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07.11.2013

10:30 Uhr

Börsengang von Twitter

Von wenigen Gewinnern und vielen Verlierern

VonAxel Postinett

Zahltag bei Twitter: Der Börsengang des Internet-Dienstes macht viele reich – zumindest auf dem Papier. Doch über Nacht verändert sich das Leben vieler Menschen in San Francisco und Umgebung auch oft zum Negativen.

26 US-Dollar pro Aktie

Twitter geht an die Börse

26 US-Dollar pro Aktie: Twitter geht an die Börse

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San FranciscoDer Protest artikuliert sich - natürlich - über einen Hashtag bei Twitter. Unter #thrownoutbytwitter protestieren verärgerte Bürger aus San Francisco gegen die katastrophale Situation auf dem Wohnungsmarkt, die ihrer Meinung nach nicht zuletzt durch Unternehmen wie Twitter verschärft wird. 

Am Morgen der Erstnotiz in New York versammeln sich die Protestierenden von „San Francisco Rising“ dann vor den Türen der Market Street 1355, dem Hauptquartier von Twitter. Dort kommen zu Duzenden die frisch gebackenen Millionäre und Milliardäre zur Arbeit und tweeten ihr neues Glück ins Internet. 

Denn die Aktien für ihr gerade sechs Jahre altes Unternehmen wurden für 26 Dollar je Stück verkauft. Damit wäre Twitter - legt man 545 Millionen nicht-verwässerte Aktien zugrunde - 14,6 Milliarden Dollar wert. Eingesammelt werden mit dem Verkauf von 70 Millionen Aktien 1,82 Milliarden Dollar. Weitere 10,5 Millionen Aktien können die Banken als Option noch haben, wenn sie wollen. 

Zahlen und Fakten zu Twitter

Nebenprodukt mit Erfolg

Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

Idee von vier Freunden

Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

Intrigen und Machtkämpfe

Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Auf ihn folgte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig. Der wiederum verließ das Unternehmen im Juli 2015. Jack Dorsey kehrte als Interimschef zurück.

Durchweg in den Miesen

Bislang hat Twitter die Erwartungen der Börse noch nicht erfüllt. Das Unternehmen hat trotz steigender Umsätze noch nie Gewinn gemacht.

Zaghaft im Werbegeschäft

Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Werbung, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit bezahlten Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen, im zweiten Quartal 2015 auf 452 Millionen Dollar .

304 Millionen Nutzer

Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter im zweiten Quartal 2015 rund 304 Millionen Nutzer pro Monat.

Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Für kalifornische Verhältnisse hört sich das jedoch fast schon bescheiden an: Mitgründer Evan Williams wird der größte einzelne Gewinner der Aktiennotiz des Kurznachrichtendienstes sein. Williams, der sich längst neuen Projekten zugewandt hat, wird nun über einen Aktienwert von 1,48 Milliarden Dollar verfügen. 

Er hält 10,4 Prozent der Aktien, aber dazu noch Optionen, die hier nicht berücksichtigt sind. Als das große Vorbild Facebook es 2012 an die Börse geschafft hatte, wurden ganz andere Zahlen aufgerufen: Mitgründer Mark Zuckerberg alleine hatte damals auf einen Schlag 19 Milliarden Dollar Vermögen in seinen Depots. 

Doch es sind nicht nur die Glanzlichter wie Evans oder Twitter-Mitgründer Jack Dorsey, der theoretisch ab Donnerstag mit Börseneröffnung rund 600 Millionen Dollar in den Händen hält. Auch andere werden nun zu Millionären im Silicon Valley.

 

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