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14.08.2015

13:55 Uhr

Autobranche unter der Lupe

Mehr als nur ein Kratzer im Lack

VonChristian Schnell

Die Autoaktien leiden besonders unter Chinas Marktschwäche. Die Goldgräberstimmung ist vorbei. Für die Anleger war das ein großer Schock. Die Papiere von BMW und VW notieren wieder auf dem Niveau vom Jahresanfang.

Gespanntes Warten. Reuters

BMW in Shenyang

Gespanntes Warten.

FrankfurtFür westliche Beobachter sind es geradezu unglaubliche Geschichten, die aktuell aus China kommen. Da wurden Premiumautos bestellt und auch bezahlt, aber von ihren Besitzern nicht beim Händler abgeholt. Weil die befürchten, ein solcher Wagen in der Garage oder vor der Haustüre könne sie wegen der neuen strengen Antikorruptionsgesetze bereits vorverurteilen.

Die Hersteller, denen China jahrelang eine Sonderkonjunktur bescherte, haben plötzlich volle Höfe bei den Händlern. Und hoffen zumindest auf ein baldiges Ende der ganz extremen Lage. Damit am Jahresende im übertragenen Sinn lediglich ein Blechschaden in der Bilanz bleibt.

Kein Wunder, dass Autoaktien derzeit in großem Stil abgestoßen werden. Die Papiere von BMW und VW notieren neuerdings wieder auf dem Niveau vom Jahresanfang, obwohl der Dax selbst weiterhin über 13 Prozent im Plus liegt. Einzig Daimler – wegen der Modelloffensive und der auch zuletzt noch starken Verkaufszahlen aus dem Reich der Mitte – steht weiter gut zehn Prozent im Plus.

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Der Grund dafür ist einfach: Daimler hatte jahrelang nur wenig vom Boom in China abbekommen und startete erst in den vergangenen Jahren richtig durch. Die Marke gilt deshalb dort eher als jugendlich frisch im Vergleich zu etablierten Herstellern wie Audi oder BMW. So erstrahlt der Mercedes-Stern in China derzeit so hell wie nie. Um 41 Prozent stiegen die Verkäufe im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat. Tim Rokossa, Autoanalyst bei der Deutschen Bank, sieht deshalb gerade bei der Daimler-Aktie kurzfristig die besten Chancen.

Generell ist es für Anleger ein Schock, wenn eine lange Jahre anhaltende Goldgräberstimmung schlagartig vorüber ist. So wurden im Juli trotz hoher Rabatte bei den Händlern plötzlich 2,5 Prozent weniger Autos verkauft. Sonst standen an dieser Stelle zweistellige Wachstumsraten.

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Nun wäre es jedoch zu einseitig, Wohl und Wehe in der Branche allein von China abhängig zu machen. Daneben sind schließlich noch die Märkte in Westeuropa und Nordamerika von entscheidender Bedeutung für das Gesamtergebnis der Autobauer. Und gerade dort boomen die Verkäufe nach langen Jahren der Stagnation. So gleicht die positive Überraschung auf der einen Seite die negative andernorts aus.

Das ist auch der Grund, warum die Analysten im Gegensatz zu den vielen Anlegern im Moment weitaus weniger skeptisch sind. BMW beispielsweise hat zuletzt dank starker Verkäufe im Heimatmarkt Europa die Schwäche in China mehr als kompensiert. Von Januar bis Juli gab es einen neuen Verkaufsrekord von 1,27 Millionen Fahrzeugen – ein Plus von 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Gros der Analysten reduziert deswegen die Kursziele, bleibt aber bei der insgesamt positiven Einschätzung.

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