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04.11.2011

17:35 Uhr

Börsengang

Groupon-Aktie glänzt beim Börsendebüt

Der Börsengang des Schnäppchen-Portals Groupon ist weit besser gelaufen als gedacht. Zum Start an der Wall Street ging es kräftig nach oben. Allerdings ist schwer abzuschätzen, welches Potenzial in der Aktie steckt.

Der Börsengang lief besser als erwartet. dapd

Der Börsengang lief besser als erwartet.

New York Das Online-Rabattportal Groupon hat allen Unkenrufen zum Trotz in den USA den größten Internet-Börsengang seit Google hingelegt. Mit dem Verkauf von 35 Millionen Aktien nahm das gerade einmal drei Jahre alte Unternehmen 700 Millionen Dollar ein und damit deutlich mehr als noch vor kurzem erwartet. Bei der Erstnotiz in New York schossen die Papiere gegenüber dem Ausgabepreis von 20 Dollar zeitweise um mehr als 50 Prozent in die Höhe.

Weil Groupon lediglich gut fünf Prozent des Unternehmens veräußerte, taxiert bereits der Ausgabepreis den gesamten Firmenwert auf rund 13 Milliarden Dollar - doppelt so viel wie das von Google vor einem Jahr vorgelegte Übernahmeangebot. „Groupon ist teuer“, kommentierte Rob Romero, Chef des auf Technologie spezialisierten Hedge-Fonds Connective Capital Management. Viele Anleger schienen jedoch anderer Meinung zu sein: Gegen Mittag (Ortszeit) kostete eine Groupon-Aktie mehr als 27 Dollar, immerhin noch ein Aufschlag von 35 Prozent. Gemessen daran ist Groupon sogar mehr als 17 Milliarden Dollar wert.

Fakten zu Groupon

Gründung

Der Rabatt-Gutschein-Spezialist mit Sitz in Chicago ging im November 2008 an den Start. Mittlerweile beschäftigt die Firma 10.418 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist auch in Deutschland tätig.

Leistungen

Das Unternehmen betreibt Webseiten mit Rabatt-Angeboten. Die Zahl der Kunden beziffert Groupon auf 30 Millionen im 3. Quartal nach 23 Millionen im zweiten Quartal.

Zahlen

Groupon verbuchte im 3. Quartal einen Nettoumsatz von 430,2 Millionen Dollar, eine Steigerung von zehn Prozent zum zweiten Quartal. Auf Pro-forma-Basis wies Groupon einen Betriebsverlust von zwei Millionen Dollar aus nach einem Minus von 62 Millionen Dollar im Vorquartal.

Firmenname

Der Unternehmensname ist eine Wortschöpfung aus Gruppe und Coupon und erklärt die Funktionsweise der Dienstleistung: Groupon bietet seinen Kunden jeden Tag einen bestimmten Rabatt an, wenn sich genügend Interessenten zusammenfinden. Das Unternehmen bekommt dann eine Provision.

Übernahmeangebote

Das Unternehmen lehnte im Dezember 2010 ein Übernahmeangebot von Google in Höhe von rund sechs Milliarden Dollar ab.

Konkurrenz

Zu den Konkurrenten zählen Facebook, Google und Amazon , die aber im Kampf um Marktanteile finanziell deutlich besser ausgestattet sind. Einige Experten haben ernsthafte Zweifel an dem langfristigen Geschäftsmodell des Schnäppchenportals.

Ausblick

Das Unternehmen, das mit seinen Online-Sonderangeboten bisher noch keinen Gewinn gemacht hat, will vom regen Interesse der Investoren an Internet-Firmen profitieren. Umgekehrt galt der Verlauf des Groupon-Börsengangs als Indikator dafür, ob die Web-Branche inzwischen wieder überbewertet wird.

2004 erlöste Google insgesamt 1,7 Milliarden Dollar. Groupon vermittelt Restaurant-Rabatte und andere Gutscheine für Waren und Dienstleistungen. Bislang hat das Schnäppchenportal in seiner kurzen Firmengeschichte allerdings noch nie Gewinn gemacht. Unter potenziellen Käufern wurde seit längerem gerätselt, wie gut sich Groupon auf Dauer behaupten kann, da Konkurrenten wie Google und Amazon im Kampf um Marktanteile finanziell deutlich besser ausgestattet sind. Groupon senkte daher zunächst das angestrebte Emissionsvolumen, um es dann wieder zu heben.

Die erfolgreiche Werbetour und auch der Mangel an Alternativen - wegen des schwierigen Marktumfelds in den vergangenen Monaten stehen die Börsenaspiranten nicht gerade Schlange - ermöglichten es Groupon am Ende 35 Millionen Aktien zu 20 Dollar an den Mann zu bringen. Zunächst sollten lediglich 30 Millionen Aktien zu 16 bis 18 Dollar ausgegeben werden.

Analysten rechnen wegen der Zweifel, ob Groupon langfristig profitabel sein kann, mit volatilen Kursen nach dem ersten Handelstag. Frühere Börsengänge von anderen Internetunternehmen lassen da keine Tendenz erkennen. Die Aktien des Karrierenetzwerks LinkedIn halten sich seit dem IPO im Mai über ihrem Ausgabekurs. Bei dem Online-Radiosender Pandora sieht das anders aus.

Kommentare (5)

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Apollo

04.11.2011, 08:47 Uhr

Hat denn keiner aus der DOT.COM Krise gelernt? Was soll an diesem Unternehmen ca. 12 Mrd. wert sein? Haben die Investoren auch nur einmal das Angebot genutzt? In 1, 2 Jahren existiert Groupon nicht mehr. Jeder der sich mal angemeldet hat, ist nach wenigen Tagen genervt, von den minderwertigen Angeboten (Maniküre zum Sonderpreis, 3h Solarium zum Preis von 2, Haarentfernung für 200 statt 300 Euro, Ultraschalllymphdrainage usw. ) und meldet sich schleunigst wieder ab. Außer man sucht immer noch nach dem passenden Angebot für ein paar Haarextensions!

Verrückte Welt, solch einer beknackten Idee (mehr ist es nämlich nicht - kein Unternehmen, sondern eine Idee) einen Wert von 12 Mrd beizumessen. Tz, tz, tz...

Badebaer

04.11.2011, 15:20 Uhr

voll zustimm......

Account gelöscht!

04.11.2011, 18:47 Uhr

Vor etwas mehr als 5 Jahren entsprach das in etwa dem Wert den die Börse Volkswagen zugemessen hatte. Auch das war eine fatale Fehleinschätzung! Groupon ist sicherlich eine ähnlich fulminante Kursbewegung zuzutrauen. Nur eben in die andere Richtung!!!

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