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06.04.2016

13:47 Uhr

Anlage

„Dividenden sind die bessere Miete“

VonKatharina Schneider

Heute wurden in Frankfurt die Unternehmen gekürt, die ihren Aktionären am verlässlichsten eine Dividende zahlen. Doch Ausschüttung allein macht es nicht. Worauf Anleger beim Investieren achten sollten.

In diesem Jahr schütteten die Unternehmen besonders viel Geld an ihre Aktionäre aus. Imago

Bonbon in Hundert-Euro-Schein eingewickelt

In diesem Jahr schütteten die Unternehmen besonders viel Geld an ihre Aktionäre aus.

FrankfurtAdel verpflichtet – und zwar zum Zahlen einer Dividende. In den Stand der Dividenden-Aristokraten werden in den USA solche Unternehmen erhoben, die mindestens 25 Jahre in Folge ihre Gewinnausschüttung angehoben haben. In Deutschland gibt es solche Unternehmen nicht, doch die neue Dividendenstudie der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) zeigt, dass sich die Ausschüttungen hierzulande trotzdem auf einem Rekordniveau befinden. Zum zweiten Mal in Folge werden die Gesellschaften in diesem Jahr deutlich mehr als 40 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner ausschütten.

An diesem Mittwoch haben die Aktionärsschützer gemeinsam mit der Research-Plattform „DividendenAdel“ ihre aktuelle Auswertung in Frankfurt präsentiert. Die genaue Summe der Gesamtausschüttung steht noch nicht fest, da Volkswagen seine Dividende noch nicht bekannt gegeben hat. Schon jetzt ist aber sicher, dass es insgesamt mehr als 40 Milliarden Euro sein werden - und das, obwohl von RWE und der Deutschen Bank in diesem Jahr keine Zahlungen kommen.

„Das ist ein klares Indiz für einen in der Breite spektakulär guten Dividendenjahrgang“, sagt Studienautor Christian Röhl. So hätten MDax, SDax und TecDax neue Ausschüttungsrekorde aufgestellt. Insgesamt stockten fast zwei Drittel der Unternehmen in den in den Auswahl-Indices ihre Ausschüttung auf. In der Studie wurden alle Gesellschaften untersucht, die im regulierten deutschen Aktienmarkt notiert sind.

Sind Dividenden tatsächlich die neuen Zinsen? Röhl gefällt der Vergleich nicht. „Dividenden sind die bessere Miete“, sagt er. „Wie Immobilien sind Aktien keine Spekulation, sondern Sachwerte, die laufende Erträge generieren und auf lange Sicht an Wert gewinnen.“ Anlegern empfiehlt er, die kurzfristige Kursentwicklung auszublenden, schließlich würden auch Vermieter nicht ständig über den Verkaufspreis ihres Hauses nachdenken. Solange die Dividende gezahlt werde, müssten sich die Anleger um die Kursentwicklung keine Sorgen machen. Doch, wenn die Ausschüttungen gekürzt würden oder ausfielen, sollte das als Warnsignal gewertet werden – das habe beispielsweise die Entwicklung bei RWE gezeigt.

Verteilung des Geldvermögens in Deutschland

Sichteinlagen

1050,1 Milliarden Euro

Lebens- und Rentenversicherung

913,5 Milliarden Euro

Spareinlagen und Sparbriefe

613,8 Milliarden Euro

Investmentfonds

460,1 Milliarden Euro

Aktien direkt

236,3 Milliarden Euro

Termingeld

246,4 Milliarden Euro

Anleihen und Schuldverschreibungen

144,0 Milliarden Euro

Bargeld

143,6 Milliarden Euro

Sonstiges

1402,3 Milliarden Euro
(z.B. Ansprüche aus Rückstellungen)

Gesamt

5210,1 Milliarden Euro
Quelle: Deutsche Bundesbank

Die Studienautoren haben die Dividendenzahler in verschiedene Rubriken aufgeteilt. Da gibt es etwa die „Adelsanwärter“, die ihre Dividende immer erhöht haben. Dieses Ranking führt Fresenius an. Mit 24 Dividendenerhöhungen in Folge ist das Unternehmen schon nahe dran, ein echter Aristokrat nach amerikanischer Definition zu werden. Danach folgen Fresenius Medical Care (19 Jahre), Fuchs Petrolub (14 Jahre) und STRATEC Biomedical (13 Jahre). Immerhin elf Gesellschaften haben ihre Dividende seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr gekürzt – sie werden in der Studie die„ Zuverlässigen“ genannt. Dazu gehören SAP, die Münchener Rück und Henkel.

Als „wahren Dividendenregen“ bezeichnete DSW-Chef Marc Tüngler die Ausschüttungen der Unternehmen. Schade nur, dass sehr viele deutsche Anleger davon nichts abbekommen. Denn rund 64 Prozent der Dax-Gesellschaften gehören ausländischen Investoren.

„Von den rund 30,1 Milliarden Euro, die die 30 größten deutschen AGs an ihre Anteilseigner ausschütten, landen im Durchschnitt mehr als 19 Milliarden Euro nicht in den Portemonnaies deutscher Anleger“, sagt Tüngler. Die deutschen Anleger hätten anscheinend kein Vertrauen in die deutsche Wirtschaft.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

06.04.2016, 14:02 Uhr

Wohl dem, der seine Dividenden über eine Briefkastenfirma einheben kann und nicht bei den Kürzel KESt erschauern muß.

Account gelöscht!

06.04.2016, 14:05 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Chris Woodley

06.04.2016, 14:09 Uhr

Was nutzen einem Dividenden, wenn der Kurs 30 % fällt ?

Buffett sagt: Bargeld unter die Matratze !

Wer am Ende der Aufwärtsbewegung noch kauft ... selber Schuld.

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