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05.01.2005

07:00 Uhr

"Banken müssen über die Grenzen wachsen"

BBVA stimmt die Analysten skeptisch

VonStefanie Müller (Handelsblatt)

Übernahmegerüchte haben die BBVA-Aktie in die Höhe getrieben. In den vergangenen sechs Wochen legte der Titel der zweitgrößten spanischen Bank mehr als acht Prozent zu. Grund ist das Interesse eines mittelständischen Bauunternehmens namens Sacyr Vallehermoso, ein größeres Aktienpaket der BBVA zu kaufen, um damit mehr Einfluss auf das Immobiliengeschäft der Bank zu gewinnen.

MADRID. Doch es kursieren Gerüchte, dass hinter der Operation noch ein viel größerer Coup steckt: eine Übernahme der Bank durch den Erzrivalen SCH, der durch den Kauf der britischen Abbey National im November vergangenen Jahres zur viertgrößten Bank Europas avancierte. Denn Drahtzieher der Aktion ist der spanische Großinvestor Juan Abelló, Vizepräsident von Sacyr Vallehermoso und bis vor kurzem Verwaltungsratsmitglied der SCH. Abelló habe Ambitionen, einen wichtigen Posten in der Bank zu übernehmen, berichtet die Internetzeitung „El Confidencial“ und sähe den derzeitigen SCH-Vizepräsidenten Alfredo Saénz bereits an der Spitze der BBVA. „Wer mit den großen Banken dieser Welt wie Citigroup konkurrieren will, dem bleibt nichts anderes übrig, als weiter zu wachsen,“ kommentiert Claudio Boada Pallerés, Präsident des spanischen Unternehmerverbandes Circulo de Empresarios das Gerücht, das sich auch in Kreisen der BBVA und SCH immer mehr verhärtet.

Die spanischen Analysten wollen davon jedoch nichts wissen. „Das hat keinen Sinn. Beide Banken müssen über die Grenzen wachsen, der heimische Markt bedarf keiner Bereinigung und bietet keine Wachstumschancen mehr,“ sagt Àlvaro García vom Madrider Broker Ibersecurities. Wahrscheinlicher scheint ihm, dass ein US-Finanzdienstleister bei der derzeit mit 40 Mrd. Euro an der Börse bewerteten BBVA zuschlagen könnte. Da über 96 Prozent der Bank-Aktien frei gehandelt werden, wäre eine feindliche Übernahme relativ einfach.

In jedem Fall hält García den Kurs der Aktie, die 2004 einer der besten Performer der spanischen Börse war, wegen der Spekulationen für zu hoch und rät zum Verkauf: „Das Kurs-Gewinnverhältnis ist im Vergleich zu den Wettbewerbern viel zu hoch. Der aktuelle Preis wäre nur gerechtfertigt, wenn die Bank ihre Präsenz in Europa deutlich ausbauen würde.“ Denn gegenüber der in Rot leuchtenden SCH, die in der Konsumkreditfinanzierung bereits zu den führenden Anbietern in Europa gehört, hat die BBVA im vergangenen Jahr deutlich an Boden verloren.

Derzeit sind die „Blauen“, wie sie in Spanien genannt werden, nur in Portugal vertreten. In Italien besitzen sie eine 14-prozentige Beteiligung an der Banca Nazionale del Lavoro. Für eine Erhöhung ihres Anteils auf über 15 Prozent benötigen sie nach der italienischen Gesetzgebung die Zustimmung der dortigen Notenbank. Sollte die Notenbank den Antrag ablehnen, will BBVA-Präsident González Beschwerde in Brüssel einlegen.

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