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16.05.2012

12:52 Uhr

Börsenprospekt

Kleinanleger verlieren im Telekom-Prozess

Im Mammut-Prozess gegen die Telekom haben Anleger eine erste Niederlage erlitten. Jetzt ziehen sie vor den Bundesgerichtshof. Laut OLG Frankfurt enthielt der Börsenverkaufsprospekt aus dem Jahr 2000 keine Fehler.

Schlappe für Telekom-Aktionäre - zu Recht

Video: Schlappe für Telekom-Aktionäre - zu Recht

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FrankfurtAndreas Tilp sitzt mit regungsloser Miene im Saal 5/6 des Oberlandesgerichts Frankfurt. Während die Richterin rund 20 Minuten lang eine Liste an Feststellungspunkten verliest, greift der Anwalt, der die Musterklage gegen die Telekom eingereicht hat, sogar einmal zu seinem Telefon und schaut auf dessen Display.

Am Tisch gegenüber machen die sich die drei Anwälte der Telekom dagegen eifrig Notizen. Manchmal ist ein Lächeln auf ihren Gesichtern zu erahnen. Bei der Urteilsverkündung schließlich können sie ihre Genugtuung nicht mehr unterdrücken. Der 23. Zivilsenat entschied, die Klage von Tilp abzuweisen.

Der Telekom-Prozess in Zahlen

Kläger

Die Telekom hatte nach eigenen Angaben zum Prozessauftakt beim OLG 2770 Klagen von zusammen 17.031 Klägern erhalten.

Streitwert

Der Streitwert lag 2008 bei 91,5 Millionen Euro.

Zurückgenommene Klagen

Von den ursprünglich 17.031 Klägern haben 933 ihre Klagen im Streitwert von 12,7 Millionen Euro zurückgenommen.

Zu Prozessbeginn

Bei Beginn des Prozesses standen hinter der Musterklage 16.098 Kläger in 2603 Verfahren mit einem Gesamtstreitwert von 78,9 Millionen Euro. Sie werden von rund 800 Anwaltskanzleien vertreten. Den Musterkläger vertritt die Tübinger Kanzlei Tilp. Es handelt sich um einen Pensionär aus Schwaben, der rund 1,2 Millionen Euro verloren hat.

Güteanträge

Zu den Klägern hinter der Musterklage kommt später eine unbekannte Zahl Klagen aus den gut 15.000 Güteanträgen, die Anleger bei der Öffentlichen Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle (ÖRA) der Hansestadt Hamburg eingereicht hatten, um der Verjährung ihrer Ansprüche zuvorzukommen.

Verluste der Aktionäre

In der Masse der Fälle geht es um Summen von rund 3.500 Euro, einzelne Anleger haben aber auch mehr als 60.000 Euro verloren.

Der bisher größte deutsche Anlegerprozess hatte vor vier Jahren beim Oberlandesgericht begonnen. Tilp ist der Hoffnungsträger für über 16.000 Aktionäre, kann er einen Sieg erringen, können sich Tausende Aktionäre möglicherweise darauf berufen. Die ersten Klagen stammen aus dem Jahr 2001.

Die Aktionäre verlangten von der Telekom, sowie ihren Eigentümern, der Bundesrepublik und deren KfW-Bank, zusammen rund 80 Millionen Euro Schadensersatz. Beim Börsengang waren die mehrfach überzeichneten Aktien zu einem Kurs von 63,50 Euro vor allem an Privatanleger ausgegeben worden. Danach stürzte der Kurs ab und liegt aktuell bei rund neun Euro.

Der Vorwurf lautete, im Prospekt zum so genannten dritten Börsengang im Juni 2000, als die KfW ihr Aktienpaket verkaufte, nicht ausreichend über wirtschaftliche Risiken für den Konzern informiert zu haben. Die Liste der einzelnen Klagepunkte ist lang und reicht von falsch bewerteten Immobilienvermögen über mangelnde Kommunikation zum Einstieg in den US-Markt, der bis heute massive finanzielle Probleme verursacht, bis hin zu fehlenden Hinweisen über mögliche Ansprüche von Anlegern aus dem vorherigen Börsengang.

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