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29.01.2010

14:32 Uhr

Analyse

Investmentlegende Marc Faber warnt vor neuer Blase am Aktienmarkt

An den Aktienmärkten droht nach Ansicht von Investmentlegende Marc Faber mittelfristig bereits die nächste Blase.

dpa-afx FRANKFURT. An den Aktienmärkten droht nach Ansicht von Investmentlegende Marc Faber mittelfristig bereits die nächste Blase. Die "lasche Politik der US-Notenbank" (Fed) in den letzten neun Jahren könnte die Inflation ankurbeln und die Investoren mangels anderer Alternativen zu Aktienkäufen animieren, sagte der Anlagestratege am Rande des Fondskongresses in Mannheim.

Die Zinserhöhungen der Fed zwischen 2004 und 2006 hätten nur wenig mit einer restriktiven Geldpolitik zu tun gehabt, begründete der für seinen Pessimimus am Markt auch als "Dr. Doom" bekannte Faber seine Auffassung. Denn in diesem Zeitraum seien die Volumina der Konsumentenkredite weiter gewachsen statt gesunken, wie es die wirtschaftliche Lage erfordert hätte. Erschwerend komme hinzu, dass ab Anfang der 1980er Jahre die Gesamtschulden der USA einschließlich der Kosten für die Sozialversicherungen und das Gesundheitswesen deutlich stärker gewachsen seien als das Bruttoinlandsprodukt der USA.

"Bernanke IST DER Lehrling Gutenbergs"

Der hohe Berg an Kreditschulden aber sei für die Amerikaner in der aktuellen Rezession kaum verkraftbar, gab Faber zu bedenken. Denn im Gegensatz zu den Abschwüngen in den Jahren 1973/74, 1982 und 1990 seien die US-Häuserpreise in der aktuellen Rezession gefallen, wodurch eine wichtige Refinanzierungsquelle der amerikanischen Verbraucher auszutrocknen drohe. Die Banken hätten erst ab September 2007 mit einer Verschärfung der Kreditvergaberichtlinien gegengesteuert. Zu diesem Zeitpunkt sei die Verschuldung der privaten Haushalte jedoch bereits so groß gewesen, dass ein massiver Einbruch des für die US-Wirtschaft sehr wichtigen Konsums befürchtet werden musste.

Vor diesem Hintergrund habe der derzeitige Fed-Chef Ben Bernanke kaum eine andere Wahl gehabt, als die Geldmaschine anzuwerfen und mit künstlich niedrigen Zinsen den Konsum zu stützen. "Bernanke ist nicht der Lehrling von seinem Vorgänger Alan Greenspan, sondern von Johannes Gutenberg", kommentierte die Investmentlegende. Insofern könnte der Dollar in Zukunft gegenüber anderen Währungen an Attraktivität verlieren. "Bereits seit Anfang letzten Jahres erleben wir, dass der Greenback sinkt und zugleich die Liquidität zunimmt sowie die meisten anderen Geldanlagen wie etwa Aktien an Wert gewinnen."

Zudem würde angesichts des zusätzlich angefachten Konsums auch das vom Ausland finanzierte Handelsbilanzdefizit der USA immer weiter steigen. "Langfristig ist diese Situation natürlich nicht haltbar", mahnte Faber. So könnten zum Beispiel die Chinesen aus Sorge um die Wirtschaftskraft der Vereinigten Staaten ihre von der US-Regierung ausgegeben Staatsanleihen wieder verkaufen und dem Markt somit Liquidität entziehen. Dann würde der große Crash an den Aktienmärkten tatsächlich erst noch bevorstehen, wie der Anlagestratege zu Beginn seiner Ausführungen betonte.

China Profitiert VOM 'ÜBerkonsum" DER Amerikaner

Der durch das billige Geld finanzierte "Überkonsum der Amerikaner" fließe aber nicht nur in Aktien, sondern auch ins Ausland und dort vor allem in die aufstrebenden Volkswirtschaften, meinte Faber. Von diesen Finanzströmen dürften insbesondere chinesische Exporteure profitieren. In China selber würden damit wiederum verstärkt Rohstoffe benötigt, so dass deren Preise stiegen und sich die Rohstoffprodukte entsprechend verteuerten.

Überhaupt werden die Schwellenländer Faber zufolge in Zukunft eine viel stärkere Rolle spielen als ursprünglich gedacht. So habe der Ölverbrauch in dieser Region Anfang 2009 den Bedarf der Industrieländer übertroffen. Rechne man zudem die vielen, statistisch nicht erfassten haushaltsnahen Dienstleistungen in den Emerging Markets hinzu, sei die Wirtschaftskraft der Schwellenländer noch einmal ein gutes Stück höher als offiziell ausgewiesen.

In der Konsequenz plädierte der erfahrene Investor unter anderem für einen Einstieg in den asiatischen Aktienmarkt. Interessant seien aber auch Immobilienengagements in den aufstrebenden Märkten. Wegen der Landflucht in China etwa dürfte der dortige städtische Wohnraum teurer werden.

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