Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.02.2011

08:22 Uhr

Branche im Wandel

Spanische Sparkassen stürmen an die Börse

VonAnne Grüttner

Der Finanzsektor in Spanien formiert sich neu. Strengere Kapitalregeln zwingen die Sparkassen, sich neue Eigentümer zu suchen. Selbst kleinere Institute wollen den Schritt auf das Börsenparkett wagen.

Isidre Faine, Präsident von La Caixa: Die zweitgrößte spanische Sparkasse reagierte am schnellsten auf die neuen Kapitalregeln. Quelle: Reuters

Isidre Faine, Präsident von La Caixa: Die zweitgrößte spanische Sparkasse reagierte am schnellsten auf die neuen Kapitalregeln.

MadridIn gut zwei Wochen beginnt für Spaniens Geldinstitute eine neue Zeitrechnung: Ab dem 10. März gilt das neue Gesetz zur Stärkung des Finanzsektors, das am Freitag verabschiedet wurde. Alle Finanzinstitute müssen dann eine Kernkapitalquote von mindestens acht Prozent aufweisen. Mindestens zehn Prozent gelten, wenn nicht wenigstens 20 Prozent des Kapitals privaten Investoren gehört oder wenn sie ihren Finanzierungsbedarf zu weniger als 20 Prozent auf dem Finanzmarkt stillen. Die neuen Regeln sollen den Finanzsektor stärken und gleichzeitig die Sparkassen zwingen, sich für privates Kapital zu öffnen. Dadurch wird der radikale Wandel der Branche seit dem Platzen der Immobilienblase beschleunigt.

Lokalpolitiker verlieren im Finanzsektor an Einfluss

Schon im letzten Jahr war die Zahl der Sparkassen durch zahlreiche Fusionen von 45 auf 17 geschrumpft. Die Cajas, bei denen bisher die Regional- und Gemeinderegierungen das Sagen hatten, orientieren sich jedoch jetzt erst neu. Die größeren Institute kündigten bereits einen baldigen Börsengang an. Der Rest bereitet wenigstens die Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft vor, um private Investoren oder vorübergehend den staatlichen Bankenrettungsfonds FROB als Teilhaber aufzunehmen. „Es gibt einigen Raum für privates Kapital, aber ein großer Teil der nötigen Kapitalisierung wird vom FROB kommen müssen”, glauben die Analysten von Barclays Capital.

Vorreiter ist die katalanische Sparkasse La Caixa. Sie hatte als einzige der Cajas schon 2007 ihre Industriebeteiligungen in der Tochter „Criteria“ gebündelt und an die Börse gebracht. So konnte sie nun als erste reagieren. Criteria gibt einen großen Teil der Industriebeteiligungen wieder ab, erhält das Finanzgeschäft von La Caixa und wird in „CaixaBank“ umgetauft.

Die Kreditinstitute haben ein Jahr Zeit, um neue Investoren zu finden

Die Beteiligungen an Immobilienfirmen und der Immobilienbesitz, den La Caixa von notleidenden Kunden übernahm, werden in eine Art Bad Bank ausgelagert. Die Kernkapitalquote der künftigen CaixaBank wird mittels einer Kapitalerhöhung im Volumen von zwei Milliarden Euro auf 10,9 Prozent steigen und so die neue Regel bequem erfüllen. „CaixaBank wird sicher sehr interessant sein für den Markt“, freut sich Javier Hernani, Finanzchef bei der spanischen Börsenholding BME. Dem Vorbild von La Caixa will schon im Sommer der neue Gigant der Branche nacheifern, die „Banco Financiero y de Ahorro“ (BFA). Das Institut war entstanden aus der Hauptstadt-Sparkasse „Caja Madrid“ und sechs anderen. An die Börse will auch Banco Base, das Produkt einer Fusion von Caja Cantabria, Cajastur, Caja Mediterráneo und Caja Extremadura.

Selbst kleinere Institute wie Banca Cívica oder Banco Mare Nostrum planen eine Börsenemission. Banca Civica will sogar bis zu 40 Prozent seiner Anteile an die Börse bringen, verhandelt allerdings auch mit Investoren wie dem auf Teneriffa lebenden indischen Multimillionär Ram Bhavnani. Die Cajas haben einige Möglichkeiten, ihre Kapitalquoten zu erhöhen. „Einige Banken haben bereits signalisiert, möglicherweise ein paar Sparkassen übernehmen zu wollen, andere Cajas verkaufen vielleicht einen Teil ihres Industrieportfolios, außerdem sehen wir noch Raum für Fusionen zwischen den 17 verbleibenden Sparkassen“, heißt es bei Barclays Capital. Die Regierung lässt den Sparkassen jetzt bis Ende März 2012 Zeit, um einen Börsengang über die Bühne zu bringen. Sie müssen also nicht alle gleichzeitig aufs Parkett stürzen.


Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×