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08.08.2013

16:03 Uhr

Analystencheck

Commerzbank-Aktie schießt nach oben

Ein kleiner Lichtblick reicht aus: Die Aktie der Commerzbank legt um mehr als zehn Prozent zu. Auch von Analysten wird das Institut allmählich wieder positiver beurteilt. Ist das der Wendepunkt?

Der Umbau geht voran: Das zweite Quartal lief besser als erwartet. dapd

Der Umbau geht voran: Das zweite Quartal lief besser als erwartet.

DüsseldorfDie Erwartungen an die Commerzbank sind derart niedrig, dass schon ein kleiner Lichtblick ausreicht, um die Börse zu begeistern: Die Bank präsentierte am Donnerstag einen kleinen Gewinn für das abgelaufene Quartal. An der Börse legte die Aktie zeitweise um mehr als 16 Prozent auf 7,71 Euro zu.

Nach einem Verlust von 94 Millionen Euro zu Jahresbeginn erwirtschaftete die Commerzbank nun einen Überschuss von 43 Millionen Euro. Das war zwar weniger als im Vorjahreszeitraum, aber Analysten hatten mit noch weniger gerechnet. Mehrere Experten aktualisierten ihre Schätzung. Davon sprachen drei eine Kaufempfehlung aus, zwei rieten zum Halten, einer zum Verkaufen. „Keine schlechten Nachrichten seien gute Nachrichten“, titelte Roderick Bridge von S&P Equity in einer Studie.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

„Erfreulich sehen wir nur die Entwicklung in der Investmentbank, insbesondere beim Geschäft mit Aktien“, schrieb Ingo Frommen von der LBBW. „Die insgesamt schwierige Situation der Commerzbank sehen wir bestätigt.“ Sein Kursziel: 6,80 Euro.

Von Euphorie ist zwar keine Spur, aber in den vergangenen Wochen hatten mehrere Analysten die Aktie bereits hochgestuft. So gab es beispielsweise Empfehlungen von HSBC, Bank of America Merrill Lynch und Equinet. Das zeigt ein Blick in den Handelsblatt-Analystencheck. Dieses Tool bietet Anlegern einen Überblick über die aktuellen Analystenurteile samt Begründung. Dass die Commerzbank allmählich wieder positiver beurteilt wird, könnte darauf hindeuten, dass der Wendepunkt erreicht ist - noch muss man das sehr vorsichtig formulieren.

Die Aktie der Commerzbank ist in diesem Jahr um 30 Prozent gefallen. Sie ist damit eine der schwächsten Werte im Dax, zuletzt nur noch unterboten von K+S. Nach Meinung der Analysten wird die weitere Entwicklung davon abhängen, ob die Bank ein neues Geschäftsmodell findet.

Die Commerzbank hatte 2013 zum Übergangsjahr erklärt. Die neue Strategie, die vor allem im Privatkundengeschäft ansetzt, soll sich im nächsten Jahr im Ergebnis widerspiegeln. Die Commerzbank plant neue Filialmodelle und will dabei auch die Kosten senken. Weltweit sollen rund 5.200 der gut 54.000 Stellen gestrichen werden. Im ersten Quartal hatte die Bank dafür rund 500 Millionen Euro Rückstellungen gebildet.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

08.08.2013, 13:52 Uhr

.................................
BUY THE RUMOR AND SELL THE FACTS
.................................
nach diesem motto wird zzt. mit stark
gefallenen aktien verfahren..
..
risikobereite investoren sind bereits
eingestiegen oder machen es stestens
nach überwindung des widerstandes bei
€.6.96..
..
so dürfte auch der kurssprung von ca.
11% bei der cobank zu erklären sein..
..
ein neues konzept gibt es bei der co-
bank übrigens auch schon..!!
..
sie wird im privatkundengeschäft neben
dem filialen ein onlinekundensystem auf-
bauen, ähnlich der tochter comdirect,
um eigenen kunden eine kostengünstige
alternative zu bieten und kosten senken
zu können..
..
deshalb werden auch alle filialen auf
den prüfstand gestellt und evtl. zusam-
mengelegt..
..

Account gelöscht!

08.08.2013, 14:32 Uhr

Bei meinem CoBa-Topzins-Tagesgeldkonto (nur zu Verrechnungszwecken habe ich den Mist) behalten die Bankster es sich neuerdings ausdrücklich vor, GAR KEINE Zinsen mehr zu zahlen, sollte der Kontostand unter 5.000,- EUR fallen.
Die sind schon echt straff drauf, die Herren Bankiers.

Account gelöscht!

08.08.2013, 16:50 Uhr

Staatliche Baustelle Commerzbank
---------
"Ob Kredite für riskante Hypotheken oder für die Pleite-Stadt Detroit: Die Commerzbank ist scheinbar überall dabei, wo es Geld zu verlieren gibt - der deutsche Staat haftet."
Quelle: DW
http://www.dw.de/staatliche-baustelle-commerzbank/a-17003914

Aber die CoBa ist ja "systemrelevant"; also muß sie vom "Steuervieh" gerettet werden. Das ist "alternativlos"!
Gewinne werden - natürlich - privatisiert.
Und die Bankster, die Börse und die Spekulanten jubeln.
Der Kurs der Aktie steigt um 15.7%.

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