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14.11.2013

13:32 Uhr

Boom in Asien

Deutsche Konzerne planen Börsengänge in Fernost

Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen glaubt, dass zahlreiche deutsche Unternehmen ihre Tochtergesellschaften an die Börsen in China und Indien bringen wollen. Ziel ist es, die Finanzierungslage breiter aufzustellen.

Börsentafel in Qingdao: Laut Jürgen Fitschen liegt der Fokus einiger Konzerne in Deutschland auf dem chinesischen Aktienmarkt. dpa

Börsentafel in Qingdao: Laut Jürgen Fitschen liegt der Fokus einiger Konzerne in Deutschland auf dem chinesischen Aktienmarkt.

FrankfurtDeutsche Unternehmen werden nach Einschätzung der Deutschen Bank in den kommenden Jahren verstärkt ausländische Profi-Investoren anzapfen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass mehrere deutsche Unternehmen in den nächsten Jahren Tochtergesellschaften in China und Indien an die Börse bringen werden“, sagte Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen am Montag bei einer Veranstaltung in Frankfurt. Die Konzerne würden auf diese Weise ihre Finanzierung auf eine breitere Basis stellen. Zudem würden sie der Tatsache Rechnung tragen, dass die asiatischen Boom-Länder für das Geschäft der Konzerne im Vergleich zum Heimatmarkt immer wichtiger werden. „Es wird in Zukunft mehr Kunden geben, die angesichts der globalen Wachstumsdynamik dazu übergehen, auch Kapitalmärkte außerhalb des Heimatbereiches in Angriff zu nehmen“, erklärte Fitschen.

Grundsätzlich sollten Unternehmen stärker auf Profi-Investoren am Kapitalmarkt zugehen und so ihre Abhängigkeit von Bankkrediten reduzieren, empfahl Fitschen. Die Geldhäuser könnten aufgrund der härteren Regulierungsvorschriften nicht mehr so viel Geld verleihen wie in der Vergangenheit. „Der Bankensektor wäre heute nicht in der Lage, ein nachhaltiges globales Wachstum mit Hilfe der Bankbilanzen zu unterstützen.“ Zudem würden Kredite durch diverse Regulierungsmaßnahmen teurer als in der Vergangenheit.

Knackpunkte der deutsch-chinesischen Beziehungen

Blühender Handel

Das Handelsvolumen zwischen China und Deutschland stieg im Jahr 2012 auf 161 Milliarden Dollar - ein Drittel des gesamten Handelsumfangs von China mit der EU. Aus China kommen verschiedenste Waren - von Kleidung und Schuhen bis zu Elektronik- und Metallwaren - nach Deutschland. Deutsche Unternehmen verkaufen auf dem prosperierenden chinesischen Markt Maschinen, Hightech-Komponenten und Autos.

Raues Investitionsklima

Deutsche Investoren klagen über Bürokratie und behördliche Willkür in China. Sie fordern gleiche Wettbewerbsbedingungen und mehr Rechtssicherheit - vor allem auch beim Urheberrechtsschutz. In Deutschland sieht mancher Firmenübernahmen wie die des Baumaschinenherstellers Putzmeister durch den chinesischen Sanyi-Konzern skeptisch. Bis zum Jahr 2020 könnten sich chinesische Investitionen hierzulande einer aktuellen Studie zufolge auf rund zwei Milliarden Dollar jährlich verdreifachen. Bislang gibt es keinen Grund für Angst vor einer chinesischen Firmeninvasion: Deren Investitionen machen gerade einmal 0,2 Prozent der Auslandsinvestitionen in Deutschland aus

Sorge um den Euro

Bei der Überwindung der Eurokrise setzt China vor allem auf Deutschland. Chinas Exporte sind als Folge der Schuldenkrise stark zurückgegangen, zudem sorgt sich die Regierung um ihre Devisenreserven. Nach Schätzung von Experten soll etwa ein Viertel der Rekordsumme von 3,3 Billionen Dollar in Euro angelegt sein. Im Zuge des Schuldenschnitts für Griechenland mussten im Jahr 2012 auch chinesische Staatsfonds herbe Verluste hinnehmen.

Streit um billige Solaranlagen

Auch deutsche Unternehmen der Solarbranche gingen wegen Konkurrenz aus China pleite. Die EU-Kommission hat nun ein Anti-Dumping-Verfahren angestrengt - wenn bis zum 5. Juni kein Kompromiss gefunden ist, drohen chinesischen Billigherstellern milliardenschwere Strafzölle. China wirft der EU Protektionismus vor. Deutschland könnte in dem Streit eine Schlüsselrolle spielen, denn die Zölle sind hierzulande umstritten: Industrievertreter verweisen darauf, dass 70 Prozent der Wertschöpfung für die in China montierten Module in Deutschland entsteht und Strafzahlungen auch hiesige Firmen in Mitleidenschaft zögen.

Ungeliebte Menschenrechtsdebatte

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht Menschenrechtsfragen regelmäßig an, nimmt jedoch seit dem Eklat um den Besuch des Dalai Lama im Kanzleramt im Jahr 2007 auch Rücksicht auf chinesische Befindlichkeiten. Der sachliche Verlauf des jüngsten deutsch-chinesischen Menschenrechtsdialogs könnte als Hinweis auf eine größere Offenheit der neuen Führung in Peking gewertet werden. Sie will die umstrittenen Arbeitslager reformieren, in denen Hunderttausende ohne Prozess einsitzen. Was das Schicksal einzelner Dissidenten angeht, bleibt China unnachgiebig und verweist gerne darauf, dass in seiner Tradition das kollektive vor dem individuellen Wohl steht - eine Auffassung, die angesichts des teils brutalen Drucks auf Oppositionelle hierzulande auf wenig Verständnis stößt.

Schwieriger Kulturaustausch

Die chinesische Seite beklagt eine klischeehafte Darstellung ihres Landes in der deutschen Öffentlichkeit. Mehr Chinesischunterricht und mehr Jobs für China-Experten in Behörden forderte jüngst die Grünen-Abgeordnete Viola von Cramon mit Blick auf Politiker, die ohne Landeskenntnisse in Treffen mit bestens vorbereiteten chinesischen Kollegen gingen. Der Kulturaustausch entwickelte sich stark, wenn auch nicht gleichmäßig in beide Richtungen. So studierten zuletzt etwa 25.000 Chinesen hierzulande, umgekehrt zog es nur 6200 junge Deutsche in die Volksrepublik.

Fitschen hat beobachtet, dass viele Banken angesichts der neuen Vorschriften weltweit auf dem Rückzug sind und sich verstärkt auf ihre Heimatländer konzentrieren. Parallel steige die Bedeutung von außereuropäischen Instituten. Bei einer Reise durch Europa habe er kürzlich mit Unternehmen in verschiedenen Ländern und aus verschiedenen Branchen gesprochen, erzählte der Deutsche-Bank-Chef. „Alle hatten sie etwas Gemeinsames zu berichten: Zum ersten Mal hatten sie Banken aus Brasilien, aus Russland und aus China in ihren Konsortien aufgenommen.“ Geldhäuser aus anderen europäischen Ländern seien dagegen nicht mehr in den Kredit-Konsortien vertreten gewesen.

Von

rtr

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