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03.03.2017

03:06 Uhr

Börsengang

Snap erobert die Wall Street im Sturm

VonBritta Weddeling

Evan Spiegel kann beim Debüt von Snapchat an der Wall Street reüssieren. Der Kurs der Aktie steigt am ersten Handelstag um 44 Prozent. Das Start-up ist auf einen Schlag mindestens 28 Milliarden Dollar wert.

Börsengang

Snap legt fulminanten Start in New York hin

Börsengang: Snap legt fulminanten Start in New York hin

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San FranciscoEs gebe da eine Person, die durch Snaps Börsengang nun nicht reich werde, scherzte der einflussreiche Investor Chris Sacca wenige Stunden nach dem Handelsstart der Bilderdienst-Mutterfirma an der Wall Street. Der Ex-Googler, berühmt für Cowboy-Stiefel sowie die Finanzierung von Unternehmen wie Twitter und Uber, postete beim Zwitscherdienst den Screenshot einer Mail, die Snaps Co-Gründer Bobby Murphy 2012 offenbar an ihn geschickt hatte.

Darin bedankt sich Murphy für ein Gespräch mit Sacca und erkundigt sich nach weiteren Tipps des Investors für Snapchats Zukunft. Er habe die Mail damals leider nicht beantwortet, bedauert Sacca heute, also die Chance auf eine Snap-Beteiligung verpasst. Der Mann ist bereits Milliardär, doch dürfte er sich an einem Tag besonders darüber ärgern, an dem die junge Firma an der Börse alle Erwartungen übertraf.

Die Snap-Aktie stieg bereits bei 24 Dollar ein, weit über dem Ausgabepreis von 17 Dollar, und notierte den ganzen Tag zwischen 24 und 26 Dollar, bevor sie mit 24,48 Dollar schloss. Der Kurs stieg damit um 44 Prozent. Snap ist auf einen Schlag 28 Milliarden Dollar wert. Das Start-up absolvierte den größten Börsengang seit dem chinesischen Online-Konzern Alibaba, der 2014 an der Wall Street 169,4 Milliarden Dollar erlöste.

Erfahrungsbericht: Bekenntnisse eines Snapchatters

Erfahrungsbericht

Bekenntnisse eines Snapchatters

Die junge Generation liebt Snapchat. Doch was ist der Reiz, sich in einen Hund zu verwandeln und Fotos von der letzten Party anzuschauen? Es ist ein Riesenspaß – und vor allem sind Eltern und Großeltern (noch) nicht da.

Snap-Gründer Evan Spiegel, der am Morgen den Handel einläutete, begleitet von seiner Verlobten, dem Supermodel Miranda Kerr, und Co-Gründer Murphy, blieb das Börsenschicksal von Rivale Facebook erspart. Das Debüt des sozialen Netzwerks an der Wall Street 2012 geriet wegen technischer Probleme bei der Nasdaq zunächst zum Fiasko - der Kurs der Aktie sackte schnell ab und notierte zeitweise bei nur noch der Hälfte des Ausgabepreises von 38 Dollar. Es wurden Vorwürfe laut, die Firma habe den Preis zu hoch angesetzt. Inzwischen hat sich Facebooks Kurs wieder erholt und liegt dank des boomendem Werbegeschäfts derzeit sogar bei über 130 Dollar pro Aktie.

Weniger gut erging es Twitter. Der Kurznachrichtendienst entfachte zwar beim Start an der Börse 2013 jede Menge Hype, notiert jedoch inzwischen bei 15 Dollar pro Aktie, weit unter dem Ausgabepreis von 26 Dollar.

Snap profitiert an der Wall Street davon, dass die Börsianer das Start-up mehr nach dem Geschäftsmodell bewerteten als nach den Kennzahlen. Bisher schreibt der Bilderdienst hohe Verluste, auf eine halbe Milliarde Dollar belief sich das Minus allein im vergangenen Jahr. Wie Facebook, Instagram oder Whatsapp zuvor spekuliert Spiegel mit Snapchat darauf, erst eine aktive, große Nutzerbasis für seine App aufzubauen, als Basis für ein künftig umso lukrativeres Geschäftsmodell.

Snapchat in Zahlen

Was ist Snapchat?

Snapchat gilt als soziales Netzwerk der Stunde. Zwar sind die Nutzerzahlen im Vergleich etwa zu Facebook, Twitter und Instagram weitaus geringer, aber besonders viele junge Leute nutzen die App*

*Zahlen nach Angaben von Snapchat

Anzahl der Nutzer

Rund 150 Millionen Nutzer sind täglich aktiv.

Videos

10 Milliarden Videos sind täglich auf Snapchat zu sehen

Alter der Nutzer

Fast 90 Prozent aller Nutzer sind jünger als 35 Jahre

Ü25

60 Prozent sind jünger als 25

Heimatmarkt USA

60 Prozent der US-amerikanischen Smartphone-Nutzer zwischen 13 und 34 sind auf Snapchat

Der aktuelle Erfolg dürfte das Vertrauen der Investoren in das junge Gründer-Duo stärken, das beim Börsengang nur stimmrechtslose Aktien verteilt hatte und auch künftig 90 Prozent ihres Unternehmens kontrolliert. Die Einnahmen geben ihm zudem ausreichend finanzielle Mittel an die Hand, um weiter am Geschäftsmodell zu feilen. Angesichts der großen Konkurrenz von Facebook, das eine Marktkapitalisierung von 391,42 Milliarden Dollar aufweist und mit dem Snapchat um die Zeit der vor allem jungen Nutzer konkurriert, wird das in den kommenden Monaten umso wichtiger.

Tag an den Börsen

Snapchat – Die Euphorie scheint verpufft

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Kommentare (1)

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Frau Annette Bollmohr

03.03.2017, 11:18 Uhr

Positiv an Snapchat ist sicherlich sein Innovationspotenzial dergestalt, dass sich Inhalte nach einiger Zeit selbst löschen.

Weniger gut finde ich aber, dass auch hier unverändert auf das Werbegeschäft - also das Generieren von "Erlösquellen" - als eigentliches Geschäftsmodell gesetzt wird.

Da wäre angesichts des Innovations- (und v.a. Kommunikations-)potenzials etwas mehr Phantasie in Richtung Gemeinnützigkeit nicht schlecht.

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