Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2005

11:35 Uhr

Anleger fordern verkappte Dividenden ein

Firmen kaufen verstärkt Aktien zurück

VonGertrud A. Hussla (Handelsblatt)

Der Fall Deutsche Börse ist ein gutes Beispiel für den Sinneswandel der Anleger. Die Absicht der Frankfurter, die Londoner Börse zu übernehmen, stößt bei Aktionären auf heftigen Widerstand. Die Investoren hätten es lieber, wenn die Deutsche Börse ihr Geld anders ausgibt: für Aktienrückkäufe. Der Kauf eigener Aktien durch Unternehmen gewinnt rasch an Popularität.

DÜSSELDORF. In den USA wie in Europa haben Konzerne im vergangenen Jahr nach Expertenangaben dafür doppelt so viel Geld ausgegeben wie in den Jahren zuvor. Unter den deutschen Firmen wenden bis jetzt aber noch vergleichsweise wenige das Instrument systematisch zur Kurspflege an. Allerdings gibt es Ausnahmen wie BASF oder die Deutsche Bank. Dies ergab eine Umfrage des Handelsblatts.

In den USA haben Konzerne nach Daten des Researchinstituts Trim-Tabs, San Francisco, 2004 Rückkaufprogramme im Wert von 312 Mrd. Dollar angekündigt – doppelt so viel wie im Vorjahr. Auch in Europa ist die Tendenz steigend: Hier haben Konzerne 2004 angekündigt, Aktien im Wert von 1,4 Prozent des Marktwerts aller börsennotierten Aktien zurückzukaufen. Bei einer Summe von 8,5 Bill. Dollar wären das knapp 120 Mrd. Dollar. 2002 waren es im Schnitt nur 0,6 Prozent, wie Morgan Stanley ermittelte.

Denn in Zeiten hoher Kassenbestände und eher mäßiger Wachstumsraten wollen Anleger Geld sehen. Dabei gelten Rückkäufe als eine Art versteckte Dividende, weil sie eine kursstützende Wirkung haben. Sie verringern die Zahl der ausstehenden Aktien und steigern damit den Gewinn pro Aktie. Morgan Stanley errechnete, dass nach Ankündigung eines Rückkaufprogramms der Kurs der jeweiligen Aktie den Markt deutlich schlägt. Nach drei Monaten liegt er im Schnitt um zwei Prozent höher. Nach zwölf Monaten überflügelt er den Markt sogar um 13 Prozent.

Portfoliomanager mögen das. In der jüngsten Umfrage von Merrill Lynch unter internationalen Fondsmanagern wünschten 49 Prozent aller Befragten, dass Unternehmen hohe Kassenbestände in Form von Dividenden oder Rückkaufprogrammen an die Aktionäre zurückgeben; nur 35 Prozent wollten, dass das Geld für Übernahmen ausgegeben wird. „Aktienrückkäufe sind 2005 ein großes Thema und werden Einfluss auf unsere Anlageentscheidungen haben“, sagt Hugh Prendergast, Mitglied des Pioneer-Investmentteams. Portfoliomanager Eberhard Weinberger von der Jens-Erhardt-Vermögensverwaltung sagt: „Bevor ein Unternehmen teure Akquisitionen in den USA macht, ist uns lieber, es kauft Aktien zurück.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×