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26.01.2005

07:00 Uhr

Analysten erwarten starkes Gewinnwachstum – Übernahmephantasien treiben den Kurs

Autozulieferer Grammer steuert durch die Branchenkrise

VonPatrick Mönnighoff (Handelsblatt)

Die Autobranche klagt über zurückhaltende Konsumenten, die Rohstoffpreise klettern in die Höhe und der starke Wettbewerb drückt die Preise. Eigentlich sind die Zeiten auch für die Zulieferer der Autoproduzenten alles andere als günstig. Dennoch: Das Papier des Sitzherstellers Grammer kannte zuletzt nur eine Richtung: nach oben. Und die Rally ist längst noch nicht beendet, sagen Experten.

HB DÜSSELDORF. Rund 50 Prozent hat der Anteilsschein von Grammer allein in den vergangenen zwölf Monaten gewonnen. Getragen wurde der Kursanstieg vor allem von positiven Unternehmensnachrichten. So hat der Sitzhersteller aus Amberg bei München nach einem kräftigen Gewinneinbruch im Vorjahr allein im ersten Halbjahr 2004 das Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 16,2 auf 27,7 Mill. Euro gesteigert. Für das Gesamtjahr erwartet Stilian Boiadjiev, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, einen Gewinn je Aktie von 2,70 Euro. Ein Jahr zuvor lag der Wert etwa einen Euro darunter. „Und die Schätzungen sind sogar noch eher konservativ“, sagt Boiadjiev.

Zwar ist ein Teil dieser Ergebnissteigerung im Aktienkurs enthalten. Dass das Kurspotenzial damit jedoch längst nicht erschöpft ist, zeigt ein Blick auf die fundamentalen Daten. Immerhin ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von deutlich unter zehn extrem günstig bewertet. „Auf dem aktuellen Niveau ist das Papier noch immer rund 25 Prozent unterbewertet“, sagt Boiadjiev, der die Aktie zum Kauf empfiehlt.

Auch bei den Analysten von GSC Research steht der Titel auf der Empfehlungsliste. Denn bei dem Papier darf zudem fleißig spekuliert werden. Bereits 2001 hat die britische Private-Equity-Gesellschaft Primera 68 Prozent der Anteile erworben. Zusammen mit der Gründerfamilie halten die Investoren in zwei Holdinggesellschaften deutlich über 80 Prozent der Aktien. Der Streubesitz liegt nur noch bei rund 17 Prozent.

Da der Kurs sich seit dem Einstieg von Primera bereits mehr als verdreifacht hat, rechnet Boiadjiev zumindest mittelfristig mit dem Ausstieg der Investoren. „In den kommenden ein oder zwei Jahren wird Primera mit Sicherheit die Anteile verkaufen“, bestätigt auch Matthias Schrade, Finanzexperte bei GSC Research. Den anderen Aktionären würden dann unter Umständen kräftige Prämien winken – spätestens dann, wenn der neue Großaktionär die restlichen Kleinaktionäre aus dem Unternehmen drängt (Squeeze-Out).

Als potenzielle Käufer werden vor allem andere, größere Automobilzulieferer gehandelt. Und das läge durchaus im Trend. Erst vor wenigen Monaten hat Continental den Hamburger Konkurrenten Phoenix übernommen. Weltweit ist die Zahl der Unternehmen in der Branche sogar von über 25 000 Ende der 80er- Jahre auf einige Tausend geschrumpft. Und die Konsolidierung ist noch nicht beendet.

„Einen Käufer zu finden, wird nicht allzu schwer werden“, sagt Boiadjiev. „Der Konzern ist für die Konkurrenten mit Sicherheit interessant“, sagt auch Schrade. Immerhin ist das Unternehmen nicht nur günstig bewertet. Auch die Perspektiven sprechen für den Zulieferer.

So wird Grammer, mit über 7000 Mitarbeitern in dreizehn Ländern vertreten, noch im laufenden Jahr mit der Produktion von Kopfstützen für den neuen 3er BMW beginnen und für den neuen Passat Mittelkonsolen und Armlehnen herstellen. „Das allein wird den Umsatz spätestens im zweiten Quartal kräftig ankurbeln“, sagt Boiadjiev. Zudem soll in wenigen Monaten ein Werk in China errichtet werden, um Volkswagen bei der Expansion in dem Riesenreich zu unterstützen. Boiadjiev sieht daher den fairen Wert der Aktie bei rund 35 Euro. Gestern notierte das Papier gut acht Euro unter dieser Marke.

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