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16.05.2012

14:33 Uhr

Börsenerlös

Facebook könnte 16 Milliarden Dollar einsammeln

Der Börsengang von Facebook stellt wahrscheinlich alle bisherigen Neuemissionen von Technologie-Unternehmen in den Schatten. Die hohe Bewertung ist unter Finanzprofis umstritten.

Warum Facebook für Anleger gefährlich ist

Video: Warum Facebook für Anleger gefährlich ist

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San FranciscoFacebook will das Maximum aus seinem Börsengang herausholen. Wegen der starken Nachfrage bietet das weltgrößte soziale Online-Netzwerk 25 Prozent mehr Aktien an als bislang geplant. Damit könnte die Erstemission (IPO) der Superlative am Freitag auf ein Volumen von bis zu 16 Milliarden Dollar kommen und in die Top Ten der größten IPOs vorstoßen.

Die Entscheidung des 28-jährigen Facebook-Gründers und Firmenchefs Mark Zuckerberg folgt kurz auf die Anhebung der Preisforderung. Demnach werden die Anteilsscheine in einer Spanne von je 34 bis 38 Dollar angeboten statt der zuvor vorgesehenen 28 bis 35 Dollar. An die Anleger gebracht werden sollen nun rund 421 Millionen Aktien, 84 Millionen mehr als bislang angestrebt, wie Facebook am Mittwoch in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht erklärte.

Zuckerberg bleibt auch nach dem IPO mit einem Stimmrechtsanteil von 57,5 Prozent Mehrheitseigner. Am Donnerstag will das US-Unternehmen den Ausgabepreis festlegen.   Unter den Technologieunternehmen steht Facebook für den mit Abstand größten IPO aller Zeiten. Der US-Internetgigant Google etwa erzielte 2004 nur knapp zwei Milliarden Dollar. Die Nummer eins ist - bis zum geplanten Handelsstart von Facebook am Freitag - noch der deutsche Chipkonzern Infineon, der Thomson-Reuters-Daten zufolge mit seinem Marktdebüt im Jahr 2000 5,9 Milliarden Dollar erlöste.

Branchenübergreifend ist der Facebook-IPO der zehntgrößte überhaupt. Hierzulande liegt nur der frühere Staatsmonopolist Deutsche Telekom vor Facebook. In der IPO-Rangliste der USA steht das erst vor acht Jahren gegründete Unternehmen hinter General Motors (GM) und Visa an dritter Stelle.   

Wer vom Facebook-Börsengang profitiert

Mark Zuckerberg

Der Chef und Gründer von Facebook besitzt knapp 534 Millionen Aktien. Dieser Anteil von 28 Prozent ist etwa 28 Milliarden Dollar wert. Damit wäre der 27-Jährige der viertreichste Amerikaner. Nach einer Aufstellung der Zeitschrift „Forbes“ sind dann nur Microsoft -Gründer Bill Gates, der legendäre Investor Warren Buffett und Oracle -Chef Larry Ellison wohlhabender als Zuckerberg.

Risikokapitalgeber

Jim Breyer und seine Risikokapitalfirma Accel Partners besitzen zusammen etwa elf Prozent der Facebook-Anteile, die nun etwa 11,4 Milliarden Dollar wert sein dürften. Accel stieg bei Facebook im Jahr 2005 ein, als das Unternehmen mit 100 Millionen Dollar bewertet wurde. Das Unternehmen investierte damals 12,7 Millionen Dollar.

Einzelinvestoren

Weitere wichtige Eigner sind die russische Gesellschaft DST Global mit sieben Prozent, Goldman Sachs mit 3,5 Prozent, der Investor Peter Thiel mit zwei Prozent und die Firma T. Rowe Price mit einem Prozent. Der Internetpionier Marc Andreessen und seine Beteiligungsfirma Andreessen Horowitz besitzen einen kleinen Teil von Facebook.

Die Rendite der Eigner hängt davon ab, wann sie die Anteile kauften. Investor Thiel dürfte prozentual den größten Gewinn gemacht haben: Er stieg schon im Jahr 2004 ein und investierte damals 500.000 Dollar.

Mitbegründer

Facebook-Mitbegründer Dustin Moskovitz besitzt etwa sieben Prozent des Unternehmens. Ein weiterer Mitbegründer, Eduardo Saverin, hielt früher einen geschätzten Anteil von fünf Prozent, taucht aber in der Liste der wichtigsten Aktionäre nicht mehr auf. Saverin hat wahrscheinlich einen großen Teil seiner Aktien verkauft.

Angestellte

Auch für viele der 3200 Facebook-Angestellten dürfte sich der Börsengang auszahlen, weil ihre Arbeit auch mit Aktienoptionen vergütet wird. Autohäuser, Immobilienmakler und Luxushändler im Silicon Valley reiben sich schon die Hände. Manche Facebook-Mitarbeiter wollen ins All fliegen. Andere planen archäologische Expeditionen zu Maya-Ruinen.

Familienmitglieder

Aus dem Antrag für den Börsengang geht hervor, dass auch Verwandte von wichtigen Facebook-Managern großzügig mit Aktien bedacht wurden. So unterstützte Zuckerbergs Vater Edward die noch junge Firma in den Jahren 2004 und 2005 mit Geld und bekam eine Option zum Kauf von zwei Millionen Aktien. Die Frist zur Ausübung ließ er aber verstreichen. Im Dezember 2009 erhielt Edward Zuckerberg aber schließlich zwei Millionen Anteilsscheine von Facebook.

Von den Einnahmen des Börsengangs fließen Facebook selbst nur etwas mehr als die Hälfte zu. Der Rest geht an Geldgeber, die das Potenzial des Online-Treffpunkts früh erkannt haben. Auch mit dem angepeilten Börsenwert deklassiert Facebook die anderen Technologiegrößen. Mit 93 bis 104 Milliarden Dollar wäre das Online-Portal mehr wert als die Computer-Riesen Hewlett-Packard und Dell zusammen.     

Der Rummel um Facebook sorgt unter Finanzmarkt-Experten für Staunen und Befremden zugleich. „Das ist mehr ein Spektakel, ein Medienereignis und ein kulturhistorischer Augenblick, als es ein IPO ist“, sagte Analyst Max Wolff von GreenCrest Capital. Geschäftsmodelle und -daten spielten mittlerweile kaum eine Rolle mehr. Wolff erwartet, dass die Facebook-Aktie beim Debüt an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq etwa zehn Prozent zulegt.   

Facebook

Bauchschmerzen vor dem Börsengang

Facebook: Bauchschmerzen vor dem Börsengang

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Skeptische Investoren fragen sich, wie Facebook längerfristig die hochgesteckten Erwartungen erfüllen kann. Ihrer Einschätzung zufolge hat das Unternehmen bisher keine Strategie aufgezeigt, wie es aus der wachsenden Zahl an Nutzern Kapital schlagen kann, die über mobile Geräte auf Facebook zugreifen.

Außerdem hat sich das Umsatzwachstum aus dem zentralen Geschäft mit Online-Anzeigen in den vergangenen Monaten verlangsamt. Wasser in den Wein goss - ausgerechnet kurz vor dem IPO - nun auch GM. Der US-Autobauer kündigte an, künftig keine Werbung mehr über Facebook zu schalten.

Die Opel-Mutter hält offenbar die Erfolgsaussichten der Werbung bei Facebook für zu gering. „Das wird die Nachfrage nach dem IPO wahrscheinlich nicht wesentlich beeinträchtigen“, sagte Analyst Brian Wieser von Pivotal Research Group. Das Vorgehen von GM müsse nicht repräsentativ für die Mehrheit der Anzeigenkunden sein.

Die hohe Bewertung ist unter Finanzprofis umstritten, denn trotz des Rummels gibt es Zweifel an der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells. Es stellt sich die Frage, ob Facebook das größte Wachstum noch vor sich hat oder ob die besten Zeiten bereits vorüber sind.


Von

rtr

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

16.05.2012, 08:28 Uhr

Zuckerberg ist gelungen, was nicht mal sex.com schaffte. Er spricht nicht Triebe an, sondern grundlegende menschliche Beduerfnisse der Kommunikation, Gruppenzugehoerigkeit und dazu der Selbstdarstellung. Es geht darum akzeptiert, geachtet und geliebt zu werden und dies in einer Gruppe - die Facebook ermoeglicht.

Anders als bei Psychopharmaka bietet Facebook keinen Begleittext mit den Nebenwirkungen an. Aber wer liest den schon ;-) Obwohl ich Facebook nie mochte, ich denke Facebook ist nicht aufzuhalten, aber auch, dass sich Orwell nur im Jahr irrte.

Account gelöscht!

16.05.2012, 08:50 Uhr

Ich denke, auch Firmen wird allmählich klar, was es bedeuten mag, wenn quasi alle Kundendaten auf dem Tisch liegen.

zarakthuul

16.05.2012, 09:55 Uhr

Facebook ist Hype. Allerdings war Second Live auch Hype. Facebook ist nicht aufzuhalten, es läuft sich von allein tot.

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