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16.03.2006

07:05 Uhr

Analysten raten zum Abwarten

Skepsis über Rally bei Praktiker

VonDiana Fröhlich

Die Baumarktkette Praktiker befindet sich derzeit noch auf Erfolgskurs: Die Entwicklung der Aktie der deutschen Nummer zwei der Branche hinter Marktführer Obi überraschte viele Börsianer. Obwohl erst seit November 2005 an der Börse notiert, kletterte der Kurs inzwischen um rund zehn auf mehr als 24 Euro.

HB FRANKFURT. Daneben rückt der Wert am kommenden Montag in den MDax auf und ersetzt die Aktie des Computerhändlers Medion. Zudem stemmte sich das Unternehmen mit Sitz im saarländischen Kirkel im vergangenen Geschäftsjahr gegen den negativen Branchentrend – und steigerte den Jahresumsatz um 3,4 Prozent auf 3,03 Mrd. Euro. Das positive Ergebnis übertraf die Erwartungen der Analysten. „Wir sehen Praktiker auch nach dem erfolgreichen Börsenstart auf einem guten Weg“, sagt Volker Bosse von der Hypo-Vereinsbank.

Doch für einen weiteren Höhenflug der Praktiker Bau- und Heimwerkermärkte Holding AG gibt es kaum Anzeichen. Von sechs Analysten empfehlen aktuell nur zwei die Praktiker-Aktie zum Kauf, vier geben das Urteil „halten“. Sebastian Künne von HSBC Trinkaus & Burkhardt stuft die Aktie als neutral ein und warnt vor zu viel Euphorie. „In Deutschland ist der Markt gesättigt und zeichnet sich durch Verdrängungswettbewerb aus. Zwar sehen wir nach den soliden Umsatz- und Gewinnzahlen für 2005 weiterhin Potenzial für Gewinnsteigerungen, diese kommen aber eher aus Kostensenkungen und nicht aus dem Wachstum.“ Mittelfristig erwartet Künne, dass der Aktienkurs auf 21 bis 22 Euro nachgeben könnte.

Auch Analyst Bosse hält das „weitere Aufwärtspotenzial für die Praktiker-Aktie für begrenzt“ – trotz der zuletzt guten Entwicklung. Praktiker hingegen blickt auf das abgelaufene Jahr und zeigt sich erfreut über eines der besten Ergebnisse der 28-jährigen Unternehmensgeschichte. Das betriebliche Ergebnis vor Firmenwertabschreibungen (EBITA) stieg um 31,6 Prozent auf nun 105,8 Mio. Euro. Anfang April wird der Konzern seine endgültigen Jahreszahlen für 2005 vorlegen.

Zwei wesentliche Geschäftsstrategien schüren insgeheim die Phantasie der Anleger: Zum einen will Praktiker weiter in Osteuropa expandieren und setzt dabei vor allem in Rumänien und Bulgarien „auf den relativ großen Sanierungs- und Renovierungsbedarf“, sagt Harald Günter, Sprecher der Baumarktkette. Außerdem will der Konzern 2006 in Deutschland noch das neue, discountähnliche Verkaufskonzept „Easy to Shop“ starten. Dabei wird das Warensortiment in den Bereichen Bauen, Renovieren, Garten, Werkstatt und Wohnen verschlankt; das soll den Einkauf zu günstigen Preisen erleichtern – Vorbild ist etwa Aldi.

Doch von beiden Strategien sind die Experten nicht ganz überzeugt. Praktiker ist zwar in fünf europäischen Ländern Marktführer und erzielt im Ausland mehr als 25 Prozent seines Umsatzes, doch laut Sebastian Künne lässt sich in Polen, Griechenland oder Ungarn derzeit kaum Geld verdienen. „Der Plan, weiter in Osteuropa zu expandieren, wirkt sich tendenziell positiv auf die Bewertung der Aktie aus“, sagt der Analyst. Doch Umsatz macht Praktiker damit kaum. Im Inland wird der aggressive Preiskampf der Baumarktketten wie Obi, Hornbach oder Praktiker in Zukunft weiter den Umsatz belasten.

Dabei könnte nach einer Testphase das „Easy to Shop“-Prinzip durchaus Erfolg versprechen. „Bei Schuhen und Textilien funktioniert es bereits, da die Deutschen sehr preissensibel sind. Warum nicht auch bei Baumärkten“, sagt Analyst Bosse. Er geht davon aus, dass Praktiker in diesem Jahr von der Mehrwertsteuererhöhung ab 2007 profitieren könnte, dies aber im kommenden Jahr eine Umsatzbelastung sein dürfte. Denn wer plant, sein Wohnzimmer zu renovieren, macht das jetzt und wartet nicht, bis es wieder teurer wird.

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