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27.07.2011

10:37 Uhr

Anleger verprellt

Merck-Aktie beendet den Höhenflug

Die Quartalszahlen von Merck haben die Anleger auf dem falschen Fuß erwischt. Wo sie einen Gewinn erwarteten, stand ein Millionenverlust.

Das Logo des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck. Quelle: dpa

Das Logo des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck.

DüsseldorfDer Aktienkurs des Chemie- und Pharmakonzerns Merck hat heute einen hässlichen Knick bekommen. Schuld daran ist die große Enttäuschung, die die aktuellen Quartalszahlen am Morgen bei den Anlegern ausgelöst haben. Das Papier verbilligte sich am Vormittag um über fünf Prozent und liegt derzeit bei 73,51 Euro. Die Aktie hatte im April und Mai besonders schnell neue Höhen erklommen, Jahresbilanz der Aktie: Plus 30,4 Prozent.

Nach dem überraschenden Quartalsverlust hat Merck nun auch seine Prognose für das Gesamtjahr gesenkt. Das hat viele Anleger verprellt, denn es sieht so aus, als hätte die Merck-Aktie erst einmal seinen Höhepunkt überschritten. Wertberichtigungen, Integrationskosten im Zusammenhang mit der Übernahme des US-Laborausrüsters Millipore sowie Rückstellungen wegen des Entwicklungsabbruchs beim einstigen Pharma-Hoffnungsträger Cladribin gegen Multiple Sklerose drückten den Konzern ins Minus. Nach Steuern blieb ein Verlust von 84 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt für das Quartal mit einem Nettogewinn von 240 Millionen Euro gerechnet.

Auch operativ sorgten die Einmaleffekte im zweiten Quartal für ein Minus: In den Büchern stand ein operativer Verlust von 11,4 Millionen Euro nach einem operativen Gewinn von 326,2 Millionen Euro im Vorjahr. Der Konzernumsatz stieg im Zeitraum April bis Juni dagegen um 16 Prozent auf 2,56 Milliarden Euro. Langfristig gesehen versucht Vorstand Karl-Ludwig Kley die Wogen zu glätten: „Bereinigt um die Einmaleffekte läge es beträchtlich über dem Vorjahresniveau“. Im Jahr 2010 hatte Merck noch ein operatives Ergebnis von 1,11 Milliarden Euro erwirtschaftet. Beim Konzernumsatz rechnet Kley dagegen 2011 mit einer Steigerung auf 10 bis 10,4 Milliarden Euro. 2010 stand ein Umsatz von 9,29 Milliarden Euro in den Büchern.

Analysten lassen Vorsicht walten

Commerzbank-Analyst Daniel Wendorff widerspricht Merck-Vorstand Kley, was die Einschätzung des Ergebnisses angeht. Er hebt hervor, dass auch die grundsätzliche Entwicklung ohne Berücksichtigung der Sondereffekte schwächer sei, und sowohl Merck Serono als auch Merck Millipore die Erwartungen verfehlt hätten. Der Experte hatte mit seiner Prognose für den operativen Gewinn mit 398,4 Millionen sogar noch oberhalb des Marktkonsens von 383 Millionen Euro gelegen. Gleichwohl blieb er in seiner ersten Einschätzung bei seiner Einstufung mit „Add“ und einem Kursziel von 82 Euro.

Equinet blieb auf „Hold“ mit dem Kursziel 80,00 Euro. Auf den ersten Blick kämen die Quartalszahlen und der gesenkte Unternehmensausblick einem Desaster gleich, schrieb Analyst Martin Possienke am Morgen. Aus seiner Sicht stehe das operative Geschäft aber womöglich nicht ganz so schlecht da wie erwartet. Für Verwirrung sorge die Einteilung der Zahlen in ein „operatives Ergebnis“, ein „operatives Kernergebnis“ und „bereinigtes Kernergebnis“. Das neue Management werde aber womöglich für eine positivere Geschäftsentwicklung sorgen.

Insgesamt sind die Analysten vorsichtig eingestellt: Von den bei Bloomberg gelisteten Analysten, die in den letzten vier Wochen eine Einschätzung veröffentlicht haben, urteilen elf mit "Kaufen", acht mit "Halten" und zwei mit "Verkaufen".

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