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17.04.2013

10:25 Uhr

Bertelsmann stößt RTL-Aktien ab

Das Dschungelcamp für Aktionäre

Bislang wird nur ein Bruchteil der RTL-Aktien an der Börse gehandelt. Doch jetzt können mehr Anleger vom Erfolg des Dschungelcamps und der Formel-1-Übertragungen profitieren. Ein großes Aktienpaket steht zum Verkauf.

Sonja Zietlow und Daniel Hartwich moderieren die RTL-Show „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ dpa

Sonja Zietlow und Daniel Hartwich moderieren die RTL-Show „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“

MünchenBertelsmann will mit dem Verkauf eines RTL-Aktienpakets bis zu 1,58 Milliarden Euro einnehmen. Die Preisspanne für bis zu 25,5 Millionen Aktien von Europas größtem Fernsehkonzern beträgt 54 bis 62 Euro, wie die RTL Group am Mittwoch in Luxemburg mitteilte. An der Börse wurde die Aktie am Mittwoch mit 57,70 Euro gehandelt.

Bertelsmann will das Geld in neue Geschäftsfelder investieren. Der deutsche Medienkonzern hatte bereits im Januar angekündigt, sich von bis zu 17 Prozent seiner RTL-Anteile zu trennen und damit auch künftig eine Kontrollmehrheit von mehr als 75 Prozent zu behalten.

Die Aktien sollen Investoren vom 18. bis 29. April angeboten werden und ab dem 30. April im streng regulierten Prime Standard der Frankfurter Börse notiert werden. Mit einem Streubesitz von künftig rund 24 Prozent ist RTL Kandidat für den Nebenwerteindex MDax. Bisher werden die Titel nur im weniger regulierten Frankfurter Freiverkehr, am Firmensitz in Luxemburg sowie in Brüssel gehandelt.

Die Geschäftsfelder von Bertelsmann

Bücher

Das Buchgeschäft ist die Keimzelle von Bertelsmann: Gründer Carl Bertelsmann erhielt 1835 die Konzession der preußischen Regierung zur Einrichtung einer Buchdruckerei. Unter dem Dach des Konzerns ist inzwischen die größte Publikumsverlagsgruppe der Welt entstanden: Zunächst unter dem Namen der US-Tochterfirma Random House, seit 2012 in einem Joint Venture mit Pearson, an dem die Gütersloher 53 Prozent halten. Penguin Random House heißt der Gigant mit seinen 11.800 Mitarbeitern.

Fernsehen

Die RTL Group betreibt 53 TV- und 28 Radiosender in neun Ländern Europas sowie Indien. Gerade in Deutschland ist das Unternehmen stark – mit den Stationen RTL, Vox, RTL II, Super RTL, RTL Nitro und n-tv. Bertelsmann hält 92,3 Prozent an der Sendergruppe.

Zeitschriften

Ob „Stern“, „Geo“ oder „Brigitte“: An europäischen Kiosken sind die Zeitschriften von Gruner + Jahr nicht zu übersehen. Bertelsmann hält seit den 70er Jahren die Mehrheit an den Verlag, Ende 2014 will der Medienkonzern die verbliebenen Anteile von der Jahr-Familie kaufen.

Dienstleistungen

Arvato ist die wohl vielseitigste Tochter von Bertelsmann: Die Dienstleistungssparte erstellt digitale Medien, ist im E-Commerce tätig, bietet aber auch zahlreiche Unternehmenslösungen für Kundenpflege, Produktionsplanung und Datenmanagement, außerdem IT-Services. Die Sparte hat mehr als 66.000 Mitarbeiter.

Druck

Bertelsmann gliederte die Druckaktivitäten 2012 in die Sparte Be Printers aus. Diese fertigt Zeitschriften, Kataloge, Prospekte, Bücher und Kalender. Zudem bietet sie Dienstleistungen an. Die Bertelsmann-Tochter betreibt Druckereien in Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien sowie den USA und Kolumbien und hat 6200 Mitarbeiter.

Musik

Musik gehörte lange zum Kerngeschäft von Bertelsmann. Allerdings verkaufte der Konzern 2006 seinen Musikverlag BMG, 2008 gab er auch seinen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Sony BMG ab und verabschiedete sich so aus dem Tonträgergeschäft. 2013 holten die Gütersloher die Musik vom Finanzinvestor KKR zurück in den Konzern. Das Geschäft gehört zum Bereich Corporate Investments, der alle übrigen operativen Aktivitäten von Bertelsmann umfasst.

Der Verkauf, den Bertelsmann wie einen Börsengang organisiert, ist eine von zwei großen Transaktion in der deutschen Fernsehbranche im laufenden Jahr. Die Haupteigner des Rivalen ProSiebenSat.1, die Finanzinvestoren KKR und Permira, wollen ihre Anteile komplett abstoßen. Der Konzern könnte danach aus dem MDax in den Leitindex Dax aufsteigen.

Die Federführung des zweiten RTL-Börsengangs liegt bei der Deutschen Bank und Morgan Stanley. Außerdem sind BofA Merrill Lynch, Citigroup, Credit Suisse, Goldman Sachs, BNP Paribas, Petercam, Societe Generale und Lazard an der Transaktion beteiligt.

Operativ ist die RTL-Gruppe trotz schwieriger Märkte gut ins Jahr gestartet. Der Betriebsgewinn (Ebita) im ersten Quartal stieg Konzernangaben zufolge um einen mittleren bis hohen einstelligen Prozentwert. Ergebnistreiber war erneut das Deutschlandgeschäft, das von Kostensenkungen profitierte.

Der Konzernumsatz stagnierte hingegen im ersten Quartal. Während der deutsche TV-Werbemarkt RTL-Schätzungen zufolge leicht zulegte, verlor die Mediengruppe in Deutschland Marktanteile. In den Niederlanden und Frankreich entwickelten sich die Sender des Konzerns dagegen stärker als der Markt. Sorgenkinder sind weiterhin die Töchter in Belgien, Spanien und Ungarn.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

17.04.2013, 09:38 Uhr

Unklug, die Cash Cow Nr.1 teilweise zu verhökern.
Da kommt jetzt garantiert wieder ein Middelhoff und verprasselt das Geld für Internet-Unsinn.
Aber Hauptsache, das Management hat was gemacht.

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