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02.10.2015

10:04 Uhr

Börsengänge von Schaeffler, Covestro, Scout24

Privatanleger kosten viel und machen Ärger

VonJulia Löffelholz

Kleinanleger gelten als lästig. Auf Aktionärstreffen müssen sie sich oft mit Würstchen und Kartoffelsalat begnügen. Auch die Börsenkandidaten Schaeffler und Covestro lassen Privatanleger außen vor. Warum eigentlich?

Der Klassiker auf Hauptversammlungen: Würstchen und Kartoffelsalat. Beim Börsengang sind Kleinanleger aber selten Zielgruppe. Imago

Aktionärsverpflegung

Der Klassiker auf Hauptversammlungen: Würstchen und Kartoffelsalat. Beim Börsengang sind Kleinanleger aber selten Zielgruppe.

FrankfurtNicht nur den Dax hat die VW-Abgasaffäre in Mitleidenschaft gezogen – auch Unternehmen, die noch gar nicht in der Börse notiert sind, kostet der Skandal um den Autobauer potenzielle Anleger. Der Autozulieferer Schaeffler wollte eigentlich am kommenden Montag sein Börsendebüt feiern. Nun will Schaeffler am Montag erst die Preisspanne bekannt geben.

Doch wer hofft, als Kleinanleger nun zu günstigen Preisen Anteile des Autozulieferers kaufen zu können, wird enttäuscht: Das Unternehmen schließt private Investoren von der Erstzeichnung komplett aus. Dabei gaben in einer nicht repräsentativen Umfrage des Portals Wallstreet Online 26 Prozent der Befragten an, zum Börseneintritt gerne Aktien von Schaeffler kaufen zu wollen.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Warum Privatanleger ausgeschlossen werden? „Wir haben den Weg gewählt, kein öffentliches Angebot zu machen, um mehr Transaktionssicherheit zu gewinnen“, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Für Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, ist es keine Überraschung. „Bei Erstzeichnungen sehen wir seit einigen Jahren eine Tendenz, Privatanleger auszuschließen“, sagt er.

Er glaubt, dass Unternehmen so ihr Risiko möglichst gering halten möchten. „Viele Unternehmen glauben, dass der Börsengang sicherer ist, wenn die heterogene Masse von Privatanlegern ausgeschlossen wird“, sagt er. Auch Geld spielte eine Rolle. „Private Anleger mit ins Boot zu holen, bedeutet für die Unternehmen Arbeit und damit Kosten.“ So müsse erst eine Vertriebsstruktur aufgebaut werden, um ihnen den Kauf von Aktien zu ermöglichen.

Auch Peter Mattil, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, glaubt, dass private Anleger aufwändiger zu betreuen sind als institutionelle: „Private Anleger treten in Gruppen auf, sind organisiert und machen auf den Hauptversammlungen häufig Theater.“ Mit einigen wenigen institutionellen Anlegern könnten Probleme auch einmal am runden Tisch geklärt werden.

Aktien-Neuemission: Wie Bayer den Covestro-Börsengang retten will

Aktien-Neuemission

Wie Bayer den Covestro-Börsengang retten will

Es sollte der größte deutsche Börsengang seit dem Boomjahr 2000 werden. Doch Bayer patzt bei der milliardenschweren Trennung von der Kunststofftochter Covestro. Erst zum Schnäppchenpreis greifen Anleger zu.

Während Schaeffler noch auf ein Wunder hofft, musste Covestro seine Börsenplane bereits deutlich zurückschrauben. Die Kunststoffsparte des Bayer-Konzerns hat ihr Börsendebüt verschoben. Statt am Freitag wagt sich das Unternehmen nun erst am kommenden Dienstag auf das Parkett.

Am Donnerstag hatte Bayer bekannt gegeben, das Emissionsvolumen von 2,5 Milliarden auf 1,5 Milliarden Euro herunterzuschrauben. Auch die Preisspanne wurde gesenkt. Von bisher 26,50 bis 35,50 Euro auf 21,50 bis 24,50 Euro je Aktie.

Kommentare (7)

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Herr x y

02.10.2015, 10:24 Uhr

Privatnleger ausgeschlossen = deutsche Aktien(un)kultur.

Lange ist's vorbei. Ich erinnere mich noch gut, dass mein Bankberater mich anrief, auf Neuemissionen oder Kapitalerhöhungen aufmerksam machte, die Konditionen nannte, mir vorrechnete, ob es vorteilhafter sei, ein BR auszuüben oder zu verkaufen, und am Ende mein Interesse notierte. Die Bank trat dann bei der Zuteilung gesammelt auf, und gab die Papiere anschließend ohne Aufschlag an ihre Depotkunden weiter. Das war Kundendienst, den man mit Kundentreue quittierte.

Account gelöscht!

02.10.2015, 10:40 Uhr

IPOs sind ein( zumeist) lohnendes Objekt für den institutionellen Profi, um die Zeichnungsgewinne am 1. Tag in den ersten Minuten auf dem Handelsbuch zu verbuchen. Aber nix für Privat- oder Kleinanleger.

Herr walter rehm

02.10.2015, 10:44 Uhr

Sicherlich die lieben Kleinanleger. Die sind es nämlich auch die jetzt bei VW
die Verluste hinnehmen müssen. Andere verdienen sich Millionen und daher wird
auch stets weiter der VW Skandal ausgeschlachtet!
http://www.capital.de/investment/spekulanten-wetten-gegen-vw-aktie.html

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