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15.07.2013

11:05 Uhr

Börse

Praktiker-Aktie schießt nach oben

Gibt es doch noch Hoffnung für Praktiker? Oder sind es die letzten Zuckungen? Einige Anleger zocken mit der Aktie der insolventen Baumarktkette. Der Kurs schießt kräftig nach oben.

Baumarkt im sächsischen Heidenau: Praktiker beschäftigt deutschlandweit rund 20.000 Mitarbeiter. dpa

Baumarkt im sächsischen Heidenau: Praktiker beschäftigt deutschlandweit rund 20.000 Mitarbeiter.

FrankfurtDie Aktie der Baumarktkette Praktiker hat am Montag in der Spitze um 60 Prozent zugelegt, allerdings von niedrigem Niveau. Der Kurs stieg um rund acht Cent auf 22 Cent. Nachdem das Unternehmen in der Vorwoche das Insolvenzverfahren beantragt hatte, war die Aktie eingebrochen. Doch am Wochenende keimte ein wenig Hoffnung auf.

Trotz der Insolvenz glaubt Großaktionärin Isabella de Krassny offenbar an die Überlebensfähigkeit der Baumarktkette. "Eine Insolvenz ist noch nicht das Ende", sagte sie der "Bild"-Zeitung am Samstag. Auch innerhalb des Konzerns werde die Pleite als Chance für einen Neustart gesehen, berichtete das Magazin "Der Spiegel" am Sonntag. So plane das Management, alle funktionierenden Praktiker-Filialen in den von der Insolvenz ausgenommenen Max-Bahr-Geschäftsbereich zu integrieren. Ziel sei ein "Kern-Max-Bahr" mit 180 bis 200 Filialen und einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Praktiker war am Sonntag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Praktiker kam zuletzt auf einen Jahresumsatz von drei Milliarden Euro und zählte 414 Filialen, davon 315 in Deutschland. Rund 20.000 Mitarbeiter zittern um ihren Arbeitsplatz. Das Unternehmen hatte sich mit seinem Billigkonzept ("20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung") ins Aus manövriert. Die 132 Baumärkte der Marke Max Bahr sind von der Insolvenz nicht betroffen, sie waren schon im Herbst finanziell weitgehend vom Konzern abgeschottet worden. Allerdings haben auf einen Teil von Max Bahr die Kreditgeber die Hand. Die Märkte dienen als Sicherheit für Kredite über 75 Millionen Euro, die von der österreichischen Raiffeisen International, der Commerzbank, der Royal Bank of Scotland und anderen ausgereicht worden waren. "Wir überlegen gerade gemeinsam mit weiteren Investoren, die Banken rauszukaufen und ihre Kredite abzulösen", sagte de Krassny.

Praktiker könne profitabel werden, wenn der Konzern seine Kosten deutlich senke. "Im Einkauf könnte man mit besseren Verträgen jedes Jahr 80 Millionen Euro sparen. Der Verwaltungsapparat ist aufgebläht, frisst acht Prozent des Umsatzes. Branchenüblich sind vier Prozent", sagte die Großaktionärin. Die Kosten können in einem Insolvenzverfahren deutlich gedrückt werden, beispielsweise kann der Insolvenzverwalter Mietverträge kurzfristig beenden oder neu aushandeln. Das beträfe auch die ehemalige Konzernmutter Metro, die zahlreiche Praktiker-Filialen an die Baumarktkette vermietet hat.

Die Argumentation Praktikers, dass die Insolvenz angemeldet werden musste, weil Gespräche mit Geldgebern über eine kurzfristig nötige Liquiditätsspritze von bis zu 35 Millionen Euro scheiterten, wies de Krassny zurück: "Das Geld wäre da gewesen. Das Problem war, dass die sehr gut besicherten Gläubiger keine Sicherheiten aufgeben wollten und es auch kein konstruktives Gespräch mit den Investoren gab." Zudem wäre sie bereit gewesen, gemeinsam mit ihrem Mann Alain de Krassny, der über seine Beteiligungsgesellschaft Donau Invest knapp zehn Prozent der Anteile hält, zehn Millionen Euro zu investieren.

"Ein weiterer Investor war bereit, weitere 30 Millionen Euro zu investieren und hätte zusätzlich rund 80 unrentable Standorte übernommen. Es lagen 40 Millionen Euro auf dem Tisch. Unser Angebot wurde jedoch abgelehnt", sagte de Krassny.

Die Großaktionärin sprach sich gegen eine Zerschlagung aus. "Schon jetzt kreisen doch die Aasgeier, die sich die besten Stücke rauspicken wollen", sagte sie. Ob es einen Neustart für Praktiker geben wird, hängt nun vom Verlauf des Insolvenzverfahrens ab.

Von

rtr

Kommentare (6)

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yeeha

15.07.2013, 11:13 Uhr

Alles muß raus: stimmt.

lets reset ladies.

Roothom

15.07.2013, 11:49 Uhr

""Eine Insolvenz ist noch nicht das Ende"" - für die altaktionäre schon...

das geschäft kann vielleicht fortgeführt werden, jedoch mit völlig neuer eigentümerstruktur. die altaktionäre - vor allem die kleinen - werden da wohl kaum was davon haben.

btw

15.07.2013, 12:21 Uhr

auch altaktionäre - auch kleine - haben den Insolvenzantrag evoziert.

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