Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.08.2011

16:56 Uhr

Börsengang

Manchester United will Milliarde einsammeln

Manchester United will zurück aufs Börsenparkett: Offenbar plant der englische Fußballclub den Börsengang noch in diesem Jahr. Der soll allerdings nicht in England stattfinden, sondern in Asien.

Ashley Young ist seit 2011 bei Manchester United unter Vertrag: Der Club will noch in diesem Jahr in Singapur an die Börse gehen. Quelle: dapd

Ashley Young ist seit 2011 bei Manchester United unter Vertrag: Der Club will noch in diesem Jahr in Singapur an die Börse gehen.

HongkongDer englische Fußballclub Manchester United will im vierten Quartal den Börsengang in Singapur antreten, wie Onlineausgaben des „Wall Street Journal“ und des „International Financing Review“ mit Verweis auf Finanzkreise am Dienstag berichteten.

Der genaue Zeitpunkt für den auf eine Milliarde Dollar angesetzten Gang aufs Parkett hänge von den Marktbedingungen ab, zitierte der zu Thomson Reuters gehörende Informationsdienst IFR eine mit dem Vorgang vertraute Person. Damit stünde dem Premier-League-Club kurzfristig ein erheblicher Betrag zum Schuldenabbau und für neue Investitionen zur Verfügung.

Schwere Turbulenzen an den weltweiten Aktienmärkten haben seit Anfang August Anleger verunsichert und Börsenpläne auf Eis gelegt. In den vergangenen Tagen sind die Börsen wieder in ruhigeres Fahrwasser gelangt. Asien ist für United ein wichtiges Wachstumsfeld: Fast zwei Drittel ihrer 300 Millionen Fans leben dort.

Manchester United ist in Besitz der Familie des US-Tycoons Malcolm Glazer, der die Mehrheit am Klub 2005 für umgerechnet 790 Millionen Pfund erworben hat. Allerdings bürdete Glazer damals die dafür aufgenommenen Schulden dem Verein auf. In der Folgezeit nahmen die hohen Schulden den "Red Devils" immer mehr die Luft zum Atmen.

Anfang 2010 gab Malcolm Glazer Anleihen über 500 Millionen Pfund heraus, um die Refinanzierung auslaufender Kredite zu gewährleisten. Die Anleihenemission, die in Dollar und Pfund auf den Markt kam, belastet die Klubfinanzen allerdings mit jährlichen Zinszahlungen von rund neun Prozent. Außerdem war die Emissionsgebühr von etwa 54 Millionen Pfund sehr teuer gewesen. Immer wieder dachte Glazer auch laut über den Verkauf des Stadions Old Trafford nach, was für viele Fans einem Sakrileg gleichgekommen wäre.

Das schlechte Image bei den Fans wurde auch nicht durch den Umstand abgemildert, dass sich Glazers Söhne und andere Familienmitglieder Beratungs- und Managementhonorare in Millionenhöhe sowie Darlehen aus der Vereinskasse genehmigten. Der Frust war derart groß, dass sich solvente ManU-Fans im Jahr 2010 zur Gruppierung "Red Knights" ("Rote Ritter") zusammenschlossen und versuchten, den Club von Glazer zurückzukaufen. Einziger Haken: Manchester United stand nicht zum Verkauf.

Die Anleihenemission war eine Notlösung: Jim O'Neill von Goldman Sachs nannte die Anleihen „unattraktiv“ und englische Analysten warnten vor dem hohen Risiko der Papiere.

Britische Fußballvereine sind seit Jahren Spekulationsobjekte. Diese Entwicklung begann Anfang der 90er Jahre, als Tottenham Hotspur als erster Fußballclub an die Börse ging. Zunächst waren es vor allem britische Geschäftsleute, die viele Aktien kauften. Inzwischen teilen russische Oligarchen, Scheichs und Selfmade-Milliardäre wie Glazer die englische Premier League unter sich auf.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×