 Prozent nach oben und waren damit der mit Abstand stärkster Wert im Nasdaq-100-Index.

Für Amazon stellt die aktuelle Entwicklung eigentlich nur das i-Tüpfelchen auf einem ohnehin schon bestens laufenden Aktienjahr dar. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert des Amazon-Papiers verdoppelt. Lag der Kurs im Januar bei 253 Dollar, waren es am Donnerstag 521 Dollar – Tendenz weiter auf Rekordkurs. Damit überholte Amazon gemessen am Börsenwert erstmals den US-Einzelhändler Walmart und schreibt seine seit Jahren anhaltende Erfolgsgeschichte an der Börse fort.

Geschäftsfelder von Amazon

Online-Handel

Mit Büchern fing alles an, doch mittlerweile hat Amazon eine breit gefächerte Produktpalette. Der US-Konzern verkauft inzwischen auch CDs, DVDs, Kleidung und Elektronik. Auch mit der Lieferung von Lebensmitteln experimentiert das Unternehmen.

Eigene Hardware

Ob Kindle oder Kindle Fire: Amazon bietet eigene E-Reader und Tablet-Computer an. Die Hardware ist in der Regel sehr günstig – Geld will das Unternehmen mit dem Vertrieb digitaler Medien wie E-Books verdienen.

Verkaufsplattform

Nicht alles, was bei Amazon angeboten wird, stammt aus den Lagerhäusern des Konzerns. Er stellt seine Verkaufsplattform Marketplace auch Privatleuten und anderen Händlern zur Verfügung – natürlich gegen Kommission.

IT-Dienste

Der weltgrößte Online-Einzelhändler ist auch ein führender Anbieter von IT-Diensten. Bei den „Amazon Web Services“ geht es um das sogenannte Could Computing: Unternehmen, Behörden oder Software-Entwickler können Rechenleistung, Speicherkapazitäten und damit verbundene Dienstleistungen mieten. Der Vorteil: Man spart an der eigenen Computertechnik und kann auch flexibel auf Nachfrage-Schübe reagieren.

Experten gehen sogar davon aus, dass die Aktie noch weiter steigen könnte. Die Analysten von Axiom Capital haben das Kursziel von 500 auf 650 Dollar angehoben und raten weiter zum Kauf. Die japanische Großbank Mizuho setzt das Kursziel mit 645 Dollar auf einer ähnlich ambitionierten Höhe fest.

Um die Erfolgsgeschichte von Amazon zu verstehen, reicht nicht allein der Blick auf die Geschäftszahlen. Denn die 92 Millionen Euro sind nicht der erste Gewinn, den Jeff Bezos vorlegt. Schon im ersten Quartal strich das Unternehmen ein Plus von 256 Millionen Dollar ein, auch in den Jahren zuvor konnte der Onlinehändler ab und an mal schwarze Zahlen verbuchen. Doch die Börse mit Gewinnen zufrieden zu stellen, entspricht nur einem Teil der Strategie von Jeff Bezos.

Der Gründer des größten Onlinehändlers der Welt folgt einer klaren Strategie: Erst Geschäftsausbau, dann der Gewinn. Dass Amazon ein Plus einfuhr, dürfte also nicht unbedingt geplant gewesen sein. Schließlich fußt der Gewinn vor allem darauf, dass die Kosten langsamer wuchsen als die Einnahmen. Die Ausgaben gingen also nicht zurück, sondern der Gewinn begründet sich im wachsenden Umsatz. Dass Bezos immer noch stark investiert, dafür sprechen auch andere Zahlen: Amazon steigerte die Zahl seiner Beschäftigten binnen eines Jahres um 38 Prozent, insgesamt kommt der Konzern inzwischen auf 109 Logistikzentren weltweit. Und dass der Konzern auf Robotertechnik setzt, ist ebenfalls bekannt. An den Gewinn sollten sich die Aktionäre daher besser nicht gewöhnen.

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