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03.08.2015

16:18 Uhr

Börsencrash in Athen

Ausverkauf bei griechischen Bankaktien

In Athen läuft der Aktienhandel wieder – das erste Mal seit Ende Juni. Investoren schmeißen vor allem Bankaktien auf den Markt, die bis zu 30 Prozent an Wert verlieren. Dabei geht es den Instituten selbst wieder besser.

Riesen-Verlust nach Zwangspause

Kapitalmarktstratege zur Athener Börse: „Ja, das ist ein Crash“

Riesen-Verlust nach Zwangspause: Kapitalmarktstratege zur Athener Börse: „Ja, das ist ein Crash“

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AthenDie Börse Athen ist nach fünf Wochen wieder geöffnet – und bricht zunächst deutlich ein. Die größten Kursverluste verzeichneten dabei die Bankentitel. Bei der Piraeus Bank und der National Bank of Greece sackte der Kurs jeweils mit 30 Prozent bis zum erlaubtem Maximum ab.

Der Athener Leitindex ASE lag gegen 16 Uhr noch 16,5 Prozent im Minus, nachdem die Kurse gleich nach Eröffnung um fast 23 Prozent verloren hatten. Von den 58 Werten im Athener Leitindex sind nunmehr fast 40 Prozent unter einem Euro Wert und damit sogenannte Pennystocks. Der Bankenindex notiert dauerhaft mit 30 Prozent im Minus.

Spannend dürfte werden, wie sich Banktitel am Dienstag entwickeln. Können sie wieder anziehen? Insider berichten am Nachmittag, dass griechische Banken inzwischen wieder ein leichtes Geldpolster angesammelt hätten. Griechenland werde daher voraussichtlich in den nächsten Wochen nicht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) um mehr Nothilfen für die Institute nachfragen, sagten zwei mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Liquiditätspuffer der Geldhäuser sei inzwischen auf rund fünf Milliarden Euro angewachsen. Als es in der Griechenland-Krise Spitz auf Knopf stand, seien es lediglich ein bis zwei Milliarden Euro gewesen. Erhöhungen der ELA-Bankenhilfen, Steuerzuflüsse sowie Zuflüsse aus dem Tourismus hätten für eine Verbesserung der Lage gesorgt.

Die griechischen Banken waren von Ende Juni an mehrere Wochen geschlossen. Bürger und Firmen hatten zuvor aus Sorge, das Land könnte aus dem Euro ausscheiden, ihre Konten leergeräumt. Den Instituten drohte das Geld auszugehen. Nur noch mit den ELA-Nothilfen der griechischen Notenbank, die die EZB genehmigt hatte, hielten sie sich über Wasser.

Chronik der Schließungen der griechischen Börse

1912

Während des ersten Balkan-Kriegs macht die Athener Börse von Mitte September bis Mitte November zu. Damals kämpfen Griechenland, Serbien, Montenegro und Bulgarien gegen das Osmanische Reich.

1914

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges schließt die Börse ihre Pforten für etwa drei Monate.

1918

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges wird der Handel längere Zeit unterbrochen. Die Behörden begründen dies mit illegalen, abgesprochenen Verkäufen.

1931

Die Bank von England (BoE) verabschiedet sich vom Gold-Standard und löst ein Beben an den internationalen Finanzmärkten aus. Die Athener Börse schließt von September bis Dezember.

1940

Die Kriegserklärung Italiens und die Invasion italienischer Truppen sorgt für eine Zwangspause zwischen Oktober und Dezember. Der damalige Machthaber Ioannis Metaxas antwortet auf die italienische Forderung, Griechenland solle sich ergeben, mit „Oxi“ (Nein). Hierauf spielt das Referendum vom Juli 2005 an, bei dem die Mehrheit der Griechen die Reformforderungen der Gläubiger mit „Oxi“ ablehnte.

1974

Während des Zypern-Kriegs bleibt das Athener Börsenparkett zwischen Juli und September verwaist. Die Türkei interveniert auf der Mittelmeer-Insel wegen eines Umsturzes der griechischstämmigen Bevölkerungsmehrheit. Es kommt zu Kämpfen zwischen türkischen und griechischen Truppen.

2015

Der Athener Leitindex bricht nach einer fünfwöchigen Handelsunterbrechung um knapp ein Viertel ein – so stark wie nie zuvor. Grund für die Schließung der Börse war die drohende Pleite des Landes. Parallel dazu wurden Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, die teilweise nach Wiedereröffnung der Börse in Kraft bleiben.

Sonstige kürzere Unterbrechungen

Kürzere Handelsunterbrechungen gibt es zudem unter anderem während des türkisch-griechischen Kriegs 1923, der deutschen Invasion 1941 und der Militärdiktatur Anfang der 1970er Jahre. Ungehindert lief der Börsenhandel allerdings 1893, als der damalige Ministerpräsident Charilaos Trikoupis verkündete: „Unglücklicherweise sind wir bankrott.“

Die Regierung dämmte schließlich die Finanzabflüsse mit der Beschränkung des Kapitalverkehrs und der zeitweiligen Schließung der Banken ein. Seit dem 20. Juli sind die Institute nun wieder offen – Kapitalverkehrskontrollen gelten aber weiter und es gibt strikte Obergrenzen für Konto-Abhebungen.

„Es gab relativ wenig Abflüsse und es gab tatsächlich eine Woche im Juli, in der es Nettozuflüsse in die Banken gab“, sagte ein Insider. Die EZB genehmigte nach früheren Informationen von mit der Situation vertrauten Personen im Juli zwei mal eine Anhebung der Obergrenze für die ELA-Hilfen um je 900 Millionen Euro. Aktuell liegt der Rahmen für diese Geldspritzen bei rund 91 Milliarden Euro. Es wird erwartet, dass der EZB-Rat am Mittwoch bei seiner Sitzung erneut über die Notkredite berät.

Kommentare (6)

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Herr Helmut Weinberg

03.08.2015, 13:55 Uhr


Herr Soros - kauft wieder EURO-VERWESUNGS-PAPIERE ?? Weil er weiss dass sowoeso ENDLOS GERETTET wird von EU und Frau Merkel.

Los - kaufen bei 0,20 Cent je Aktie und dann lachend bei 0,80 Cent verkaufen.

Wie ein Geier der im Kadaver frisst.

PFUI !!

Herr Peter Spiegel

03.08.2015, 14:00 Uhr

Herr Helmut Weinberg@
Herr Soros hat halt Würde.

Herr Jürgen Dannenberg

03.08.2015, 14:05 Uhr

"Minus 30 Prozent für griechische Bankaktien"

Und, wen juckt das?

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