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16.08.2011

16:49 Uhr

Brasilien

Konsumaktien zeigen Stärke

Brasiliens Konsumbranche ist stärker geworden. Grund sind die steigenden Einkommen der Bevölkerung. Auch die schwache Börsenentwicklung kann die Aktien der Konzerne nicht stoppen.

Die Aufregung um den Fusionsversuch von Pão de Açucar demonstriert den harten Kampf um Brasiliens Konsummarkt. Quelle: Reuters

Die Aufregung um den Fusionsversuch von Pão de Açucar demonstriert den harten Kampf um Brasiliens Konsummarkt.

São PauloAls vor kurzem die größte brasilianische Supermarktkette Pão de Açucar einen Fusionsversuch mit der französischen Carrefour machte, reagierte der Konkurrent Casino empört: Als „versuchte Enteignung“ bezeichnete deren CEO Jean-Charles Naouri das Vorgehen der Brasilianer. Immerhin ist Casino bei Pão de Açucar der größte Aktionär. Die Aufregung zeigt: Der brasilianische Konsummarkt ist hart umkämpft.

Grund dafür sind die robusten Wachstumsperspektiven, der harte Real und die Marktgröße: Das Pro-Kopf-Einkommen der 190 Millionen Brasilianer ist mit rund 13000 Dollar pro Jahr deutlich höher als etwa in China (4500 Dollar) oder Indien (1200 Dollar). Damit zählt Brasilien für Multis wie Unilever, Procter & Gamble, Nestlé, Wal-Mart oder Carrefour zu den wichtigsten Märkten weltweit – die Gewinne dort tragen meist auch überdurchschnittlich zum Konzernergebnis bei.

Doch das könnte sich ändern: In den letzten Jahren sind in Brasilien überraschend starke lokale Konzerne entstanden. „Zwar werden die ausländischen Multis weiterhin in Brasilien wachsen – doch sie müssen mit einer neuen Garde lokaler Rivalen kämpfen“, schreiben Francisco Chevez und Manisha Chaudry von HSBC.

An der Börse zeigten die 35 Unternehmen des Konsumindex (Icon) eine beeindruckende Stärke im aktuellen Börsenchaos: Während der Bovespa-Index in diesem Jahr rund 23 Prozent verloren hat, hielten die Aktien der Konsumkonzerne ihren Wert. Der starke Real, die wachsende Inflation und Zweifel, ob der Wirtschaftsboom in China bald schwächer ausfallen könnte, bremsen die brasilianischen Blue Chips. In diesem Jahr hat sich daher der Bovespa-Index erstmals schlechter entwickelt als der MSCI-Weltindex.

Vorreiter der Konsumgüterhersteller ist der Kosmetikkonzern Natura, der über einen Direktvertrieb über eine Million unabhängige Verkäuferinnen hat. Vorbild ist der US-Konkurrent Avon. Doch der brasilianische Konzern ist weitaus effektiver: Inzwischen erzielt er allein in Brasilien einen ähnlich hohen Gewinn wie Avon weltweit – bei einem nur halb so großen Umsatz (etwa vier Milliarden Dollar 2010).

Ähnlich geschickt bauen andere Konsumgüterhersteller ihre Marken, Vertrieb und Marketing auf. Der Textilhersteller CIA Hering war jahrelang ein verschlafener Familienkonzern aus dem Süden, bekannt für die gute Qualität seiner T-Shirts. Jetzt hat der Konzern erkannt, dass sich dieser Ruf als Marke für eine landesweite Kette nutzen lässt. Seine Aktie zählt zu den besten Performern an der Börse dieses Jahr (plus 15 Prozent).

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