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04.01.2016

20:22 Uhr

Biotech-Unternehmen Brain

Erster Börsengang in Deutschland vor der Tür

VonRobert Landgraf

Deutschland hat sich als Standort für Börsengänge im vergangenen Jahr zurückgemeldet. Schon kündigt sich das erste Debüt in 2016 an. Das Zwingenberger Biotechnologie-Unternehmen Brain will im Februar aufs Parkett.

Das Biotechnologie-Unternehmen Brain ist der erste deutsche Konzern, der 2016 an die Börse geht. dpa

Börse Frankfurt

Das Biotechnologie-Unternehmen Brain ist der erste deutsche Konzern, der 2016 an die Börse geht.

FrankfurtEin Jubiläum in zweifacher Hinsicht steht am deutschen Aktienmarkt bevor. Mit dem Biotechnologie-Unternehmen Brain kündigt sich der erste Börsengang in diesem Jahr an. Die Information darüber soll am Dienstag veröffentlicht werden, berichten Finanzkreise.

Nach dem Münchener Krebsspezialisten Wilex vor rund zehn Jahren strebt damit erstmals wieder eine Biotech-Firma an die Frankfurter Börse. Lange Zeit scheute die Branche den deutschen Kapitalmarkt und begründete das mit der Risikoscheu deutscher Anleger, die sich beim Platzen der Biotech-Blase nach der Jahrtausendwende schlechte Erfahrungen gemacht hatten.

Unternehmen wie die schwäbische Diagnostikfirma Curetis zog es deshalb vergangenes Jahr an die Börse Euronext. 2014 war der Heidelberger Krebsspezialist Affimed sogar an die amerikanische Nasdaq gegangen. Brain möchte einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag durch den Börsengang erlösen, berichten Finanzkreise. Das Wertpapierprospekt solle bis zum 20. Januar erstellt werden.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Handelsbeginn für die Aktie im Top-Segment an der Frankfurter Börse sei für den 9. Februar geplant. Die Zeichnungsfrist sei für den 21. Januar bis zum 3. Februar vorgesehen. Privatanlegern soll die Möglichkeit geboten bekommen, die Aktie zu zeichnen. Ziel von Brain ist es, mit dem Geld aus der im Fachjargon Initial Public Offering (IPO) genannten Aktienemission, „die Vermarktung der eigenen Produkt-Pipeline schneller umzusetzen und die erfolgreich eingeleitete Industrialisierungsstrategie zu forcieren“, geht aus Informationen hervor, die dem Handelsblatt vorliegen. Das Unternehmen entwickelt bioindustrielle Produktlösungen.

Brain zählt zu den kleinen Börsengängen, die in diesem Jahr erwartet werden. Milliarden schwer sein dürfte der geplante Börsengang der Postbank, einer Tochter der Deutschen Bank. Auch die Energiekonzerne Eon und RWE planen ihr herkömmliches Geschäft von dem mit erneuerbaren Energien abzuspalten und an die Börse zu bringen. Außerdem wird der Kochbox-Lieferant Hello Fresh aller Voraussicht nach einen neuen Anlauf wagen.

Mit bis zu 15 Debütanten rechnet Martin Steinbach, Leiter des Bereichs Börsengänge bei der Beratungsgesellschaft E&Y. Befeuert wird er Markt nach seiner Ansicht von Technologieunternehmen, Konzernabspaltungen und Finanzinvestoren, die ihre Bestände durchforsten.

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