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21.09.2015

15:48 Uhr

Börsengang von Schaeffler

Ihre Aktie ist nichts für jeden

VonAxel Höpner, Peter Köhler, Anke Rezmer

Familienpatriarchin Maria-Elisabeth Schaeffler trennt sich von einem Teil ihres Unternehmens. Der Börsengang wird einer der größten seit Jahren. Doch das Schaeffler-Papier wird keine zweite „T-Aktie“ werden.

Die Firmenpatriarchin bringt einen Teil des Autozulieferers an die Börse – doch private Anleger bleiben außen vor. Imago

Maria-Elisabeth Schaeffler

Die Firmenpatriarchin bringt einen Teil des Autozulieferers an die Börse – doch private Anleger bleiben außen vor.

FrankfurtDer Konjunktureinbruch 2009 brachte den Schaeffler-Konzern aus Herzogenaurach fast an den Rand der Pleite. Die Übernahme des Konkurrenten Continental drohte das Familienunternehmen zu überdehnen, schließlich erhielt Schaeffler eine große Beteiligung am Konkurrenten aus Hannover. Firmenpatriarchin Maria-Elisabeth Schaeffler musste gar den öffentlichen Schulturschluss mit der Gewerkschaft suchen. Mit rotem Schal kam sie in die IG-Metall-Zentrale nach Frankfurt und versprach unter anderem eine größere Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen.

Die akute Krise ist verdrängt, jetzt sucht Schaeffler Aktionäre jenseits der eigenen Mitarbeiter, um Schulden abzubauen. Doch nicht jedermann ist im ersten Schritt als geeigneter Investor auserkoren. Die Aktien sollen vor allem institutionellen Investoren in Europa angeboten und breit gestreut werden – Privatanleger sind außen vor. Eine Anlegereuphorie wie beim Telekom-Börsengang („T-Aktie“) vor fast zwanzig Jahren ist damit ausgeschlossen. Und die beauftragten Banken können also voll ihre Beziehungen spielen lassen.

Der Industriekonzern beliefert nicht nur die Autoindustrie, sondern etwa auch Windanlagen-Hersteller. Reuters

Kugellager von Schaeffler

Der Industriekonzern beliefert nicht nur die Autoindustrie, sondern etwa auch Windanlagen-Hersteller.

Unter den Investmentbankern und Beratern für Börsengänge herrscht derzeit tatsächlich Goldgräberstimmung. Fast täglich kündigen sich derzeit milliardenschwere Börsengänge – kurz IPO (Initial Public Offering) genannt – für den deutschen Markt an. Nach der Bayer-Kunststoff-Sparte Covestro und dem Internet-Portal Scout24, kommt jetzt auch der Autozulieferer und Industriekonzern Schaeffler auf den Kurszettel.

Deutschland ist im IPO-Fieber. Ein Mega-Börsengang jagt den nächsten. Unbeirrt von den Diskussionen um die Wachstumsschwäche in China und der Hängepartie bei der Zinserhöhung der US-Notenbank Fed drängen Schwergewichte auf das Parkett. Hendrik Riehmer, persönlich haftender Gesellschafter der Hamburger Privatbank Berenberg, rechnet damit, dass es für IPOs in ganz Europa „ein guter Herbst“ wird. „Der Markt ist sehr aufnahmefähig und interessiert“, ergänzt Jörg Kukies Co-Deutschlandchef bei der US-Investmentbank Goldman Sachs. „Es dürften noch etwa fünf Börsengänge in diesem Jahr werden“, prognostiziert Stefan Winter, Vorstand bei der UBS in Deutschland.

Emissionen, bei denen der Handel mit den Papieren eine gewisse Größenordnung erwarten lässt, werden derzeit grundsätzlich bevorzugt. „Da gibt es keine Mindestgröße, aber Börsengänge von mehr als 500 Millionen Euro werden das Interesse eines großen Investorenkreises wecken“, meint Crag Coben, Co-Head of Global Equity Capital Markets bei Bank of America/Merrill Lynch (BofaML). Allerdings waren zuletzt einige kleinere Emissionen geplatzt oder verschoben worden.

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