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14.07.2015

08:15 Uhr

ARD-Börsenexpertin

Warum Anja Kohl auf David Bowie fliegt

VonMartin Dowideit

In der Sendung „Börse vor acht“ erklärt die 44-jährige Moderatorin die Welt der Aktien. In einem Interview erzählt sie, dass sie für den Euro brennt, David Bowie verehrt und was sie an der Parodie von Martina Hill stört.

Die 44-Jährige moderiert im Wechsel die Sendung "Börse im Ersten". Imago

Anja Kohl

Die 44-Jährige moderiert im Wechsel die Sendung "Börse im Ersten".

DüsseldorfSeit fast 15 Jahren arbeitet Anja Kohl für das Börsenstudio der ARD in Frankfurt. Kurz vor der Tagesschau erklärt sie regelmäßig den Fernsehzuschauern das Geschehen an den Märkten und ist dadurch so bekannt geworden, dass sie oft von der Komikerin Martin Hill parodiert wurde. „Dem ganzen Stress kann man entgehen, vermeidet man es aufzustehen“, sagt die Komödiantin in einer der Video-Persiflagen – doch Kohl hat kein Problem, sich immer wieder zu motivieren.

„Über lange Jahre ist es eine Konzentrationsfrage, motiviert zu bleiben.“, sagt die 44-jährige Journalistin in einem ausführlichen Interview mit dem Hörfunksender WDR 2. „Man hat immer wieder neue Aspekte vielleicht ähnlicher Themen – aber es wird nie langweilig.“

Das sagen Ökomomen zur Einigung im Schuldenstreit

Hans-Werner Sinn (Ifo-Präsident)

„Viele Leute glauben, dass das vorliegende Papier gut für Griechenland ist. Das ist es nicht. Während der Beschluss den Rest Europas viel Geld kosten wird, wird all dieses Geld nicht genügen, um die griechischen Bürger zufriedenzustellen. Griechenland ist zu teuer und deshalb nicht mehr wettbewerbsfähig. Es macht keinen Sinn, die Probleme des Landes mit immer mehr Geld zuschütten zu wollen. Das ist teuer und verhindert die Schaffung wettbewerblicher Wirtschaftsstrukturen. Nachhaltige Arbeitsplätze erzeugt der Geldsegen nicht.“

Clemens Fuest (Chef ZEW Mannheim)

„Das neue Programm wird die Probleme Griechenlands nicht lösen. Politik und Bevölkerung werden die Reformen als Zwang von außen verstehen und sie verschleppen und ablehnen, egal, ob das Parlament jetzt zustimmt oder nicht. Schon bald wird sich zeigen, dass die Wirtschaft sich nicht erholt. Es sollte offen gesagt werden, dass die neuen Hilfen keine Kredite sind, sondern letztlich Transfers, also geschenktes Geld, das nicht zurückkommt. Das wird dadurch versteckt, dass statt eines Schuldenschnitts eine Verlängerung von Laufzeiten bei extrem niedrigen Zinsen beschlossen wird. Positiv an der Einigung ist lediglich, dass das Prinzip 'Keine Hilfsprogramme ohne ernsthafte Auflagen' verteidigt wurde. Tsipras wollte die Auflagen loswerden, das hätte die Euro-Zone insgesamt destabilisiert.“

George Saravelos (Deutsche Bank)

„Die heutige Vereinbarung ist ein großer Schritt nach vorne auf dem Weg, Griechenland im Euro zu halten. Genauso wichtig ist aber, dass es wahrscheinlich einen politischen Wandel in Griechenland geben wird, wenn erstmals eine breite parlamentarische Mehrheit für die Umsetzung des Programms zustande kommt. Bei der in der Gipfelerklärung geforderten Rekapitalisierung der griechischen Banken könnte es theoretisch dazu kommen, dass auch Sparer zur Kasse gebeten werden. Doch in der Praxis dürfte es nicht allzu viele Konten geben, die jenseits der gesetzlich geschützten Grenze von 100.000 Euro dafür herangezogen werden können.“

Marcel Fratzscher (DIW-Präsident)

„Es wäre verfrüht, die Einigung als einen Erfolg anzusehen. Es ist lediglich ein erster Schritt, die wirtschaftliche Abwärtsspirale Griechenlands aufzuhalten. Ungelöst bleibt, wie die Solvenz des griechischen Staates wiederhergestellt, das Bankensystem neu strukturiert und ein Wachstumsimpuls für Griechenland geschaffen werden kann.“

Jörg Krämer (Commerzbank-Chefvolkswirt)

„Die Auflagen für Griechenland sind härter als gedacht. Das wird Tsipras nicht mit eigener Mehrheit durch das Parlament bekommen, sondern auf die Oppositionsparteien angewiesen sein. Es ist gut möglich, dass es zu einem dritten Hilfsprogramm kommt, aber nach wie vor keinesfalls sicher. Denn die Erfahrung lehrt, dass der Teufel im Detail steckt. Wir haben es in Athen mit einer Regierung zu tun, die keine Einsicht in die Notwendigkeit von Reformen zeigt. Ein drittes Hilfspaket steht nach wie vor auf Messer Schneide.“

Holger Sandte (Europa-Chefvolkswirt Nordea)

„Trotz der Einigung bleibt die Lage sehr schwierig. Der Euroraum ist tief gespalten. Das war kein Meisterstück der Diplomatie. Bundesfinanzminister Schäuble hat viel Porzellan zerschlagen. Man kann nur hoffen, dass es wirklich zu Verhandlungen über neue Hilfen kommen wird. Das war bestimmt nicht der letzte Gipfel zu Griechenland. Es gibt noch eine Menge Stolpersteine - auch in Griechenland. Tsipras muss wahrscheinlich eine neue Regierung bilden. Mir ist nicht klar, wie er in zweieinhalb Tagen die geforderten Gesetze formulieren kann. Es gibt nach wie vor mehr Fragen als Antworten. Die griechische Wirtschaft steht vor einem schwierigen Weg.“

Thomas Gitzel (Chefvolkswirt VP Bank)

„Die Champagnerflaschen sollten vorerst im Kühlschrank bleiben, denn noch muss das neue Hilfspaket durch einige nationale Parlamente. Während Angela Merkel das Paket durch den Deutschen Bundestag bringen dürfte, stehen in der Slowakei, in Estland und Finnland schwierige Abstimmungen an. Doch die größte Hürde steht unmittelbar bevor: Als erster Schritt muss Alexis Tsipras Nägel mit Köpfen machen und wesentliche Punkte des Paketes bis Mittwoch durch das griechische Parlament bringen. Nachfolgend muss Athen das Gesamtpaket verabschieden. Der Nervenkrimi geht in den nächsten Tagen also weiter.“

Holger Schmieding (Chefvolkswirt Berenberg Bank)

„Was mir gefällt an dem Abkommen ist, das Strukturreformen stärker betont werden. Allerdings dürften die weiteren fiskalischen Belastungen die Wirtschaft belasten, da sie die Nachfrage dämpfen. Dennoch: Wenn die Griechen selbst glauben, dass ihre Regierung die Reformen umsetzen kann, dürfte ihr Vertrauen in die Zukunft langsam zurückehren. Dann kann Geld, das ins Ausland transferiert oder unter den Matratzen versteckt wurde, zurückfließen und die Wirtschaft in Gang bringen. Das dürfte die negativen Effekte, die die weiteren Haushaltseinschnitte mit sich bringen, überwiegen.“

Jürgen Michels (Chefvolkswirt BayernLB)

„Dieser Gipfel hat den 'Grexit' jetzt verhindert. Aber es wird unglaublich schwer sein, die genannten Sofortmaßnahmen als auch die folgenden Reformen in Griechenland durchzusetzen. Die Folgerung daraus lautet: 'Grexit' nicht heute, aber später. Das bleibt eine heikle Angelegenheit. Das Konstrukt der Eurogruppe hat Risse bekommen. Egal was mit Griechenland passiert: Der Zusammenhalt in der Währungsunion muss langfristig gesichert werden.“

Marco Bargel (Postbank-Chefvolkswirt)

„Die große Frage ist, ob die Reformen verabschiedet und umgesetzt werden von Griechenland. Für Tsipras wird es nicht ganz einfach werden, die vorgeschlagenen Maßnahmen durch das Parlament zu bringen. Da ist noch nicht alles in trockenen Tüchern. In Griechenland kann es erheblichen Widerstand geben – etwa beim Thema Privatisierungen. Eventuell kommt es zu Neuwahlen oder einer Regierungsumbildung. Für die Geldgeber wird es wichtig, dass die Gegenleistungen auch erbracht werden.“

Rund um die Griechenland-Krise ist Kohls Expertise vor allem in den ARD-Anstalten gefragt – auch außerhalb ihrer „Heimat“ am Frankfurter Börsenparkett. Bei Günther Jauch trat sie im Februar und im Juni zum Thema Griechenland auf. Und auch im WDR-Interview hält sie nicht mit einer klaren Position hinter dem Berg und positioniert sich als klare Europäerin.

„Es ist wichtig, was aus Europa wird“, sagt sie. Die am Montagmorgen nach zähem Ringen erzielte Einigung der 19 Euro-Staaten mit Griechenland beurteilt sie skeptisch. „Europa hat große Brüche in den letzten Tagen und Wochen erlebt. Da habe ich Angst, dass uns Europa auseinander fallen könnte. Der Käse ist noch nicht gegessen.“

Doch im Radio-Gespräch spricht die Journalistin nicht nur über harte Politik und Finanzmärkte. Sie hat eine persönliche Playlist mitgebracht, die vom Sender gespielt wird. Vor allem gehört für sie dazu: David Bowie. Geradezu schwärmerisch spricht sie von dem britischen Künstler: „Das ist mein Held – äußerlich wie innerlich: Schön, klug, schlau.“

Kommentare (4)

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Claus Sehmel

14.07.2015, 07:25 Uhr

Eine Krähe hackt einer anderen ...

Warum setzt sich nicht mal jemand kritisch mit der Ausbildung und Berufserfahrung sogenannter Experten auseinander? Das Studium der Germanistik, Publizistik und Politikwissenschaft macht heute ja schon jede(n) zum Börsenexperten.

Herr walter rehm

14.07.2015, 08:14 Uhr

Man muss kein Börsenexperte sein um die täglichen Chancen zu erkennen....es reicht ein Hochfrequenzrechner und ein gutes Programm...alles mit System und Technik...vollautomatisch

Account gelöscht!

14.07.2015, 09:43 Uhr

Expertin? Dann müsste die Dame es besser wissen, und klar erkennen, dasss der EUR Europa zerstört.
Aber bauernschlau ist die Dame schon: Sie weiss was ihre Politik-Kaderchefs bei ARD/ZDF hören wollen.
Schlimm, dass diese Dame bewusst die Massen über Ursachen und Entwicklungen in Sachen Euro fehlinformiert!

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