Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.03.2017

17:36 Uhr

Börse

Ostdeutsche Scheu vor dem Aktienmarkt

Hunderte Firmen sind an den Börsen notiert – eine Minderheit stammt aus Ostdeutschland. Warum diese Scheu vor dem Aktienmarkt, an dem sich doch so viel Geld einsammeln lässt? Zwei Ost-Kandidaten versuchen ihr Glück.

Die Thüringer feierten am Donnerstag Premiere auf dem Frankfurter Parkett. dpa

Ibu-Tec Weimar

Die Thüringer feierten am Donnerstag Premiere auf dem Frankfurter Parkett.

Weimar/FrankfurtBei Ulrich Weitz ist das Telefon im Dauereinsatz. Interessierte Privatanleger rufen an, Fondsmanager, Geschäftspartner. Denn der Vorstandschef des Weimarer Industriedienstleisters Ibu-Tec AG traut sich etwas, was es seit Jahren in den ostdeutschen Bundesländern nicht gab: Er bringt seine Firma an die Börse. Die Thüringer Ibu-Tec feiert am Donnerstag Premiere auf dem Frankfurter Parkett. Rund 1,2 Millionen Papiere wurden zuvor an Investoren verkauft – für 16,50 Euro das Stück. Der erste Kurs liegt auf Xetra mit 16,70 Euro über dem Ausgabepreis.

Als er aufblinkt, sehen viele genauer hin. Denn die kleine Weimarer Aktiengesellschaft steht auch für eine Premiere am neuen Börsensegment Scale, das es in Frankfurt seit März für kleine und mittlere Unternehmen gibt. Weitz spricht von einem gelungenen Debüt: Für seine Firma, die er nach Berufsjahren im Management von Konzernen 2001 übernahm, aber auch für das neue Börsensegment, für das Ibu-Tec den „Eisbrecher“ spiele. Der erste Handelstag verläuft allerdings ziemlich durchwachsen: Am Nachmittag ist der Kurs bei 16,52 Euro fast wieder auf den Ausgabepreis gesunken.

Die besten Anlagen 2016

Zucker

Die Preise vieler Agrarrohstoffe sind 2016 deutlich gestiegen. Am deutlichsten stieg der Preis für Rohrzucker – auch wenn über die Hälfte der Performance seit dem Herbst wieder abgeschmolzen ist. Wer an den Terminbörsen zu Jahresbeginn 100.000 Euro in Zucker anlegte, hat jetzt 132.950 Euro auf dem Konto. Grund für den Anstieg sind Aussichten auf eine sinkende Produktion. Ähnlich ist es bei Kaffee, Baumwolle und Kakao. Ein höheres Angebot ließ dagegen die Preise für Mais und Weizen fallen.

Aktien Russland

Vom Absturz zu Beginn des Jahres erholten sich sowohl der Leitindex Micex als auch der Rubel deutlich. Hauptgründe dafür sind der steigende Ölpreis und nach der Trump-Wahl die Hoffnung auf ein besseres politisches Verhältnis zwischen den USA und Russland. Aus 100.000 in Russland angelegten Euro wurden so im vergangenen Jahr 152.950 Euro. Zum Vergleich: Aus 100.000 angelegten Euro wurden im amerikanischen Dow Jones - inklusive des Dollar-Anstiegs - „nur“ 116.140 Euro, im deutschen Dax waren es 106.780 Euro und im Euro Stoxx 50 der Standardwerte im Euro-Raum 100.770 Euro.

Öl

Der weitere Verfall des Ölpreises schockte die Anleger zu Jahresbeginn. Bis auf das Zwölfjahrestief von 27 Dollar fiel der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Bren bis zum Februar. Er erholte sich aber deutlich, in der Hoffnung darauf, dass die Ölstaaten die Fördermengen begrenzen. was sie Ende 2016 tatsächlich machten. Aus 100.000 in Öl-Terminkontrakte investierten Euro wurden bis am Jahresende 161.080 Euro.

Zink

Zink war 2016 der Rohstoff mit dem höchsten Preisanstieg. Im vergangenen Jahr stieg der Preis von Zink, das vielfach in der Industrie eingesetzt wird in Euro gerechnet um 62,84 Prozent.

Aktien Kasachstan

Das zentralasiatische Land ist der zweitgrößte Ölexporteur im postsowjetischen Raum und profitierte damit deutlich vom seit Mitte Februar wieder gestiegenen Ölpreis. Wer 100.000 Euro in den gerade mal neun Werte umfassenden Kase-Index investierte, machte einen Gewinn von 66,27 Prozent.

Aktien Peru

Die Aktie in Peru profitierte von der Wahl des neuen Präsidenten Pablo Kuczynski, der als liberal und wirtschaftsfreundlich gilt. Dazu sind im Leitindex Peru General S&P/BVL viele Minenwerte notiert – und die profitierten vom Anstieg der Minenpreise. Auch die Landeswertung Sol stieg. Das machte bei einer Investition von 100.000 Euro für hiesige Investoren einen Gewinn von 67.210 Euro. Im vergangenen Jahr hatte die Börse allerdings ein Drittel verloren.

Aktien Brasilien

Vor allem das Amtsenthebungsverfahren gegen Staatschefin Dilma Rousseff trieb Brasiliens Aktienkurse und den Real nach oben, weil dadurch die Präsidentin abgelöst wurde, die das Land in die Rezession und den größten Korruptionsskandal aller Zeiten getrieben hatte. Dass inzwischen auch gegen die Regierung und Ihren Präsidenten Michel Temer Korruptionsvorwürfe bestehen, bremste die Hausse nicht – ebenso wenig wie die Tatsache, dass das Land immer noch in der Rezession feststeckt. Unter dem Strich machten Anleger, die Anfang vergangenen Jahres 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investierten einen Gewinn von 76.160 Euro. So viel gab es in keiner anderen Anlageklasse.

Alle Angaben ohne Transaktionskosten. Stand: 30.12.2016

Mit einem Superlativ versucht es auch der zweite ostdeutsche Börsenkandidat nach der langen Durststrecke. Der Erfurter Halbleiterkonzern X-Fab SE steuert die Pariser Börse Euronext an. Von einer der größten Aktienemissionen in der europäischen Technologieszene in diesem Jahr ist die Rede. Der Schaltkreishersteller, der einen ersten Börsenanlauf vor mehr als zehn Jahren abgebrochen hatte, rechnet mit einem Emissionsvolumen von 440 bis 492 Millionen Euro. Noch läuft die Zeichnungsfrist für die Anteilsscheine. Am 6. April sei die Erstnotierung geplant, sagt Vorstandschef Rudi De Winter.

Ibu-Tec und X-Fab gehören damit zu den Börsensonderlingen in Ostdeutschland. Nach Schätzungen gibt es davon etwa zwei Dutzend Firmen in den fünf ostdeutschen Bundesländern, davon jeweils etwa zehn in Thüringen und Sachsen. Dafür Fehlanzeige in Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Die bedeutendsten sind die Jenoptik AG und die Carl Zeiss Meditec AG - beide aus Jena und beide im international beachteten Technologiewerteindex TecDax.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×