Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.02.2013

17:03 Uhr

BVB-Geschäftsführer Treß

„Wir können die Bayern nicht einholen“

VonLukas Bay

Mit der Halbjahresbilanz legt Borussia Dortmund erneut einen Millionengewinn vor. Im Interview verrät BVB-Geschäftsführer Thomas Treß warum er Riesentransfers weiter ablehnt – und die Aktie für unterbewertet hält.

BVB-Geschäftsführer Thomas Treß.

BVB-Geschäftsführer Thomas Treß.

Handelsblatt Online: Herr Treß, einerseits hat Borussia Dortmund den Gewinn erneut gesteigert. Andererseits hat der BVB laut Ihrem aktuellen Halbjahresbericht erstmals wieder die Finanzverbindlichkeiten gesteigert. Sie machen insgesamt 5,6 Millionen Euro neue Schulden. Weichen Sie von Ihrem Kurs der Schuldentilgung ab?

Thomas Treß: Nein, wir weichen von diesem Kurs nicht ab. Auch wenn es kurzfristig sein kann, dass wir unseren Fremdkapitalanteil temporär steigern, bleiben wir langfristig bei unserem Kurs der Schuldentilgung.

Am Mittwoch geht es im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen die Bayern. Wann kann der BVB auch finanziell mit den Bayern mithalten?

Wir können bestenfalls den Abstand auf die Bayern verkürzen. Doch einholen können wir sie nicht. Dort wurde jahrelange hochseriöse Arbeit im finanziellen Bereich betrieben. Ein solcher Vorsprung ist nicht innerhalb weniger Jahre einzuholen.

Fußball: Geldquellen und Vermögen des BVB

Sponsoren

Der BVB hat sich wichtige Einnahmequellen mittel- und langfristig vertraglich abgesichert. Dazu zählen insbesondere die Einnahmen durch Premium-Sponsoren, insbesondere Evonik, Signal Iduna, Puma, Opel, Brinkhoff‘s, Sparda-Bank, Sprehe, Wilo, Hankook, Flyeralarm, Westlotto, Turkish Airlines und Huawei.

Quelle: Vorläufige Bilanz 2013/14, Finanzberichte

Werbung

Die sportlichen Erfolge machen den Verein als Werbeträger für Sponsoren immer beliebter. Im Geschäftsjahr 2013/2014 stiegen die Einnahmen durch Werbung um 3,7 Millionen auf 73 Millionen Euro. Allein der Vertrag mit dem langjährigen Sponsor Evonik soll dem Klub bis 2025 rund 250 Millionen Euro in die Kasse spülen.

TV-Vermarktung

Die Einnahmen aus der Fernsehvermarktung bleiben der größte Einnahmenposten, auch wenn sie durch das frühere Champions-League aus leicht gesunken sind: 81,4 Millionen Euro flossen in die Kasse des Vereins - in der Saison 2012/2013 betrugen die TV-Einnahmen noch etwa 87,6 Millionen Euro, was der Verein vor allem dem Finaleinzug im Europapokal zu verdanken hatte.

Merchandising

Für Trikothersteller Puma ist der BVB ein lukrativer Partner. Denn durch die internationalen Erfolge steigt weltweit die Nachfrage nach schwarz-gelbem Merchandising. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stiegen die Einnahmen in diesem Bereich um 3,6 Millionen Euro auf insgesamt 35 Millionen Euro.

Catering, Handel und Lizenzen

Beim Catering und den sonstigen Einnahmen, zu denen beispielsweise Versicherungszahlungen für verletzte Spieler und Entschädigungen des DFB für abgestellte Nationalspieler zählen, steht unter Strich ein Plus. Insgesamt erwirtschaftet der BVB hier 26,3 Millionen Euro, nach 20,3 Millionen im Vorjahr.

Ticketerlöse

Mehr als 80.000 Zuschauer passen in den Signal Iduna Park – und die Arena ist regelmäßig ausverkauft. Doch weil diesmal kein Champions-League-Halbfinale im Dortmunder Stadion gespielt wurde, sinken die Einnahmen in diesem Bereich. Rund 40,5 Millionen Euro nehmen die Dortmunder durch Ticketverkäufe ein, im Vorjahr waren es 44,8 Millionen Euro. Viele Top-Clubs wie Bayern München oder Real Madrid haben weniger Zuschauer, aber trotzdem höhere Einnahmen. In Dortmund rühmt man sich jedoch niedriger Ticketpreise und ist stolz auf die günstigen 28.000 Stehplätze, auf denen die Stimmung im Stadion entsteht.


Stadion

Der Signal Iduna Park hat 80.645 Plätze und ist damit das größte Fußballstadion Deutschlands. Durchschnittlich über 90 Prozent betrug die Auslastung in den letzten zehn Jahren. Laut der englischen "Times" ist es zugleich das

schönste Fußballstadion der Welt.

Fans

Durchschnittlich 80.520 Personen schauten in der Saison 2013/2014 den Spielen zu. Damit war der BVB die Nr. 1 in Deutschland vor Bayern München (71.000). Zum zweiten Mal in Folge lag der BVB auch in Europa (!) vor Manchester United (75.032) und vor dem FC Barcelona (73.812), wie sich aus der Internetseite www.weltfussball.de ergibt. Allein 54.000 Dauerkarten bedeuten Allzeit-Rekord in der Bundesliga.

Image

Borussia Dortmund ist nach der „Fußballstudie 2013“ der TU Braunschweig der beliebteste Verein in Deutschland. Die Nr.1 ist der BVB auch im „BrandFeel Ranking 2013”. Dies ist das Marken-Ranking zur Fußball-Bundesliga von Mafo.de. Die Online-Marktforscher haben die Vereine bezüglich Markenstärke, Image und Positionierung bewertet.

Spielerkader

Durch die Erfolge wird der Spielerkader immer wertvoller. Die Transferpolitik, junge talentierte Spieler zu verpflichten und/oder zu entwickeln, generiert zudem erhebliche „stille Reserven” in den Spielerwerten. Der Verein nennt zum Beispiel Marian Sarr, Marvin Duksch, der ausgeliehen wurde, Jonas Hofmann, Erik Durm, Ilkay Gündogan, Sven Bender, Marco Reus, Neven Subotic oder Mats Hummels. Den Buchwert des Lizenzspielerkaders zum 30.06.2013 kalkulierte der Verein auf 28,4 Millionen Euro.

Die Bayern haben mit Audi, Adidas und der Telekom sehr lukrative Sponsorenverträge abgeschlossen. Sie setzen mit Signal Iduna, Evonik und Brinkhoffs auf regionale Sponsoren. Wie kann Borussia Dortmund sich auch im Sponsoring internationaler aufstellen?

Wir haben einerseits den Standortnachteil Nordrhein-Westfalen; ein Bundesland, in dem viele Vereine um Sponsoren werben. Aber trotzdem haben wir unser Sponsoring-Aufkommen in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert und wollen es auch weiterhin steigern. In Folge des anhaltenden sportlichen Erfolgs realisieren wir eine zunehmend verbesserte Preisqualität. Natürlich sind wir bestrebt, auch überregional weitere Sponsoren zu finden. Ein Beispiel ist Puma. Durch unser strategisches Marketing werden wir weitere gewinnen. Wir sehen sowohl international wie regional weitere Erlöspotentiale.

Dazu muss die Marke Borussia Dortmund auf internationaler Ebene aber weiter an Bekanntheit gewinnen. Uli Hoeneß hat Dortmund ja zuletzt als „regionale Sache“ bezeichnet. Hat er Recht?

Dortmund ist keine regionale Marke. Auch international werden wir als Marke wahrgenommen. Gerade in den vergangenen zwei Jahren haben wir an Bekanntheit deutlich hinzugewonnen .Und wir werden uns auch weiter international besser aufstellen. Neben unseren Auftritten in der Champions League steigern wir unsere Bekanntheit unter anderem durch eine japanische Homepage und BVB World, wo wir unsere Bewegtbilder auch international online vermarkten. Zehn Prozent unserer Onlineumsätze machen wir mittlerweile im Ausland – mit steigender Tendenz.

Aktie im Fokus: Erfolgsgeschichte mit geringer Rendite für Aktionäre

Aktie im Fokus

Erfolgsgeschichte mit geringer Rendite für Aktionäre

Der BVB schickt sich an, das Rekordergebnis des Doublejahres zu toppen. Doch im Aktienkurs spiegelt sich das noch nicht wider. Das liegt vor allem an der Skepsis der Aktionäre.

Ist es eine Option, durch die Verpflichtung von internationalen Stars an Bekanntheit zu gewinnen? Sind Transfers oberhalb der 30-Millionen-Marke für den BVB überhaupt vorstellbar?

Ein solcher Transfer würde unserer Strategie widersprechen, Stars lieber selber zu machen als sie am Markt teuer einzukaufen. Das ist unsere Philosophie. Das ist aber auch den finanziellen Rahmenbedingungen von Borussia Dortmund geschuldet. Wir streben nicht an, solche Transfers abzubilden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×