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10.01.2005

07:28 Uhr

Börsianer rechnen mit positiven Impulsen aus dem Einzelhandel

Analysten sehen Dax weiter über 4 300 Punkten

VonChristoph Kapalschinski

Der Dax kann in der kommenden Woche seinen erreichten Stand halten und ausbauen. Das prognostizieren von Handelsblatt.com befragte Analysten. Die Kurse an der deutschen Wertpapierbörse stehen weiter unter dem Eindruck des stärkeren Dollars.

HB DÜSSELDORF. Zu Jahresbeginn hatte der Dax die Marke von 4 300 Punkten durchbrochen. Ein wichtiger Impulsgeber ist der nach Spekulationen über Zinserhöhungen stärkere Dollar, der die deutsche Exportwirtschaft entlastet. Der Kurs des Euro fiel im Zeitraum seit Jahresbeginn von 1,36 Dollar auf inzwischen rund 1,30 Dollar.

"Wir werden einen leicht festeren Dax sehen", sagt Volker Borghoff, Leiter Aktienstrategie bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Er geht von Dax-Ständen zwischen 4 270 bis 4 380 Zählern aus.

Dabei hat sich der Dax bei fallenden Euro-Kursen von der US-Börse leicht abgekoppelt. "Der Dax hat sich zum Jahresbeginn tapfer geschlagen. Das lässt auf eine gewisse Widerstandskraft gegenüber der Leitbörse in New York schließen", erklärt Roland Ziegler, Leiter der internationalen Aktienstrategie bei der BHF-Bank. Während institutionelle Anleger in den letzen beiden Monaten des Jahres 2004 versucht hätten, ihre Jahresgewinne abzusichern, atmeten sie wieder freier. "Die Perspektive ist nun auf die kommenden zwölf Monate gerichtet. Nachdem das Jahresziel, 2004 mit einem Plus abzuschließen, erreicht ist, sind die professionellen Anleger beruhigter", sagt er. Entsprechend hätten sie Finanzinstrumente, mit denen sie sich gegen fallende Kurse abgesichert hatten, wieder verkauft und könnten nun in Aktien investieren.

Achim Matzke, Analyst bei der Commerzbank, spricht daher von einem "positiven Grundton" an der Frankfurter Börse. Er erwartet, dass sich die günstige Entwicklung zunächst fortsetzt. Zum einen tendierten die Kurse zu Jahresbeginn traditionell fest, zum anderen lieferten die konjunkturellen Daten Argumente für Aktienanlagen, sagt der Experte. An der Wall Street sei die Aufwärtsrally von Ende Oktober bis Ende Dezember jedoch beeendet. "In der nächsten Woche rechne ich mit einem uneinheitlichen Bild", sagt Matzke. Insgesamt könne die US-Börse aber voraussichtlich das aktuelle Niveau halten.

Nachholbedarf bei Auto-Aktien

Andy Sommer, Analyst bei der HSH Nordbank, warnt jedoch vor dem Effekt wieder gestiegener Ölpreise. Die Marktteilnehmer seinen unsicher über deren Entwicklung . "Die Blicke sind auf die nächste Opec-Sitzung Ende Januar gerichtet", sagt er. Zusammen mit den irakischen Wahlen, deren Ausgang und Verlauf unsicher seien, könne die Furcht vor steigenden Preisen den Dax in der kommenden Woche drücken. Seine Prognose: 4 240 bis 4 250 Zähler. Rohstoffgebundene Branchen könnten dann unter Druck geraten. "Größere Ausschläge erwarte ich aber nicht", sagt Sommer.

Positive Nachrichten erwartet der Hamburger Analyst vom Einzelhandel. Der Metro-Konzern legt am Mittwoch die vorläufigen Jahreszahlen vor. Nach dem befriedigenden Weihnachtsgeschäft rechneten Experten damit, dass das Unternehmen sein Umsatzziel von plus sechs Prozent ohne Währungseffekte erreicht. Am Donnerstag dürften die neuen Zahlen zum Einzelhandelsumsatz in den USA den Markt beeinflussen. "Wir erwarten keine negativen Zahlen, weil das Weihnachtsgeschäft und die Automobilverkäufe gut gelaufen sind", prognostiziert BFH-Analyst Ziegler. Der Experte setzt zu Beginn der Detroit Motor Show auf eine weitere Erholung der Autowerte. Zuletzt hätten Automobil-Aktien auf negative Signale nicht mehr reagiert. Das zeige, dass schlechte Nachrichten bereits in den Kursen enthalten seien. Die Dollar-Erholung lasse jetzt für diese Werte hoffen. Zudem würden im Frühjahr traditionell mehr Neuwagen zugelassen. "Bei professionellen Anlegern sind die Automobil-Werte derzeit noch untergewichtet, so dass diese nachkaufen werden."

Schlechte Intel-Zahlen könnten Tech-Aktien auf Talfahrt schicken

Börsianer schauen in der kommenden Woche zudem auf einen Zwischenbericht des angeschlagenen Einzelhändlers Karstadt-Quelle. Analysten der Hypo-Vereinsbank (HVB) rechnen damit, dass die Verkaufszahlen bei dem Konzern 1994 um 6,2 Prozent gefallen sind und damit etwas besser als die Unternehmensprognose ausfallen. Karstadt-Quelle hatte die Prognose im November auf minus sieben Prozent nach unten korrigieren müssen. Die HVB sieht das Kursziel für die Aktie des Warenhauskonzerns bei 6,50 Euro. Am Freitag schloss das Papier bei 8,22 Euro. Optimistischer sind sie für die Metro-Aktie. Sie sehen den Titel bei 47 Euro. Wochenschlusskurs hier: 41,55 Euro.

Zudem beginnt in Übersee die Berichtssaison für das vierte Quartal 2004 und das Geschäftsjahr. "Daher könnte es aus den USA bereits Impulse geben", sagt Sommer. Am Montag berichtet der US-Aluminiumkonzern Alcoa, der traditionell als erstes der großen US-Unternehmen Daten zur Geschäftsentwicklung vorlegt. Am Dienstag folgt der Chipherstellers Intel. "Mögliche enttäuschende Berichte könnten die europäischen Technologiewerte negativ beeinflussen", warnt Trinkaus & Burkhardt-Analyst Borghoff.

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