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27.11.2014

17:09 Uhr

Anleihen

Platzt die Blase?

VonSara Zinnecker

Obwohl die EZB die Märkte mit Geld flutet, steigen die Verbraucherpreise nicht. Dafür erleben Aktien und Anleihen die „Hausse des Jahrhunderts“. Anlageprofis treibt längst die Frage um: Wie lange kann das noch gutgehen?

Dirk Müllers Cashkurs

Anleihen: Was passiert, wenn die Blase platzt?

Dirk Müllers Cashkurs: Anleihen: Was passiert, wenn die Blase platzt?

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DüsseldorfInflation ist der Begriff der Stunde. Einer wünscht sie geradezu herbei: Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank. Er sorgt sich um die Verbraucherpreise in der Euro-Zone, die seit Monaten stagnieren – und mit ihnen die Konjunktur. Und das, obwohl die EZB die Leitzinsen seit geraumer Zeit nahe Null hält und die Märkte so mit billigem Geld versorgt. Draghi ist bereit, noch einen Schritt weiterzugehen: Schon bald könnte der Ankauf von Staatsanleihen in großem Stil beginnen.

Auf der anderen Seite sind da Investmentstrategen, wie Ex-Pimco-Chef Bill Gross, der Mitinhaber der Fondsgesellschaft Loys Christoph Bruns, und der Ex-Börsenmakler Dirk Müller alias Mr. Dax: Sie warnen davor, dass die Inflation schon längst Einzug gehalten hat in die Euro-Zone. Zwar nicht bei den Verbraucherpreisen, dafür aber bei den Preisen für Vermögenswerte – neben Aktien vor allem Anleihen. Tatsächlich: Der Dax steuert auf die 10.000 Punkte zu. Auch Anleihen erleben, in den Worten von Christoph Bruns, „die größte Hausse des Jahrhunderts“.

Statt in die Realwirtschaft überzugehen, ist die Geldflut der EZB im Finanzsystem hängen geblieben – „und eben vor allem in Anleihen geflossen“, ergänzt Bruns. Den Effekt zeigt ein Blick auf die Kursentwicklung des Euro-Bund- Future. Der Kontrakt, der am Terminmarkt gehandelt wird, zeichnet die Kursentwicklung zehnjähriger deutscher Staatsanleihen mit einem Kupon von sechs Prozent nach.

Eine solche sichere Verzinsung hätten Investoren im Jahr 2000 noch ohne Aufschlag bekommen – heute müssen sie bereits 152 Prozent des Nennwerts bezahlen. Umgekehrt bedeutet das: Die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen sind von etwa 5,5 auf derzeit noch 0,78 Prozent gefallen.

Der Bund Future steht stellvertretend für die Kursentwicklung von Anleihen rund um den Globus. Italienische, spanische, portugiesische, aber auch US-Anleihen sind in den vergangenen Jahren im Kurs stark gestiegen, ganz zu schweigen von Unternehmensanleihen. Die Kurse könnten noch weiter klettern, sollte Mario Draghi tatsächlich damit beginnen, in großem Stil Staatsanleihen anzukaufen.

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

Schulden steigen

Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Spekulationswellen

Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

Ein künstlich tief gehaltener Zins befördert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht gehalten werden.

Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

Kapitalmarktexperten sind alarmiert: Bei Staats-, aber auch bei Unternehmensanleihen, stünden Renditen und Risiko in keinem Verhältnis mehr. Tatsächlich hinken viele Euro-Staaten bei den Reformen hinterher, während die Staatsverschuldung wächst. Je stärker Kurse und Renditen aber auseinanderdriften, umso mehr fragt sich: Wie weit kann der Kursanstieg noch gehen? Wird die Situation für Investoren irgendwann zu gefährlich, und ziehen sie Kapital ab? Kurz: Wird die Blase am Anleihemarkt platzen?

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

27.11.2014, 17:23 Uhr

Der Anleihemarkt wird sich nach Mehrheitsmeinung vieler Beobachter als Erster auf dem Boden der Tatsachen wieder finden.

Das sollte die Aktienmärkte weltweit - wie üblich - folgen lassen.

Da entweicht nicht nur die Luft, da crasht es, daß die Schwarte kracht.

Kostolany sei gedankt, getrommelt und gepfiffen.

Toni Hübner

27.11.2014, 17:47 Uhr

Der Crash kommt, wenn die Notenbanken diesen wollen. Bis dahin werden wir noch astronomische Kurse bei Aktien & Anleihen sehen. Jenseits von Gut und Böse. Sowas hätte sich der Kosto nicht in den kühnsten (Alb)Träumen vorstellen können.

Sergio Puntila

27.11.2014, 19:27 Uhr

"Luftentweichen"
__________

Tja: nur wie bloss?
Ob und wie Ventile tatsächlich funktionieren werden kann so genau bislang ja noch niemand sicher sagen.

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