Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.01.2013

15:04 Uhr

Branche im Fokus

Bankaktien – ist die Luft raus?

VonWalter Epp

Die Commerzbank-Aktie klettert weiter ab - dank Berichten über Stellenstreichungen. Bankaktien weltweit haben einen erstaunlichen Run hinter sich. Geht die Rally weiter oder ist das Pulver schon verschossen?

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main. Bankaktien haben in den letzten Wochen deutlich zugelegt. dpa

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main. Bankaktien haben in den letzten Wochen deutlich zugelegt.

DüsseldorfMedienberichte über einen Jobkahlschlag haben der Commerzbank-Aktie kräftig geholfen. Die zweitgrößte Bank Deutschlands werde wohl 6.000 Stellen streichen. Anleger sind begeistert und lassen die Aktie um fast zwei Prozent an die Dax-Spitze steigen. Die Aktie der Commerzbank hat innerhalb eines Monats rund 15 Prozent dazugewonnen, während der Dax nicht einmal um zwei Prozent stieg.

Die Commerzbank-Aktie bleibt ein heißes Eisen und hochspekulativ. Das Papier der teilverstaatlichten Bank ist eine Wette auf die Wende. Ob die Bank diese schafft, ist hoch umstritten. Von ihrem Absturz 2008 bis 2009, als die Aktie von fast 20 Euro unter die Zwei-Euro-Marke fiel, hat sie sich jedenfalls nicht erholen können. Bei der Bank kriselt es an mehreren Ecken und Aktionäre müssen schon mehrere Jahre ohne Dividende auskommen.

Die Prognosen der Finanzprofis

George Soros, Investor

„Ich glaube, die größte Gefahr ist tatsächlich, möglicherweise, ein Währungskrieg.“ (25.01.2013)

Marc Faber, Investor

„Zum ersten Mal seit vier Jahren, seit dem Tief im März 2009, liebe ich den Markt wieder. Denn je höher es geht, desto wahrscheinlicher ist, dass es zu einem schönen Crash kommt, einem gewaltigen Crash.“ (31.1.2013)

Bill Gross, Fondsmanager

„Die EZB ist in diesem Tagen die härteste der Zentralbanken. Aber angesichts einer europäischen Arbeitslosigkeit von 12 bis 13 Prozent - verglichen mit 7,7 Prozent in den USA  - müssen sie etwas tun. Letztendlich müssten sie ihre Währung in Relation zum Dollar und anderen Währungen schwächen, damit sie wettbewerbsfähiger werden.” (08.03.2013)

Felix Zulauf, Vermögensverwalter

„Ich sehe nichts von einer Normalisierung. Die strukturellen Probleme sind nach wie vor da, sie sind nur kaschiert worden und hat sie für eine gewisse Zeit in einem Meer von neugeschöpfter Liquidität ertränkt.“ (21.02.2013)

Jim Rogers, Rohstoffguru und Fondsmanager

„Amerika ist die größte Schuldnernation in der Geschichte der Welt.“ (24.02.2012)

Steen Jakobsen, Chefvolkswirt bei der Saxo Bank

„Ich persönlich hatte sehr negative Erwartungen insbesondere bezüglich der Realwirtschaft und den Aktienmärkten. Bei der Wirtschaft lag ich richtig, bei den Aktienmärkten nicht. Aber sollten Aktienmärkte nicht eigentlich der Realwirtschaft folgen?“ (28.2.2013)

Warren Buffett, Investor

Sicherlich, die nähere Zukunft ist unklar. Amerika blickt dem Unbekannten aber seit 1776 ins Auge. (01.03.2012)

Nouriel Roubini, Ökonom

„Die Risiken werden vom Markt derzeit zu niedrig eingeschätzt. Sie werden im ersten Halbjahr wohl eingedämmt bleiben, aber sie könnten wieder an die Oberfläche kommen.” (04.03.2013)

Stan Druckenmiller, Hedge-Fonds-Manager

„Die Party kann noch für eine Weile so weitergehen. Ich weiß nicht, wann sie enden wird, aber ich schätze, dass sie sehr schlimm enden wird.“ (5.3.2013)

Jim O’Neill, Chairman Goldman Sachs Asset Management

„Ich erwarte keine anhaltende Aufwärtsbewegung von dem derzeitigen Niveau, ohne dass es weitere Hinweise darauf gibt, dass die Wirtschaft in einem irrwitzig starken Tempo wächst.“ (18.03.2013)

Barry Knapp, Barclays

„Der große Treiber ist die Fed. Eine Wachstumskorrektur am Ende des ersten oder zu Beginn des zweiten Quartals ist wahrscheinlich. Unser Problem sind die Auswirkungen der fiskalischen Kontraktion, stagnierendes Wachstum und Investoren, die zu enthusiatisch sind in Bezug auf den Häusermarkt.“

Dan Veru, Investment-Chef Palisade Capital Management

„Ich denke es gibt viele Investoren die darauf warten, in den Markt einzusteigen.“

Mohamed El-Erian, Co-CIO bei Pimco

„Europa hat zwei Stangen Dynamit angezündet. Die erste betrifft die Inhaber kleiner Konten. Müssen auch sie Zwangsabgaben leisten, drohen soziale und politische Unruhen und ein Austritt aus der Eurozone. Die Folgen der anderen Dynamitstange sind weit komplizierter und ungewisser. Es ist eine Frage der Unverletzlichkeit von Bankguthaben in Europa. Und eine Erinnerung, dass Europa zu viele Ziele verfolgt und zu wenig Instrumente hat.“ (18.03.2013 zur Zwangsabgabe für zyprische Sparer)

Von Bankenkrise keine Spur

Trotzdem steigt die Aktie - und die der anderen Banken auch. Am Dienstag gab es einen Run auf spanische Bankaktien. Der europäische Branchenindex ist in einem Monat um fast zehn Prozent gestiegen. Die Aktien der US-Großbank JP Morgan haben im vergangenen Monat fast sieben Prozent dazugewonnen - und das trotz Händlerskandal, der der Bank einen Schaden von fast sechs Milliarden Dollar bescherte. Die Aktie von Goldman Sachs stieg innerhalb von 30 Tagen um 15 Prozent. Die Großbank verdreifachte fast im vierten Quartal den Gewinn. Ähnlich sieht es bei der Citigroup-Aktie aus, die innerhalb von sechs Monaten gut 50 Prozent an Wert dazugewonnen hat.

„Das Umfeld hat sich verbessert“

Die Rally der Bankaktien zeigt vor allem eins: die Anleger vertrauen der Finanzbranche wieder. Von einer Bankenkrise ist keine Spur. Nachdem die Kurse aller großen Banken im Jahre 2008 abgeschmiert waren, können die Banken nach etlichen Stellenstreichungen und Facelifts glänzen. Analysten sehen eine allgemeine Aufhellung der Stimmung.

Die größten Investmentbanken der Welt 2012

Rang 10

Den zehnten Platz erreicht die Bank Rothschild im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen. Das Haus betreute 2012 Unternehmenskäufe und Zusammenschlüsse im Wert von rund 246,5 Milliarden Dollar.

Quelle: Mergermarket

Rang 9

Den neunten Platz erreichte die Investmentbank-Sparte der UBS. Sie betreute 2012 Transaktionen im Wert von 247,5 Milliarden Dollar.

Rang 8

Bank of America Merill Lynch betreute Deals im Volumen 332,1 Milliarden Dollar.

Rang 7

Die Schweizer Credit Suisse erreichte mit einem Transaktionsvolumen von 362 Milliarden Dollar den siebten Platz weltweit.

Rang 6

Die britische Barclays betreute 2012 Übernahmen und Fusionen im Volumen von 389,8 Milliarden Dollar.

Rang 5

Die Deutsche Bank erreichte immerhin den fünften Rang im weltweiten Übernahmegeschäft. Sie steuerte Deals über 390,6 Milliarden Dollar.

Rang 4

Die US-Bank JP Morgan betreute 2012 Deals im Wert von 422,8 Milliarden Dollar.

Rang 3

Unter die Top-3 kommt die Citigroup mit Deals über 425,1 Milliarde Dollar.

Rang 2

Den zweiten Platz eroberte Morgan Stanley mit Deals über 488,4 Milliarden Dollar.

Rang 1

Den Spitzenplatz erreichte die Investmentbank Goldman Sachs, die Fusionen und Übernahmen mit einem Volumen von 555,9 Milliarden Dollar betreute.

„Eine Reihe von Dingen sind in den vergangenen Monaten geschehen, die zwar nicht die Probleme Spaniens gelöst, aber das allgemeine Bild aufgehellt haben”, sagt Simon Maughan bezüglich der spanischen Bankaktien-Rally. Er ist Stratege bei Olivetree Securities in London. Die Analysten der Credit Suisse stimmen dem zu und schreiben in ihrer Branchenstudie: „Das Umfeld hat sich verbessert“.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

r-tiroch@t-online.de

20.01.2013, 17:28 Uhr

keine Spur von Bankenkrise dank Repo,OMT,ELA,EFSF,Soffin,LTRO,STEP,Artikel 52,122+125, gell? hier gibt es unbegrenzte kohle, ohne Auflagen, Sicherheiten und Regeln. dennoch sollen sie erneut gerettet werden?
der IWF sagt, dass GR fertig hat, Pleite ist, Zypern 10x soviel fordert gerettet zu werden, usw. aber die krise ist ja aus, sagen die Banken und politiker, gell?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×