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05.10.2015

17:45 Uhr

Börsengang macht Probleme

VW vermiest die große Schaeffler-Party

2009 feierten Maria-Elisabeth Schaeffler und Sohn Georg die Übernahme von Continental. Sechs Jahre später hat der Zulieferer Schwierigkeiten, den Börsengang über die Bühne zu bringen. Der VW-Skandal grätscht dazwischen.

Der Börsengang soll am Freitag stattfinden. dpa

Elisabeth Schaeffler mit Sohn Georg

Der Börsengang soll am Freitag stattfinden.

FrankfurtDer Autozulieferer Schaeffler strebt bei seinem Börsengang ein Emissionsvolumen von rund einer Milliarde Euro an. Das fränkische Unternehmen legte am Montag die Preisspanne auf zwölf bis 14 Euro je Aktie fest. Ausgehend vom Mittelwert dieser Spanne belaufe sich der Bruttoerlös auf rund 975 Millionen Euro, wie Schaeffler mitteilte. Geplant sei der Gang aufs Börsenparkett nun für diesen Freitag.

Eigentlich hätte Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld schon am Montag die Börsenglocke zur Emission läuten wollen. Doch die Investoren zeigten sich verunsichert. „Angesichts der aktuellen Marktvolatilität haben wir uns gemeinsam mit unseren Gesellschaftern dazu entschieden, die Platzierung schrittweise durchzuführen“, erklärte Rosenfeld. Insidern zufolge wollte der Familienkonzern ursprünglich 2,5 bis drei Milliarden Euro bei Investoren einsammeln. „Drei Milliarden Euro kriegen sie nicht mehr, ob es zwei Milliarden werden, muss man sehen“, hieß es von Insidern bereits am Freitag. Schaeffler hatte die Pläne aber verschoben, dem Konzern war unter anderem die Abgas-Affäre bei VW in die Quere gekommen.  

Konkret hatten nach dem VW-Abgas-Skandal wohl einige der institutionellen Anleger wie Aktien-, Pensionsfonds und Versicherungen etwas mehr Zeit zur Prüfung der Wertpapier-Offerte gebraucht, hieß es in gut informierten Kreisen. Die intensiven Investorengespräche der vergangenen Tage, die teils bis Donnerstag gedauert haben, seien dafür verantwortlich gewesen, dass man den Börsengang um einige Tage verschoben habe.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

„Das Problem ist, dass sich potenzielle Investoren anderen Themen zugewandt haben“, hatte ein Insider berichtet. Der Abgas-Skandal hatte nicht nur die Werte von Autobauern, sondern auch die Aktienkurse einiger Autozulieferer einbrechen lassen. Der hoch verschuldete Wälzlagerhersteller will mit dem Verkauf von 25 Prozent der Anteile einen Teil seiner Milliardenschulden abbauen. Statt bis zu 166 Millionen Papiere will Schaeffler nun maximal 99,4 Millionen Papiere ausgeben.

Nach dem Börsengang sind den abgespeckten Plänen zufolge nur elf Prozent an der Schaeffler AG im Streubesitz. 66 Millionen Aktien kommen aus einer Kapitalerhöhung. Elisabeth Schaeffler-Thumann und ihr Sohn Georg geben statt bis zu 100 Millionen nur neun Millionen Papiere ab, bei entsprechend hoher Nachfrage können bis zu 24,4 Millionen hinzukommen. Den Rest der Papiere wollen die Schaefflers erst nach Ablauf einer sechsmonatigen Sperrfrist auf den Markt werfen - in einem oder mehreren Schritten. Dann sollen der Familie nur noch 75 Prozent an dem Konzern gehören - das Sagen hat sie allerdings weiterhin.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

05.10.2015, 11:08 Uhr

Wen interessiert diese Tage noch Schaeffler? Gerade in NTV: Dieses Jahr werden 1,5mio Flüchtlinge kommen, somit mit Familiennachzug 7mio.
Deutschland hat 43mio Beschäftigte.

Auf 6 Arbeitstätige kommt 1 Asylant. !!

Das interessiert Deutschland!

Herr Walter Schimpf

05.10.2015, 11:30 Uhr

...die obskure Familie Schäffler....

Verdankt Ihren Reichtum i.w. der Zwangsenteignung von jüdischen Fabriken während des dritten Reiches.

Die damaligen Wirtschaftsprüfer - die unmittelbaren Vorfahren von dieser gloriosen Frau Schäffler - haben die damaligen zwangsenteigneten Kugellagerfabriken für nahezu lau abgestaubt.

So werden Milliarden-Vermögen gemacht....

Herr C. Falk

05.10.2015, 11:35 Uhr

Zunächst einmal besten Dank an die HB-Redaktion, die Kommentarfunktion zum Einwanderungsartikel zumindst temporär zu öffnen. Das ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr.

Ein Fazit der zahlreichen Kommentare , Frau Merkel ist überfordert.

DIE KANZLERIN MUSS ZURÜCKTRETEN.

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