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09.08.2013

15:13 Uhr

Auffällige Handelsdaten

Finanzaufsicht untersucht Kursrutsch bei K+S

Innerhalb weniger Tage brach der Aktienkurs von K+S um 40 Prozent ein. Auslöser waren Aussagen eines Konkurrenten aus Russland. Jetzt prüft die Bafin, was hinter dem auffällig großen Kursrutsch steckt.

Ein Fahrlader im Kaliwerk Werra der K+S AG bei Philippsthal. Die Kali-Preise drohen zu sinken – das Unternehmen steht vor weiteren Belastungen. dpa

Ein Fahrlader im Kaliwerk Werra der K+S AG bei Philippsthal. Die Kali-Preise drohen zu sinken – das Unternehmen steht vor weiteren Belastungen.

DüsseldorfDie Finanzaufsicht Bafin hat am vergangenen Montag eine Analyse des dramatischen Kursverfalls der K+S-Aktie eingeleitet. Das bestätigte eine Sprecherin der Behörde der Wirtschaftswoche. Hintergrund sei der auffällig große Kursrutsch der im deutschen Leitindex Dax notierten Aktie, hieß es aus der Behörde.

Das Referat Marktanalyse prüfe die Handelsdaten der Aktie auf Marktmanipulation und Insiderhandel. Findet die Behörde Auffälligkeiten, werden die Referate Insiderüberwachung und Marktmanipulation in die Untersuchung eingebunden. Wann die umfangreiche Analyse abgeschlossen sei, könne die Bafin noch nicht absehen, sagte die Sprecherin.

Der Börsenwert des Unternehmens war binnen weniger Tage um mehr als 40 Prozent oder gut zwei Milliarden Euro gefallen. Der Verbleib von K+S in der ersten Börsenliga ist angesichts des Kursverfalls gefährdet. K+S gehört zu den weltweit größten Kali-Produzenten. Den Kursrutsch hatte vor knapp zwei Wochen das russische Bergbauunternehmen Uralkali ausgelöst, als es eine Vertriebsallianz mit Belaruskali aufkündigte.

Nach der Auflösung des langjährigen Vertriebsbündnis BPC der Branchengrößen Uralkali und Belaruskali droht ein massiver Preisverfall bei dem in der Landwirtschaft genutzten Düngemittel. K+S mit seinen kostenintensiven Bergwerken in Deutschland und seinem Milliarden verschlingenden Minen-Projekt in Kanada träfe das besonders hart. Es drohen drastisch schrumpfende Gewinne in der Kali-Sparte, in der K+S immerhin rund 58 Prozent seines Jahresumsatzes erzielt.

Die künftige Strategie im Kali-Geschäft wird daher das beherrschende Thema sein, wenn der Dax-Konzern am Dienstag seinen Bericht zum zweiten Quartal vorlegt. "Falls die Kalipreise tatsächlich deutlich sinken, würde das die Ertragslage und damit auch die Finanzrelationen belasten", schätzt Kreditanalyst Matthias Schell von der LBBW. Wegen des drohenden Kali-Preisrutsches hatte K+S-Chef Norbert Steiner bereits das Konzerngewinnziel für dieses Jahr gekippt und auch die für 2014 geplante leichte Ergebniserhöhung mit großen Fragezeichen versehen. Eine neue Prognose gab er nicht.

Die größten Kaliproduzenten

Uralkali (Russland)

Kaliproduktion: 12,1 Millionen Tonnen

Weltweite Produktion 2014

Belaruskali (Weißrussland)

Kaliproduktion: 10,3 Millionen Tonnen

Potash Corp (Kanada)

Kaliproduktion: 8,8 Millionen Tonnen

Mosaic (USA)

Kaliproduktion: 8,3 Millionen Tonnen

K+S (Deutschland)

Kaliproduktion: 5,7 Millionen Tonnen

ICL (Israel)

Kaliproduktion: 5,1 Millionen Tonnen


BPC und das kanadische Konkurrenz-Bündnis Canpotex kontrollierten bislang rund 70 Prozent des weltweiten Kali-Handels. Mit ihren Großverträgen in wichtigen Abnehmerländern sorgte das Duopol für komfortable Preise auf dem Weltmarkt. Auch Produzenten außerhalb des Preiskartells wie K+S profitierten davon. Uralkali will nun aber seinen eigenen Weg gehen und rechnet für das zweite Halbjahr mit einem Rückgang des Kali-Preises von aktuell etwa 400 Dollar auf unter 300 Dollar. Fallende Preise will Uralkali über höhere Verkaufsmengen in China, Brasilien und Indien abfedern.

"K+S hat viel zu verlieren", schreiben die Analysten von Redburn. Uralkalis Ankündigung habe die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der deutschen K+S-Minen zum Vorschein kommen lassen. Für die Kasseler ist ihr großes Minenprojekt "Legacy" in Kanada deshalb von entscheidender Bedeutung. "Wir werden dieses wichtige Vorhaben aufgrund bloßer Spekulationen nicht in Frage stellen", hatte K+S-Chef Steiner erst vor wenigen Tagen erklärt. Mit dem rund drei Milliarden Euro teuren Bergwerk in Zentralkanada will K+S seine Zukunft auf dem Kalimarkt langfristig sichern. Die Mine soll im Sommer 2016 den Betrieb aufnehmen und bis Ende 2017 eine Produktionskapazität von mindestens zwei Millionen Tonnen erreichen. Aktuell kann K+S jährlich 7,5 Millionen Tonnen Kali fördern.

Von

rtr

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

09.08.2013, 15:31 Uhr

Die Aktie verliert doch seit Jahren.Stand mal bei über 96 Euro im Juni 2008.
Das Gros des (60 Euro)hatte K+S also lange vorher realisiert.

Hans

09.08.2013, 16:08 Uhr

Nicht nur der Kurs von K+S, auch der Goldpreis wurde manipuliert.

Frieda

09.08.2013, 16:18 Uhr

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