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04.10.2017

13:13 Uhr

Börsen-Comeback

Pirelli kehrt mit Verlusten auf das Parkett zurück

VonRegina Krieger

Pirelli ist zurück an der Mailänder Börse, doch der erste Handelstag startet mit Schwierigkeiten. Der hoch verschuldete Reifenkonzern kann die Anleger zunächst nicht überzeugen. Die Aktie notiert im Minus.

Die Aktie des Reifenherstellers liegt zu Beginn im Minus. dpa

Pirelli

Die Aktie des Reifenherstellers liegt zu Beginn im Minus.

MailandEin Selbstläufer ist sie nicht, die Pirelli-Aktie an der Mailänder Börse. Gleich nach dem Startschuss am Mittwochmorgen bei der Rückkehr an die Börse nach zwei Jahren verliefen die ersten Stunden im Handel sehr bewegt. Um bis zu gut drei Prozent brach die Aktie zeitweise ein und notierte unter dem Ausgabepreis von 6,50 Euro, um sich dann gegen Mittag bei 6,30 Euro einzupendeln.

Pirelli-Chef Marco Tronchetti Provera gab sich dennoch gelassen: „Warten wir ein paar Monate ab“, sagte er am Morgen in der Börse, „in den ersten Tagen gibt es immer viel Volatilität. Wir wissen, dass das Unternehmen solide ist.“ Kurze Zeit später kam eine Mitteilung des Mailänder Unternehmens, die ihm und seinen 25 Top-Managern nicht gefallen kann: Der ihnen zugesagte Bonus fällt weg, weil die Eigenkapitalziele Ziel nicht erreicht wurden. 

Am frühen Morgen hatte Tronchetti Provera im Palazzo Mezzanotte, dem Sitz der Mailänder Börse, die Glocke geläutet und den fünftgrößte Reifenhersteller zurück an die Börse gebracht. „Wir haben mehr als 250 internationale Investoren allerersten Ranges mitgebracht und mehr als 30.000 italienische Sparer“, sagte er bei der kurzen Zeremonie. „Wir sind auf einem kontinuierlichen Weg: Wir werden die Zukunft weiter gestalten ­– für uns und für unsere Aktionäre.“  

Inszeniert wurde der Börsengang mit den Produkten des Hauses: Aufgefahren werden auf dem Parkett ein Formel-1 -Rennwagen, ein Motorrad, zwei Fahrräder und natürlich jede Menge Reifen. Der Rennwagen ist ohne Logo und gehört Pirelli, das der einzige Ausrüster für alle Formel-1 -Teams ist. Der Vertrag läuft bis 2019.

Marco Tronchetti Provera – zur Person

Der Manager

Der Mailänder ist mit Pirelli eng verbunden. Seit 1992 steht der 69-Jährige als CEO an der Spitze des Reifenherstellers. Von 1969 bis zum Einstieg der Chinesen 2015 war er Verwaltungsratsvorsitzender. In erster Ehe war er mit der Urenkelin des Firmengründers verheiratet. Trochetti Povera entscheidet, wer den berühmten Kalender fotografiert und wer ein Exemplar bekommt, denn käuflich ist er nicht. Aus einer alten Pirelli-Fabrik in Mailand schuf er den Hangar Bicocca, eine Halle für zeitgenössische Kunst.

Das Unternehmen

Der Hersteller von Reifen für Autos, Motorräder und Fahrräder ist das fünftgrößte Reifenunternehmen weltweit mit einem Nettoumsatz von 6,06 Milliarden Euro, einem Gewinn vor Steuern (Ebit) von 724 Millionen und 37.000 Mitarbeitern (2016). Pirelli ist der einzige Ausrüster für alle Teams der Formel1. Der Vertrag läuft bis 2019.

Für Pirelli ist es eine Rückkehr an die Börse. Vor zwei Jahren hatte das chinesische Staatsunternehmen Chem China  die Mehrheit beim Reifenhersteller übernommen und das Unternehmen  von der Börse genommen. 65 Prozent zu einem Preis von 7,1 Milliarden Euro waren damals der größte Firmenkauf  von Chinesen in Italien. Das Geschäft mit Lkw-Reifen wurde an eine Tochter des chinesischen Chemiekonzerns abgegeben.

CEO Tronchetti Provera, seit 1992 an der Spitze des Unternehmens, richtete die Strategie auf  das „High-Value-Geschäft“ aus. „Wir schaffen ein reines Consumer-Unternehmen, das auf Reifen für Autos und Motorräder fokussiert ist“, sagte er dem Handelsblatt. Mit den Chinesen habe sich nichts geändert, die Wurzel des Unternehmens sei und bleibe Italien.

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