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05.01.2012

16:22 Uhr

Billig-Kapitalerhöhung

Unicredit im Tiefenrausch

VonRalf Drescher

Die Unicredit verramscht ihre Aktien, die Anleger fliehen in Scharen. Binnen zwei Tagen verliert die Aktie rund 30 Prozent an Wert. Auch andere Bankaktien stürzen ab. Gerüchte über weitere Kapitalspritzen machen die Runde.

Schriftzug der Unicredit an einer Filiale in Rom. Die Bank wird neue Aktien nur sehr billig los. Reuters

Schriftzug der Unicredit an einer Filiale in Rom. Die Bank wird neue Aktien nur sehr billig los.

DüsseldorfDie Aktie von Unicredit ist in Mailand den zweiten Tag in Folge kräftig unter die Räder gekommen. Am Morgen wurden die Papiere vorübergehend vom Handel ausgesetzt, nachdem sie zuvor um acht Prozent gefallen waren. Doch die Unterbrechung stoppte den Abwärtssog nicht. Nach der Wiederaufnahme stürzte die Aktie noch viel tiefer. Am Nachmittag lag sie bei 4,53 Euro mehr als 16 Prozent im Minus. Am Vortag hatten die Aktien bereits 14,5 Prozent an Wert eingebüßt.

Grund für den Kurssturz ist das enttäuschende Ergebnis der Kapitalerhöhung von Unicredit. Um die Vorgaben der europäischen Bankenaufsicht EBA zu erfüllen und sich für weitere Verluste mit Staatsanleihen zu wappnen, muss die Bank ihr Eigenkapital um 7,5 Milliarden Euro aufstocken.

Weil die Investoren Banken nicht über den Weg trauen, wird Unicredit die neuen Papiere aber nur zu einem sehr niedrigen Preis los. Mit den insgesamt 26 Konsortialbanken einigte sich die Bank auf einen Verkaufspreis von 1,94 Euro je Aktie. Das sind 43 Prozent weniger, als die Italiener selbst als „theoretischen Preis“ ohne Bezugsrechte errechnet hatten und nur rund ein Drittel des Börsenkurses zum Ende der vergangenen Woche.

Welche europäischen Banken 2011 ihr Kapital erhöht haben

Commerzbank

Seit zwei Jahren gehört das deutsche Institut zu einem Viertel dem Staat. Mit den Mitteln aus der Kapitalerhöhung will die Bank den größten Teil der rund 16 Milliarden Euro schweren staatlichen stillen Einlage ablösen - eine Art haftendes Eigenkapital ohne Stimmrechte. Insgesamt sammelte die Commerzbank zwischen April und Juni rund 14 Milliarden Euro ein.

Intesa SanPaolo

Erst kürzlich erhöhte die italienische Bank Intesa SanPaolo ihr Eigenkapitel um rund 7 Milliarden Dollar. Mit einer Kernkapitalquote von 7,9 Prozent zum Ende des Jahres 2010 benötigt Intesa nicht unmittelbar frisches Geld. Die Großbank dürfte sich jedoch auf die neuen Eigenkapitalregeln unter Basel III vorbereiten.

Danske Bank

Auch die dänische Danske Bank polsterte in diesem Jahr bereits ihre Kapitalausstattung auf. Im April sammelte sie rund 4 Milliarden Dollar ein. Mit Hilfe der Emission sollen staatliche Finanzhilfen zurückgezahlt werden.

Monte dei Paschi di Siena

Im August hat die italienische Bank Monte dei Paschi eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Der Schritt mit einem Volumen von rund 3 Milliarden Dollar soll dem Institut die Rückzahlung der so genannten Tremonti-Bonds ermöglichen.

 

Nordea Bank

Auch die dänische Nordea Bank sah sich gezwungen, ihre Eigenkapital aufzustocken: Im April dieses Jahres sammelte sie rund 2,9 Milliarden Dollar ein.

Bank of Ireland

Das irische Institut Bank of Ireland entging durch eine Kapitalerhöhung von rund 2,8 Milliarden Dollar in diesem Jahr nur knapp der Verstaatlichung. Durch die Beteiligung eines privaten Konsortiums liegen mindestens 68 Prozent des Instituts in privaten Händen.

Banco Popolare

Die mailändische Banco Popolare stockte im Februar ihre Kapitaldecke auf – um 2,7 Milliarden Dollar. Sie hatte in der Krise staatlich garantierte Anleihen in Anspruch genommen. Die wollte sie ablösen.

Agricultural Bank of Greece

Die Agricultural Bank of Greece (ATE) ist ein Sorgenkind des griechischen Bankensektors und fiel beim Stresstest der Bankenaufsicht durch. Sie erhöhte ihr Eigenkapital im Juni um 1,8 Milliarden Euro.

Unione die Banche Italiane

Im zweiten Quartal dieses Jahres konnte Italiens viertgrößte Bank ihr Ergebnis durch Steuergutschriften fast verdreifachen. Zuvor hatte sie eine Kapitalerhöhung von 1,4 Milliarden Dollar durchgeführt.

Emporiki Bank of Greece

Die viertgrößte Bank Griechenlands erhöhte ihr Eigenkapital im März ebenfalls um 1,4 Milliarden Dollar.

Bank of Piraeus

Die griechische Bank ist wegen des Umtauschs einheimischer Staatsanleihen tief in die roten Zahlen gerutscht. Im Januar griff sie zum Instrument der Kapitalerhöhung – und sammelte rund 1,1 Milliarden Dollar ein.

Marfin Popular Bank Public

Die zyprische Marfin Popular Bank erhöhte im Februar ihr Eigenkapital um 700 Millionen Dollar.

Banco de Sabadell

Die spanische Bank  kam beim Stresstest nur auf eine Kernkapitalquote von 5,7. Erst im Februar hatte sie Kapital um rund 600 Millionen Euro erhöht.

Monte dei Paschi di Siena

Die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena hat sich mit 536 Millionen Dollar neuem Kapital eingedeckt. In der Finanzkrise hatte das Institut aus der Toskana als erste italienische Bank Staatshilfen in Anspruch genommen, nachdem es sich vor der Krise vor allem mit der Übernahme der norditalienischen Banca Antonveneta stark verschuldet hatte.

Aareal Bank

Knapp 399 Millionen Dollar nahm die Aareal Bank durch die Platzierung neuer Aktien im April 2011 ein. Ein Teil des Erlös nutzte das Institut, um Staatshilfen an den Bankenrettungsfonds zurückzuzahlen.

Banco Comercial Portugues

Auch die Banco Comercial Portugues hat sich mit frischem Kapital eingedeckt. Das Institut generierte 377 Millionen Dollar.

Die Enttäuschung der Anleger ist verständlich, denn der Abschlag, den Aktionäre bei der Kapitalerhöhung hinnehmen müssen, ist extrem: "Wieman es dreht und wendet,der Discount ist deutlich größerals bei anderen Banken",sagte Andrew Lim, Analyst beiEspirito Santo. Bei derCommerzbank etwa, die sich imvergangenen Jahr frisches Geldüber eine Kapitalerhöhung besorgthatte, betrug der Abschlag rund30 Prozent. Bei Intesa Sanpaolowaren es sogar nur 24Prozent.

Der Ausgabepreis entspreche deraktuellen Marktlage, ließ dieUnicredit verlauten und schürte damit auch bei den Anlegern anderer Geldhäuser Sorgen. Im Sog von Unicredit gerieten Bankaktien europaweit unter Druck. Die Aktien der Commerzbank fielen nach einem Minus von fast fünf Prozent am Montag um weitere 4,5 Prozent. Mit 1,22 Euro rutschten sie wieder in Richtung des Allzeittiefs bei 1,11 Euro.

Die Commerzbank hatte im vergangenen Jahr bei ihrer Milliarden-Kapitalerhöhung ebenfalls das Misstrauen der Anleger zu spüren bekommen und die neuen Aktien verschleudern müssen. Seither ist der Kurs auf Talfahrt, das Jahr 2011 beendete er mit einem Minus von 70 Prozent. Und die Sorgen sind nicht gebannt. Denn wie Unicredit benötigt die Commerzbank weitere Milliarden, um den Kapitalanforderungen der EBA zu entsprechen. Eine erneute Kapitalerhöhung gilt angesichts der enttäuschenden Platzierung der Unicredit als nahezu ausgeschlossen. Die Gefahr eines erneuten Rufes nach dem Staat bleibt bestehen.

Gerüchte um eine erneute Kapitalerhöhung gibt es dagegen bei der Deutschen Bank. Diese belasteten am Morgen neben dem allgemein schwachen Marktumfeld für Finanzwerte die Aktien von Deutschlands größtem Geldhaus, die gut fünf Prozent auf 28,10 Euro nachgaben. Angeblich stehe die Kapitalerhöhung unmittelbar bevor, wurde an der Börse spekuliert. Die Deutsche Bank hatte allerdings noch vor kurzem einen weiteren Kapitalschritt ausgeschlossen, nachdem sie sich im vergangenen mehr als zehn Milliarden Euro Eigenkapital an der Börse besorgt hatte.

 

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

05.01.2012, 12:18 Uhr

Schön was die EBA da anrichtet!

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