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10.01.2008

09:42 Uhr

Börsen-Bewertungen im Vergleich

Börsianer befürchten keinen Crash

VonUlf Sommer

Selbst wenn die deutsche Wirtschaft schrumpfen sollte, würde der Dax nicht unbedingt mit auf Talfahrt gehen. Das sagen Analysten voraus. Vielmehr könnte er sich auch dann über 7000 Punkten halten.

Selbst bei einer Rezession könnte die gute Stimmung an den Börsen halten. Foto: ap ap

Selbst bei einer Rezession könnte die gute Stimmung an den Börsen halten. Foto: ap

DÜSSELDORF. Die Wall Street erlebt mit einem Verlust von 700 Punkten den schlechtesten Januar-Start ihrer langen Geschichte. Nach Merrill Lynch sagte gestern auch Goldman Sachs eine Rezession für die USA voraus – also mindestens zwei aufeinanderfolgende Quartale, in denen die Wirtschaftsleistung abnimmt. Auch wenn Ökonomen Europa vor einem Abschwung gefeit sehen, berechnen Strategen bereits, wie sich ein möglicher Abschwung in Deutschland auf die Aktienkurse auswirken würde. Das Ergebnis: Die Notierungen würden nicht übermäßig einbrechen, wenn überhaupt.

„Die Formel ,Rezession gleich Talfahrt’ ist zu einfach. Dann bräuchte man nur auf fallende Kurse zu setzen und ginge aus jedem Wirtschaftsabschwung als Gewinner hervor“, sagt ein Frankfurter Händler. Tatsächlich büßte der Deutsche Aktienindex (Dax) aber während des letzten Wirtschaftsabschwungs nach der Jahrtausendwende drei Viertel seines Wertes ein. „Doch wenn jetzt eine Rezession käme, wird der Dax trotzdem nicht unter 7 000 Punkte fallen“, schätzt Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp. Gemessen am aktuellen Niveau, wäre das ein Minus von rund zehn Prozent. Seine Rechnung: Nach der Jahrtausendwende waren Anleger euphorisch und stark in Aktien investiert. Zugleich expandierten die Unternehmen. „Niemand war auf fallende Kurse eingestellt“, sagt Hürkamp.

Die Unterschiede zur Situation von damals sind groß. Die Anteilsscheine kosteten am Vorabend des Abschwungs, als der Dax wie heute bei knapp 8 000 Punkten notierte, das 28-Fache ihres Jahresgewinns (Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz: KGV). Heute bezahlen Anleger die Dax-Titel durchschnittlich mit dem zwölffachen Jahresgewinn. Der Grund: Die Firmengewinne haben sich seitdem mehr als verdoppelt.

Angenommen, die Konzerngewinne brechen bei einer Rezession um ein Viertel ein, dann würde das KGV um 25 Prozent steigen – läge also bei 15. Das entspricht genau dem langjährigen Durchschnitt. Aktien wären also „fair“ bewertet. Die aktuelle Situation erinnert Hürkamp an die Rezession Mitte der 90er-Jahre. Damals sanken die Firmengewinne, doch der Dax legte sogar zu: 1995 um acht und im Jahr darauf sogar um 28 Prozent. Der Dax notierte vor dem Konjunktureinbruch mit einem KGV von 15, war also etwas teurer als heute.

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