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05.01.2017

09:11 Uhr

Anlegen 2017 – Teil 12 – US-Aktien

Die Hoffnungsträger an den US-Börsen

VonFrank Wiebe

US-Aktien werden im Jahr 2017 voraussichtlich von einer starken Wirtschaft profitieren. Die Performance der US-Börsen hängt außerdem von der Einlösung der Trumpschen Wahlversprechen ab. Im Visier: Tech-Titel.

Neigt sich die Rally an den US-Börsen dem Ende zu? Nicht unbedingt, urteilen Experten. AP

Blick auf die Wall Street

Neigt sich die Rally an den US-Börsen dem Ende zu? Nicht unbedingt, urteilen Experten.

New YorkEin Investor klopft an die Himmelspforte. Petrus schickt ihn erst für einen Tag in die Hölle, dann soll er wiederkommen. Der Mann fährt zur Hölle und findet dort einen netten Teufel im Smoking, eine Bar, einen Strand und einen Golfplatz. Sieht gut aus. Als er erneut vor der Himmelspforte steht, fragt Petrus, ob er wirklich in den Himmel will. Der Investor entscheidet sich für die Hölle. Doch diesmal stinkt es dort, außerdem ist es fürchterlich heiß. Da fragt der Mann den Teufel: „Was hat sich auf einmal geändert?“ Der Teufel antwortet: „Gestern war Wahlkampf. Heute ist die Wahl vorbei.“

Mit diesem Witz macht Larry Adam seinen Kunden klar: Die Zeit der Euphorie ist vorbei, jetzt ist Nüchternheit angesagt. Nach Einschätzung des Chef-Investors von Deutsche Bank Wealth Management spielen Politik und Zinsen für die Aktien weltweit eine größere Rolle als in den meisten vergangenen Jahren. Trotzdem ist er immer noch optimistisch für US-Aktien. Er glaubt zwar, dass die Bewertungen, also die Verhältnis der Kurse zu den Gewinnen, nicht weiter steigen. Allerdings geht er von wachsenden Gewinnen aus.

Welche politischen Stolperfallen Anlegern 2017 drohen

Aktien

Von Reuters befragte Analysten sehen den Dax im Schnitt bis Ende 2017 bei rund 11.470 Punkten. Das wäre in etwa auf dem Niveau vom Jahresende 2016 "Die Dividendenrendite ist im Vergleich zu den Anleihe-Renditen weiterhin so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Das Gewinnwachstum der Unternehmen ist in Ordnung", sagt Lars Thörs, Aktien-Chef der Fondsgesellschaft Danske Capital. Gertrud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba, verweist auf einen weiteren Aspekt: „Angesichts weiterhin extrem günstiger Finanzierungsbedingungen dürften Unternehmen auf das bislang nur verhalten eingesetzte Instrument der Aktienrückkaufe zurückgreifen.“

Über weite Strecken kam der Dax 2016 kaum vom Fleck. Das Plus von knapp sieben Prozent seit Jahresbeginn geht zum größten Teil auf die Kursentwicklung im Dezember. Anfang des Monats übersprang der Dax die 11.000er Marke.

Als großen Risikofaktor für die Aktienmärkte sehen Börsianer die Wahlen in Deutschland, Frankreich den Niederlanden und möglicherweise auch in Italien. „Die Welle der populistischen Ergebnisse ist für Europa 2017 eine große Bedrohung“, sagt Craig Erlam, Marktanalyst des Brokerhauses Oanda. Ein zunehmender Nationalismus könnte der Anfang vom Ende der Euro-Zone sein.

Anleihen

An den Rentenmärkten werde es 2017 kaum etwas zu verdienen geben, ist sich Lars Edler, Co-Chefanleger des Bankhauses Sal. Oppenheim sicher. „Bei zehnjährigen Bundesanleihen gehen wir von einer negativen Gesamtrendite von etwa einem Prozent aus.“ Wenig besser dürfte es Anlegern mit US-Staatsanleihen ergehen: Hier sei eine Nullrendite zu erwarten. Die Ökonomen der Rabobank geben sich ähnlich skeptisch: „Wir sind nicht davon überzeugt, dass Donald Trumps Politik der Wirtschaft nachhaltigen Schub verleiht.“ Mögliche politische Spannungen könnten zudem die Attraktivität deutscher und US-Bonds als relativ sichere Anlagen erhöhen und damit die Renditen drücken.

Wegen der politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen liegt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen derzeit mit rund 0,3 Prozent etwa halb so hoch wie zu Jahresbeginn. Ihre US-Pendants rentieren mit knapp 2,3 Prozent zwar höher als Anfang 2016. Jenseits des Atlantik erwarten Börsianer aber auch eine Serie von Zinserhöhungen durch die Notenbank Fed. Staatsanleihen sind seit Jahren für Investoren ein schlechtes Geschäft, da die großen Notenbanken diese Papiere in großem Stil aufkaufen. Damit sollen die Finanzierungskosten für Staaten niedrig gehalten und die Konjunktur angekurbelt werden.

Devisen

Wegen der unterschiedlichen Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantik ist der Euro den Analysten der Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank zufolge 2017 auf dem Weg zur Parität. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei Kursen um die 1,04 Dollar - rund vier US-Cent weniger als Anfang Januar. Die Experten der Rabobank sagen dagegen ein Ende des Dollar -Höhenfluges voraus. Der konjunktur- und damit inflations- und zinstreibende Effekt höherer Infrastruktur-Investitionen in den USA werde voraussichtlich durch eine restriktivere Handelspolitik zunichte gemacht.

Die Talfahrt des chinesischen Yuan wird dem Commerzbank-Analysten Peter Kinsella zufolge weitergehen. „Der Yuan gilt zwar als künstlich billig, doch ist er die mit Abstand teuerste Schwellenländer-Währung.“ Um Börsenturbulenzen zu vermeiden, werde China seine Valuta aber nur behutsam abwerten. Kinsella sieht den Dollar Ende kommenden Jahres bei 7,15 Yuan. In den vergangenen Monaten kletterte er um rund sechs Prozent auf etwa 6,90 Yuan. Anfang 2016 hatte eine rasche Abwertung der chinesischen Währung ein weltweites Börsenbeben ausgelöst.

Erdöl

Im Januar treten die niedrigeren Förderquoten für die Opec-Staaten in Kraft. Viel hängt davon ab, ob sich die Mitglieder des Export-Kartells sowie Russland an die Vereinbarung halten. Viele Analysten rechnen für das erste Halbjahr mit Preisen um 55 Dollar je Fass (159 Liter). Danach werden die Preise der US-Bank Goldman Sachs zufolge aber fallen. Denn geringere Exporte der Opec und Russlands ließen Raum für Konkurrenten wie die US-Schieferölindustrie.

Dank der geplanten Kürzung der Fördermengen durch die großen Exportländer verteuerte sich die Ölsorte Brent aus der Nordsee binnen Jahresfrist um etwa die Hälfte auf 56 Dollar je Barrel (159 Liter).

Andere Rohstoffe

Auf Kursverluste müssten sich Anleger an den Metallbörsen einstellen, sagt Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Zwar steige durch die geplanten Infrastruktur-Investitionen in den USA und China die Nachfrage, gleichzeitig wachse aber auch das Angebot. Außerdem sei die Rally nach der US-Präsidentschaftswahl überzogen gewesen. Weinberg sieht den Kupfer -Preis bis Ende 2017 bei rund 5600 Dollar je Tonne. Seit September ist der Preis für das wichtige Industriemetall um ein Fünftel auf rund 5538 Dollar gestiegen.

Die Nachfrage nach der „Anti-Krisen-Währung“ Gold wird Analysten zufolge wegen der politischen Unwägbarkeiten anhalten. Die Experten der Commerzbank rechnen damit, dass der Preis für eine Feinunze Gold bis Ende 2017 auf rund 1300 Dollar von derzeit etwa 1150 steigt. 2016 verteuerte sich das Edelmetall um rund zehn Prozent.

Seine Begründung für diese Hoffnung: Donald Trump. Seiner Einschätzung nach wird dessen Steuerreform die Gewinne weitaus stärker beflügeln, als der hohe Dollarkurs sie bremsen wird. Das gilt für den S&P 500, Amerikas wichtigsten Aktienindex. Und es gilt noch viel mehr für den Russel 2000, in dem die kleineren Unternehmen, die wenig Auslandsgeschäft machen, ein hohes Gewicht haben.

Schon für das vierte Quartal 2016 deutet sich ein positiver Gewinntrend an. Nach den Daten von Factset Insight haben nur 77 Unternehmen aus dem S&P 500 für diesen Zeitraum eine negative Entwicklung des eigenen Gewinns je Aktie prognostiziert. Das ist einer der niedrigsten Werte der vergangenen fünf Jahre.

Larry Adam liegt mit seiner Prognose im Trend vieler anderer Experten. Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Keppler Management etwa findet US-Aktien zu hoch bewertet und rät zum Verkauf. Die Analysten dort schätzen mehr die deutlich niedriger bewerteten deutschen, französischen und italienischen Papiere. Adam kritisiert dagegen, die europäischen Aktienmärkte seien zu sehr vom problematischen Finanzsektor abhängig.

Anlegen 2017 – Leser-Erwartungen: „Wir werden viele Überraschungen erleben“

Anlegen 2017 – Leser-Erwartungen

„Wir werden viele Überraschungen erleben“

Anleger erwarten ein schnelles Ende der Trump-Rally an den Börsen und glauben, dass es bereits ab Februar mit dem Dax abwärts geht. Doch das Risiko ist größer, steigenden Kursen hinterherlaufen zu müssen.

In den USA sieht er vor allem den Energiesektor als Wachstumstreiber – er geht von einer weiteren Erhöhung des Ölpreises aus. Außerdem setzt er große Hoffnungen in Tech-Aktien. Er nennt keine Namen, sagt aber: „Alle großen, bekannten Firmen in dem Sektor werden von Entwicklungen wie Drohnen, selbstfahrenden Autos, mobilen Zahlungssystemen oder Medizintechnik profitieren.“ Außerdem ist die Branche noch recht moderat bewertet. Goldman Sachs hatte vor kurzem ähnlich zu Tech-Aktien geraten und dabei Titel wie Alphabet, Amazon, Paypal und Pandora herausgestellt.

Adam schaut aber nicht nur bei den Chancen auf die Politik, sondern auch bei den Risiken. Einzelne Terroranschläge weltweit haben in den vergangenen Monaten wenig Kursreaktionen ausgelöst. „So makaber das ist, aber man hat sich daran gewöhnt“, sagt er. Sollte allerdings eine Organisation wie die Terrormiliz Islamischer Staat systematisch mehrere Anschläge auf US-Städte ankündigen und verüben, dann könnte es seiner Meinung nach mit dem Vertrauen der Verbraucher, das maßgeblich die US-Konjunktur trägt, schnell wieder vorbei sein.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

05.01.2017, 09:45 Uhr

Steigende Unternehmensgewinne, steigende Zinsen und ein starker Dollar....das sind die Zutaten für eine starke Volkswirtschaft. Und Trump wird seine Politik genau danach ausrichten. Wie er es mit "Great Again" "American first" ja im Wahlkampf versprochen hat.
Und den Willen dazu erkannte man schon kurz nach dem Wahlgewinn von Trump. Der fackelt nicht lange rum sondern macht es wie eine Geschäftsmann....gleich das Heft den Handeln in die eigene Hände nehmen und die, die ihm nicht Unterstützen die "kalte Schulter" zeigen...wie z.b. den Haupftmedien in den USA. Trump lässt die "Alten Medien" bewusst links liegen. Er braucht diese in Zukunft auch nicht mehr. Das Internet macht diese komplett überflüssig. Über Twitter oder Facebook gehen seine Gedanken und seine Meinung ungefiltert an die Bevölkerung. Und das ist der große Vorteil am Internet...das Internet ist schonungslos und bringt Aussagen und Meinung unzensiert hervor. Im Gegensatz zu den "alten Medien".
Der Meinungsaustausch und die Meinungsbildung ist mit dem Internet (Soziale Medien) für eine direkte Demokratie unverzichtbar! Keine Regierung- Staatspropaganda mehr die nur gefilterte Informationen ohne Gegenrede zulässt. Trump hat ein neues Zeitalter eingeläutet...das Zeitalter der direkten Demokratie, Meinungsausstauch und Mehrheitsfindung über die sozialen Netzwerke/Internet!
Ob das den Merkels, den Grünen Sozialisten und Propaganda Medien (alten Medien) in Deutschland und der EU schon so klar ist...keine Ahnung. Aber die Zeitenwende ist mit Trump angebrochen. Und für das HB habe ich noch einen Vorschlag zu machen...macht eure Internetseit zu einer Seite der Meinungsbildung und den Meinungsbild...zu einer Seite wo jeder zu Wort kommt und wo jeder seine Meinung kund tun darf...unverfälscht und unzensiert...ohne Unterwürfigkeit an die eine oder andere Politik/Regierung. Die Meinung der Gesellschaft...unzensiert und real abgebildet.
[..Hier kommt jeder zu Wort der sich an die http://www.handelsblatt.com/netiquette  hält ...Red.]

Herr Percy Stuart

05.01.2017, 10:42 Uhr

Hallo Herr Hofmann, wir sidn zwar nicht immer einer Meinung, aber hier stimme ich Ihnen voll zu. Auch große Teile der deutschen Medien leben nur noch von der Substanz und den Werbekunden aus der Wirtschaft. Mit Druckerzeugnissen und Abos ist nichts mehr zu gewinnen. Mit jedem neuen Quartal brechen die Auflagen gerade der noch großen Zeitungen und Magazine ein. Egal ob BILD, SPIEGEL, FAZ oder Süddeustche. der stern kann von den alten Zeiten nur noch träumen. Die Medienkrise, die jetzt seit über 15 Jahren anhält, wird sich noch weiter verschärfen. Viele Verlage werden nicht überleben.
Da nutzen auch die ganzen Onlineplatztformen, welche nur noch mit Wrbung zugemüllt sind nichts mehr. Orwell lässt grüßen: „kauft und konsumiert“.
Wirtschaftliche Interessen bestimmen den journalistischen Inhalt, weil Medienkonzerne gewinnorientiert arbeitende Wirtschaftsunternehmen sind.
Wird nichts mehr verdient, ist der Laden dicht. Ein Freund von mir war Pressefotograf, der hat seinen Job nach über 30 Jahren im Beruf von heute auf morgen an den Nagel gehängt, weil er es leid war, bei den ständig weiter sinkenden Honoraren und der immer teureren digitalen Technik für einen Hungerlohn an Wochenenden, nachts und an Feiertagen zu arbeiten. Der will von der Medienbranche nichts mehr wissen!

Herr Percy Stuart

05.01.2017, 10:43 Uhr

@ Herr Hofmann
Wünsche Ihnen übrigens hiermit noch ein gutes neues Jahr, dass spannend werden wird!

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