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07.11.2014

19:32 Uhr

Autozulieferer

Hella mit ungewöhnlichem Börsengang

Der westfälische Autozulieferer Hella plant den wohl letzten deutschen Börsengang des Jahres – und der größte Teil seiner Aktien schon vor der offiziellen Ankündigung bei Investoren untergebracht.

Die letzten bis zu 5,75 Millionen Aktien platzierte die Firma Hella aus Lippstadt in der Nacht zum Freitag zu je 26,50 Euro, in der Mitte der Preisspanne. dpa

Die letzten bis zu 5,75 Millionen Aktien platzierte die Firma Hella aus Lippstadt in der Nacht zum Freitag zu je 26,50 Euro, in der Mitte der Preisspanne.

FrankfurtDer voraussichtlich letzte Börsengang in diesem Jahr in Deutschland ist auch der ungewöhnlichste: Der westfälische Autozulieferer Hella hat eine sichere Variante gewählt und den größten Teil seiner Aktien schon vor der offiziellen Ankündigung bei Investoren untergebracht, zu je 25 Euro. "Hella hat das bewusst so gemacht. Das Unternehmen wollte unbedingt jetzt an die Börse gehen", sagte ein Beteiligter am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. „Anders hätte das in diesem Umfeld womöglich gar nicht geklappt.“ Einen ähnlichen Weg hatte zuletzt der Chemiekonzern Evonik für seinen Börsengang gewählt. Zahlreiche Neuemissionen waren in Europa zuletzt abgesagt oder verschoben worden, erst vor kurzem fassten einige Kandidaten wieder Mut.

Die letzten bis zu 5,75 Millionen Aktien platzierte die Firma aus Lippstadt in der Nacht zum Freitag zu je 26,50 Euro, in der Mitte der Preisspanne. „Die positive Resonanz zeigt, dass wir Hella gut ausgerichtet haben und börsenreif sind“, erklärten der Sprecher der Familiengesellschafter, Jürgen Behrend, und Geschäftsführer Rolf Breidenbach. "Auf dieser Basis können wir unseren Wachstumskurs als börsennotiertes Familienunternehmen mit zusätzlichen Möglichkeiten weiter vorantreiben." Am Dienstag (11. November) feiert die Hella KGaA Hueck & Co in Frankfurt ihr Börsendebüt.

9 Tipps die Sie bei Neuemissionen beachten sollten

Tipp 1

Ob Twitter, Facebook, Rocket Internet  oder Alibaba: IPOs üben immer wieder einen großen Reiz auf Anleger aus. Doch es gibt einiges zu beachten, damit man sich an den Börsenneulingen nicht die Finger verbrennt. Beispielsweise: Wie soll der Emissionserlös, der Gewinn aus den Aktienverkäufen, verwendet werden? Fließt das Geld in das Unternehmen oder werden lediglich die Interessen Dritter befriedigt?

Tipp 2

Wie lange wollen die Altaktionäre ihre Anteile halten? An den Lock-up- oder Haltefristen können Sie gut erkennen, ob das Management an einen langfristigen Erfolg des Unternehmens glaubt oder nur auf einen kurzfristigen Kursgewinn spekuliert.

Tipp 3

Ist die Höhe des Emissionspreises, der Preis für die Aktien, angemessen im Vergleich zu anderen, ähnlichen Unternehmen aus der Branche? Ist das Unternehmen damit fair bewertet oder künstlich hochgespielt?

Tipp 4

Wie sehen die Umsatz- und Gewinnzahlen, die Kennziffern des Unternehmens in der Vergangenheit aus? Aber Vorsicht. In manchen wachstumskräftigen, aber riskanten Branchen (etwa in der Biotechnologie) ist es durchaus üblich, dass Unternehmen jahrelang Verluste einfahren, und trotzdem könnte eine Aktie zu empfehlen sein.

Tipp 5

Gibt es für die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens tatsächlich einen Bedarf, gibt es genügend Abnehmer? Nicht jede tolle Idee ist bei näherer Betrachtung auch wirklich marktfähig.

Tipp 6

Wie sieht die Konkurrenzsituation aus? Gibt es starke Wettbewerber mit hoher finanzieller Schlagkraft?

Tipp 7

Welchen Eindruck macht das Management auf Sie? Verfügt es über genügend Erfahrung und Kompetenz?

Tipp 8

Wie professionell kommuniziert das Unternehmen nach außen? Sind die Botschaften kompetent, stringent und informativ?

Tipp 9

Verstehen Sie die Geschäftsidee? Wenn nicht, dann sollten Sie auf diese Aktie verzichten und anderen den Vorzug geben/lassen.

Die Quelle

Insgesamt 15 Prozent am Unternehmen liegen künftig in den Händen einer dreistelligen Zahl neuer Aktionäre. Hella selbst flossen mit dem Aktienverkauf 278 Millionen Euro zu, bis zu 152 Millionen Euro gehen an diejenigen der mehr als 60 Familiengesellschafter, die einen Teil ihrer Aktien verkauften. Sie können von Mai 2015 an weitere bis zu 25 Prozent abstoßen. Um wie geplant in den Nebenwerteindex MDax aufzusteigen, müsste Hella seinen Streubesitz auf rund 30 Prozent erhöhen. 60 Prozent der Anteile sollen bis 2024 in Familienbesitz bleiben.

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