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27.01.2010

14:34 Uhr

Brauerei-Aktien

Bierbrauer sitzen auf dem Trockenen

VonJörg Hackhausen

Die Aktien der Bierbranche haben zuletzt kräftig zugelegt. Doch damit könnte es nun vorbei sein. Weil die Menschen in den traditionellen Biernationen wie Deutschland zu wenig trinken, gehen die Geschäfte schlecht. Die alte Weisheit, wonach die Menschen in schweren Zeiten mehr Alkohol konsumieren, bewahrheitet sich nicht. Nur in den Schwellenländern läuft es flüssig.

Innerhalb der vergangenen 30 Jahre stieg der weltweite Bierausstoß um durchschnittlich 2,5 Prozent pro Jahr. Besonders hoch waren die Wachstumsraten in den Jahren 2004 bis 2007. Inzwischen geht der Trend aber in die andere Richtung. Der Ausstoß dürfte unter das Vorjahresniveau fallen. IMAGO

Innerhalb der vergangenen 30 Jahre stieg der weltweite Bierausstoß um durchschnittlich 2,5 Prozent pro Jahr. Besonders hoch waren die Wachstumsraten in den Jahren 2004 bis 2007. Inzwischen geht der Trend aber in die andere Richtung. Der Ausstoß dürfte unter das Vorjahresniveau fallen.

FRANKFURT. Das Bier fließt wieder. Endlich, werden die Belgier sagen, hat der Streik in der größten Brauerei der Welt ein Ende gefunden. Die Biervorräte in Getränkemärkten und Gaststätten waren bereits zur Neige gegangen, nachdem die Beschäftigten bei Anheuser-Busch Inbev ihre Arbeit aus Protest gegen Sparpläne niedergelegt hatten. Inzwischen haben sie sich mit den Konzernbossen auf einen Waffenstillstand geeinigt. Doch die Probleme der Branche sind damit nicht gelöst. Der Streik sorgt nicht nur unter Biertrinkern für Aufsehen, sondern ist auch ein Warnsignal für die Aktionäre.

Im Sog der Börsenrally des vergangenen Jahres spülte es die Brauereiaktien weit nach oben. Die Papiere von Inbev stiegen auf Jahressicht um 85 Prozent, Carlsberg hat sogar 116 Prozent gewonnen, SAB Miller rund 78 Prozent und Heineken liegen immerhin rund 50 Prozent im Plus.

Experten gehen inzwischen davon aus, dass die Kurse zu rasant gestiegen sind. Denn die Wirtschaftskrise macht der Bierbranche zu schaffen. Nicht nur bei Inbev muss gespart werden, auch SAB Miller, die Nummer zwei der Welt, steckt in Schwierigkeiten. In diesem Jahr sei dank Einsparungen und reduzierter Investitionen zwar wieder mit einem stärkeren Cash-Flow zu rechnen, sagt Michael Steib von Morgan Stanley. Die Markterwartungen seien zuletzt aber gestiegen, so dass die Aktie nur noch wenig Luft nach oben habe.

Sorgen bereiten den Brauereien besonders die traditionellen Biernationen. Es fehlt an organischem Wachstum. "Wir erwarten für Nordamerika eine Stagnation, in Europa einen Absatzrückgang, vor allem in Osteuropa", heißt es in einer aktuellen Analyse der Hopfenhandelsfirma Barth Group. -Haas In Lateinamerika und Asien, die als Hoffnungsträger der Branche gelten, werde sich das Wachstum etwas abschwächen. Die Brauerei-Industrie werde weniger Bier verkaufen, als erwartet; möglicherweise falle der weltweite Bierausstoß zum ersten Mal seit Jahrzehnten unter das Niveau des Vorjahres. Die alte Weisheit, wonach die Menschen in schweren Zeiten mehr Bier trinken, habe sich nicht bewahrheitet.

Mehr als 1,8 Mrd. Hektoliter Bier wurden 2008 weltweit gebraut. Der größte Produzent der Welt ist China mit einem Ausstoß von mehr als 410 Mio. Hektolitern. Der chinesische Bierdurst ist in den vergangenen Jahren stetig größer geworden. Deutschland liegt mit einem Bierausstoß von rund 103 Mio. Hektolitern inzwischen auf Platz fünf der weltweiten Rangliste, hinter China, den USA, Russland und Brasilien.

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