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07.01.2013

15:15 Uhr

Berichtssaison läuft an

Last-Minute-Lösung im Etatstreit belastet Techwerte

In den USA steht die Berichtssaison an, und die Vorzeichen stehen für Technologiekonzerne nicht gut. Für Unternehmen wie Intel und Microsoft dürfte der erst kurz vor knapp gelöste US-Haushaltsstreit ein Nachspiel haben.

Intel-Prozessoren: Der Hersteller dürfte zum Gradmesser für die Branche werden. dapd

Intel-Prozessoren: Der Hersteller dürfte zum Gradmesser für die Branche werden.

BostonDie Vorzeichen für die anstehende Berichtssaison in den USA stehen für Technologiekonzerne nicht gut. Der vorerst gelöste US-Haushaltsstreit dürfte für sie ein Nachspiel haben. Nach Einschätzung von Experten haben im vierten Quartal Unternehmenskunden wegen der Unsicherheit durch die quälend lange Etatdebatte den Gürtel enger geschnallt und weniger in Informationstechnologien investiert. Viele scheuten sich, die für 2012 geplanten Ausgaben komplett umzusetzen. Dies dürfte Techfirmen nun Probleme bereiten, die selbst gesteckten Ziele fürs Schlussquartal zu erreichen. Republikaner und Demokraten hatten im Prinzip erst eine Minute nach zwölf, nämlich am 1. Januar, den Haushaltsstreit beigelegt und damit die drohende Fiskalklippe umschifft.

Normalerweise bringt vor allem das lebhafte Weihnachtsgeschäft den Konzernen zum Jahresende ein sattes Plus bei den Bestellungen. Angesichts der befürchteten Auswirkungen der Fiskalklippe mit automatischen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen, die die USA vermutlich zurück in die Rezession gestürzt hätten, hielten sich Firmen beim Kauf von IT zurück. „Finanzchefs haben keine Investitionen getätigt. Wenn Boehner und Obama in der Lage gewesen wären, eine Einigung im Etatstreit bis zum 15. Dezember zu erzielen, hätte es noch Jahresend-Investitionen gegeben“, sagte Analyst Andrew Bartels vom Marktforscher Forrester Research. Meist können die Ausgaben im neuen Jahren nicht nachgeholt werden, da sie verfallen.

Die wichtigsten Fragen zum Börsenjahr 2013

Kann ich mit sicheren Anlagen die Inflationsrate schlagen?

Nein. Und das dürfte vorerst auch so bleiben, weil Zentralbanken und Regierungen die Zinsen unten halten. Nur so können sie vermeiden, dass Staaten von den Schulden erdrückt werden. Wer die Inflation schlagen will, muss begrenzt Risiken eingehen. Mit Aktien zum Beispiel.

Soll ich mein Eigenheim jetzt sanieren

Wann, wenn nicht jetzt? Zehnjähriges Baugeld gibt’s für 2,5 Prozent, von der staatlichen KfW für eine neue Heizung oder ein gedämmtes Dach sogar ab einem Prozent. Auch der Einsatz von Erspartem lohnt: Auf der Bank bringt es kaum Zinsen, und Investitionen für Dämmung und Heizung schützen gut vor Inflation. Die wird stark von Öl-, Gas- und Strompreisen getrieben. Und: Maßnahmen, die Erhalt und Modernisierung dienen, steigern den Wiederverkaufswert.

Fällt der Garantiezins meiner Lebensversicherung

Am Garantiezins aus alten Verträgen kann die Finanzaufsicht nur im Notfall rütteln. Wer neu abschließt, bekommt 1,75 Prozent auf Beiträge garantiert, nach Abzug von Provision und Kosten. Der Garantiezins orientiert sich an der Rendite von AAA-Anleihen im Schnitt der vergangenen zehn Jahre (zuletzt 3,7 Prozent). 60 Prozent davon können sich Versicherer als Garantiezins noch leisten – etwa 2,2 Prozent. Noch bleibt Luft.

Ist es Zeit, Schwarzgeld zu legalisieren?

Das Schweizer Bankgeheimnis ist praktisch erledigt, weitere Steuer- CDs können durchaus noch in die Hände der Finanzbehörden geraten. Und: Per Selbstanzeige kommen Steuerhinterzieher relativ milde davon. Das muss aber nicht so bleiben. Nebenbei: Was passiert, wenn Bürger ihre Steuern nicht zahlen, lässt sich in Griechenland besichtigen.

Soll ich mein Vermögen zu Lebzeiten schon verschenken?

Jedes Elternteil darf jedem Kind alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei schenken. Schön fürs Kind: Es bekommt das Elternhaus schon zu deren Lebzeiten und spart Steuern. Wer seine Villa nur steueroptimiert übertragen, aber selbst noch bewohnen will, sollte vorsichtshalber ein Nießbrauchsrecht eintragen lassen. Mit Kindern kann man sich zer- streiten, Verschenktes aber nur bei „grobem Undank“ zurückfordern. Die Hürden dafür aber sind hoch.

Ist mein Geld auf der Bank sicher?

Käme eine deutsche Bank oder Sparkasse in Schieflage, müssten zunächst die Einlagensicherungs-systeme der Geldhäuser die Sparer entschädigen. Doch klar ist: Bei Pleite einer sehr großen Bank oder einer Kettenreaktion wären die Töpfe schnell leer. Unabhängig davon garantiert daher seit Ende 2010 das Gesetz pro Kopf und Bank 100.000 Euro; wer mehr hat, sollte das Geld also auf mehrere Banken verteilen.

Droht ein Aktiencrash?

Eher nicht. Aktien sind, gemessen an der global schwachen Konjunktur und der Euro-Krise, zwar schon recht weit gelaufen. Und Aktienkurse zieht es nach unten, wenn die Wirtschaft darbt. Aber Investoren suchen Rendite. Sichere Staatsanleihen bringen zu wenig. Aktien solide geführter Konzerne mit guten Dividenden rentieren höher als Anleihen der Unternehmen. Wer Geld übrig hat, steckt einen Teil in solide Aktien.

Soll ich in Währungen außerhalb des Euro investieren?

Die goldene Regel heißt: Setze nie alles auf eine Karte. Das gilt auch für Währungen. Problem: Die Fluchtwährungen, allen voran der Schweizer Franken, sind schon sehr teuer. Ein paar norwegische, schwedische oder kanadische Staatsanleihen aber können Sie Ihrem Depot ruhig beimischen.

Wie sichere ich meine Kinder ab?

Indem Sie sicherstellen, dass sie etwas bekommen, wenn Ihnen etwas zustößt: Unerlässlich ist eine Risikolebensversicherung, für etwa 30 Euro monatlich gibt es im Todesfall 250 000 Euro. Dazu regelmäßig eine feste Summe ansparen, am besten in Aktien für ein Kinderdepot. Vorsichtige schließen noch eine Kinder-Invaliditätsversicherung ab, die greift weiter als eine Unfallpolice.

Soll ich jetzt Schulden machen?

Kredite sind billig, Konsum kurbelt die Wirtschaft an. Ist Ihr Job sicher, kaufen Sie sich was Schönes, viel Zinsen gibt es sowieso nicht. Bei Immobilien gilt: Auch Niedrigzins-Kredite müssen verlängert und zurückgezahlt werden. In zehn Jahren können die Zinsen viel höher sein. Wer zu wenig tilgt, ist bis zur Rente nicht schuldenfrei. Baukredite also nur so hoch ansetzen, dass Sie die Rückzahlung in einem vernünftigen Zeitraum stemmen können.

Soll ich meine Immobilie verkaufen?

Die Preise sind hoch, eigentlich ein guter Zeitpunkt. Aber die Euro-Krise ist nicht gelöst, Sachwerte bleiben gefragt. Wer verkaufen will, braucht vor allem aber einen Plan, wie er das Geld anlegt. Wer es nur auf dem Sparbuch parken möchte, sollte seine vermietete Wohnung behalten. Das gilt erst recht für das Eigenheim – so man sich wohl darin fühlt.

Soll ich Gold kaufen?

Im Zweifel ja. Wer Gold als Währung betrachtet, kann Papier immer in Edelmetall tauschen, egal, zu welchem Preis. So gesehen ist Gold das einzige Tauschmittel, das Inflation und Währungsreform überlebt hat. Wer davor Angst hat, kauft Gold – als Versicherung.

Gibt es sicheres Tagesgeld für mehr als zwei Prozent Zins?

Kaum. Solange die EZB Banken Geld für 0,75 Prozent gibt, müssen nur kapitalschwache Institute für zwei bis drei Prozent Geld sammeln. Oft greift dann nur die ausländische Einlagensicherung. Bei Pleiten wird es mühsam, an sein Geld zu kommen.

Soll ich in Oldtimer, Kunst, Uhren oder Wein investieren?

Klar doch, wenn Sie Spaß daran haben – und etwas davon verstehen. Die Angst vor Inflation treibt die Preise von Sachwerten, auch von schönen, nutzlosen, wie Cézanne und Mercedes SL. Aber Vorsicht: Laien werden von Experten übervorteilt. Lassen Sie sich unabhängig beraten, auch wenn das erst mal Geld kostet.

Fürs erste Quartal rechnen Experten nicht mit einer Wiederkehr der Ausgabenlust - schließlich hängt mit dem sich anbahnenden Streit um die Erhöhung der Schuldenobergrenze bereits das nächste Damoklesschwert über der US-Wirtschaft. Dies macht Mark Luschini von Janney Montgomery Scott zurückhaltend: „Bisher haben wir erst die Hälfte des Problems gelöst.“

Die Wall Street rechnet damit, dass die im S&P notierten Techkonzerne im vierten Quartal einen Rückgang bei den Gewinnen von einem Prozent bekanntgeben. Für alle Unternehmen zusammen wird hingegen mit einem Anstieg von 2,8 Prozent gerechnet. Vor drei Monaten waren die Experten noch deutlich optimistischer, als sie für Techfirmen ein Plus von 9,4 Prozent fürs Schlussquartal prognostizierten. Analyst Greg Harrison rechnet damit, dass die Erwartungen fürs erste Quartal ebenfalls noch zurückgeschraubt werden. Derzeit neigten Firmen dazu, sich eher neue Software zuzulegen, die mit älteren Geräten kompatibel ist anstatt neue Hardware zu erwerben.

Intel-Zahlen in zehn Tagen

Ersten Einblick ins Jahresendgeschäft gibt Intel am 17. Januar und wird damit wohl zum Gradmesser für den Zustand der gesamten Branche. Später im Monat folgen noch IBM, Microsoft und EMC. Am 31. Januar kommt dann der bayerische Halbleiterkonzern Infineon, der sich zuletzt wegen des starken Preisdrucks und der gesunkenen Investitionsbereitschaft skeptisch zeigte.

Dass viele Unternehmen den PC-Kauf verschieben und dadurch der Absatz schwächelt, dürfte vor allem Microsoft und Dell, Hewlett-Packard als auch AMD Bauchschmerzen bereiten. Besonders genau schauen Experten derzeit auf Microsoft, die Ende des Jahres Windows 8 auf den Markt gebracht haben. „Ein neues Betriebssystem verursacht große Störungen. Wer ist angesichts der bereits herrschenden Unsicherheiten bereit, dies auf sich zu nehmen“, fragte Nucleus-Analystin Rebecca Wettemann. Neben den Gefahren für die US-Wirtschaft fürchten Unternehmen zudem die anhaltende Schwäche in Europa und Asien.

Die Dividenden-Aristokraten in den USA

Mc Donald's

Branche: Gastronomie
Anzahl Dividendenerhöhungen in den letzten 10 Jahren: 10
Durchschnittliche Dividendenerhöhung pro Jahr: 27,4 Prozent
Dividendenrendite 2013: 3,1

Fedex

Branche: Logistik
Anzahl Dividendenerhöhungen in den letzten 10 Jahren: 10
Durchschnittliche Dividendenerhöhung pro Jahr: 26,6 Prozent
Dividendenrendite 2013: 0,6 Prozent

Nike

Branche: Sportartikel
Anzahl Dividendenerhöhungen in den letzten 10 Jahren: 10
Durchschnittliche Dividendenerhöhung pro Jahr: 19,2 Prozent
Dividendenrendite 2013: 1,5 Prozent

IBM

Branche: IT
Anzahl Dividendenerhöhungen in den letzten 10 Jahren: 10
Durchschnittliche Dividendenerhöhung pro Jahr: 18,1 Prozent
Dividendenrendite 2013: 1,6 Prozent

Colgate-Palmolive

Branche: Konsumgüter
Anzahl Dividendenerhöhungen in den letzten 10 Jahren: 10
Durchschnittliche Dividendenerhöhung pro Jahr: 12,9 Prozent
Dividendenrendite 2013: 2,3 Prozent

Johnson & Johnson

Branche: Pharma
Anzahl Dividendenerhöhungen in den letzten 10 Jahren: 10
Durchschnittliche Dividendenerhöhung pro Jahr: 12,4 Prozent
Dividendenrendite 2013: 3,5 Prozent

Coca Cola

Branche: Konsumgüter
Anzahl Dividendenerhöhungen in den letzten 10 Jahren: 10
Durchschnittliche Dividendenerhöhung pro Jahr: 10,1 Prozent
Dividendenrendite 2013: 2,8 Prozent

Quelle: DZ Bank

Trotzdem gibt es Hoffnungsschimmer. Oracle und auch IBM schlagen sich bisher souverän und profitieren von guten Software-Verkäufen, die die Probleme im Hardware-Bereich mehr als wettmachen. Oracle hatte Mitte Dezember überraschend angekündigt, auch 2013 mit einem anhaltend starken Software-Absatz zu rechnen.

Von

rtr

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