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03.01.2012

14:14 Uhr

Börsenjahr 2011

Firmen-Insider hängen den Dax ab

VonChristian Schnell

MLP-Gründer Lautenschläger hat sich mit Aktien seines eigenen Unternehmens schwer verspekuliert. Viele andere Topmanager dagegen haben vergangenes Jahr deutlich geschickter investiert, zeigt eine Handelsblatt-Analyse.

Wertvoller Fingerzeig: Viele Unternehmensinsider liegen mit ihren Aktiengeschäften richtig. Reuters

Wertvoller Fingerzeig: Viele Unternehmensinsider liegen mit ihren Aktiengeschäften richtig.

FrankfurtMLP-Gründer Manfred Lautenschläger hat für gut sieben Millionen Euro Aktien des Finanzmaklers gekauft - zum Achtfachen des Börsenkurses. Hintergrund ist ein Termingeschäft aus dem Jahr 2004, mit dem er sich verspekuliert hat. Damals hatte die Angelika Lautenschläger Beteiligungen, in der der Firmengründer einen Teil seines MLP-Anteils liegen hat, auf einen Anstieg der Aktie auf 40 Euro bis Anfang 2012 gewettet, wie ein MLP-Sprecher am Dienstag erläuterte. Das war etwa das Doppelte des damaligen Börsenkurses. Zum Jahreswechsel musste Lautenschläger seinem - unbekannten - Geschäftspartner knapp 178.000 MLP-Papiere zum festgelegten Preis abkaufen, obwohl die Aktie des Wieslocher Unternehmens gerade noch bei gut fünf Euro notiert.

Die meisten anderen Unternehmenslenker in Deutschland jedoch waren im vergangenen Jahr mit ihren Entscheidungen weitaus treffsicherer. Sie verkauften in den ersten sieben Monaten des Jahres, als die Kurse stiegen, viele Aktien ihrer eigenen Unternehmen. Ab Ende Juli, als es an den Börsen dann wegen der Euro-Schuldenkrise massiv nach unten ging, kauften sie hingegen beherzt zu.

Das Aachener Forschungsinstitut für Asset Management hat alle meldepflichtigen Orders von Vorständen und Aufsichtsräten im vergangenen Jahr ausgewertet. Das Ergebnis: Fasst man die Kursentwicklung aller gekauften Aktien – immerhin ein Volumen von 313 Millionen Euro – zwischen Kaufdatum und Jahresende zusammen, so ergibt sich für die Topmanager nur ein Minus von knapp einem Prozent. Das beste Gespür hatte Heinz Dürr, Aufsichtsrat des gleichnamigen schwäbischen Autozulieferers. Um 45 Prozent sind die Aktien, die er Ende Januar 2011 gekauft hat, gestiegen. Richtig daneben griffen Großaktionäre von Heidelberg Cement. Dort kaufte die der Familie Merckle nahestehende Vermögensverwaltung VEM im Mai für rund 24 Millionen Euro Aktien. Heute wäre dieses Paket ein Drittel günstiger.

An Urlaub dachte im August vergangenen Jahres wohl keiner, der an der Börse sein Geld verdient. Weil sich die Überschuldungskrise in Griechenland und anderen Euro-Staaten dramatisch zuspitzte, sackten die Kurse weltweit ab. Nur die Vorstandschefs und Aufsichtsräte der Unternehmen zeigten mit ihren eigenen Kaufaufträgen, was sie von den Turbulenzen hielten: nichts. In den Wochen nach dem Kurssturz kauften viele Topmanager in großem Stil Aktien des eigenen Unternehmens. Einigen Managern gelang es sogar, sich zu Tiefstkursen einzudecken.

Speziell bei Werten aus der zweiten Reihe wie Dürr, Tui und Gerry Weber legten die Aktien nach den Orders der Führungskräfte wieder kräftig zu – die Manager hatten die Lage der eigenen Firma zutreffend eingeschätzt. „Das Jahr 2011 wurde damit dem antizyklischen Investitionsverhalten der Firmenbosse gerecht: kaufen bei Tiefstkursen und verkaufen bei hohen Kursen“, sagt Simon Bölinger vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) in Aachen. Fifam beobachtet zusammen mit Commerzbank Wealth Management seit gut fünf Jahren exklusiv für das Handelsblatt die Orders von Vorständen, Aufsichtsräten und deren Angehörigen.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

03.01.2012, 21:20 Uhr

So was nennt man INSIDER- Geschäfte. Somit kann man sich risikolos bereichern.

Account gelöscht!

03.01.2012, 21:23 Uhr

Insidergeschäfte: ist sowas nicht illegal !?
Wahrscheinlich war das mal. Heute zählt alles was Geld bringt. Egal ob legal, illegal oder scheissegal !!!

Michael

04.01.2012, 18:31 Uhr

Kaufen, wenn die Stimmung schlecht ist kann jeder kaufen, nicht nur Insider! Nur machens die meisten nicht weil sie die Hosen voll haben und den düsteren Aussagen der Medien glauben. Aktien zu kaufen hat nicht nur mit bereichern zu tun, sondern mit dem Glauben an die eigene Wirtschaft und die deutschen Unternehmen! Als Arbeitnehmer arbeitet man doch auch lieber in einem Unternehmen dem es gut geht - oder etwa nicht ;-) Es hat keine Zeit gegeben in dem der Staat es besser auf die Reihe gebracht hat als gute Unternehmer.

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