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25.01.2005

13:25 Uhr

Analysten treffen düstere Prognosen für die Aktie – Anreize für Kursanstieg fehlen

US-Pharmariese Merck gehen die Kassenschlager aus

VonAnette Kiefer

Vier Monate, nachdem der US-Pharmakonzern Merck sein Schmerzmittel Vioxx wegen Sicherheitsbedenken vom Markt genommen hat, ist nach Ansicht von Analysten noch keine Besserung für die Aktie in Sicht. „Zurzeit liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei Merck etwa ein Fünftel niedriger als bei vergleichbaren Aktien, und das ist angesichts der Umsatzverluste mit Vioxx auch gerechtfertigt“, sagt etwa Chris Shibutani von JP Morgan.

HOUSTON. Das amerikanische Justizministerium ermittelt derzeit gegen Merck. Experten befürchten, dass Patienten in den kommenden Jahren zahllose Schadensersatzprozesse anstreben werden. „Merck wird einen harten und langen Kampf gegen die Vioxx-Klagen kämpfen“, erwartet zum Beispiel Analyst Carl Seiden von UBS Investment Research. „Finanziell gesehen ist das wahrscheinlich die beste Strategie für sie, aber dadurch wird auch die Unsicherheit für die Anleger wesentlich länger andauern.“ Nach Schätzungen der US-Aufsichtsbehörde für Arznei- und Lebensmittel (FDA) könnten fast 140 000 Patienten nach der Einnahme von Vioxx gesundheitliche Schäden davongetragen haben. Bislang war die amerikanische Öffentlichkeit von etwa 30 000 Fällen ausgegangen.

Als besonders bedenklich bewertet John Boris von der Investmentbank Harris Nesbitt, dass die ersten Gerichtsverfahren – die für weitere Prozesse Vorbildcharakter haben könnten – voraussichtlich in Texas und Alabama anlaufen werden. Diese Staaten haben den Ruf, traditionell eher zu Gunsten der Geschädigten zu entscheiden. John Boris zählt deshalb zu der großen Mehrheit der Analysten, die Anlegern raten, die Aktie von Merck zu Halten: Der US-Finanzdienst Thomson First Call listet 31 Anlageurteile auf, davon vier Kaufempfehlungen, eine Verkaufsempfehlung und 26 neutrale Bewertungen.

Ein neuer Rückschlag traf Merck am 16. Januar als die Aufsichtsbehörde FDA das Cholesterin-Medikament Mevacor nicht zum rezeptfreien Verkauf freigab. Merck hatte eine Genehmigung beantragt, bei der sich die Patienten statt mit einem Arzt nur mit dem Apotheker hätten besprechen müssen. Doch in einer Studie habe der Pharmaproduzent nicht beweisen können, dass Risikopatienten wie Schwangere dem Medikament auf diesem Weg fernbleiben, begründete die Behörde ihre Entscheidung.

Mit Mevacor will Merck ein Marktsegment von rund 20 Mill. US-Amerikanern erschließen, deren Herzinfarktsrisiko innerhalb der nächsten zehn Jahre bei zehn bis 20 Prozent liegt. Bereits jetzt gelten Herzerkrankungen in den USA als häufigste Todesursache, mit steigender Tendenz.

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